Hohe Goldpreise bremsen die Übernahmewelle aus
In der Goldbranche herrscht Übernahmestimmung, doch bei den Verhandlungen gestaltet sich eine Einigung zunehmend schwieriger. Hohe Edelmetallpreise füllen die Kassen vieler Produzenten, lassen zugleich aber die Preisvorstellungen möglicher Verkäufer steigen. Der australische Goldproduzent Perseus Mining AU000000PRU3 A0B7MN beobachtet deshalb rege Gespräche, denen vergleichsweise wenige erfolgreiche Abschlüsse folgen. Als wesentliches Hindernis nannte Vorstandschef Craig Jones gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters die unterschiedlichen Erwartungen an den künftigen Goldpreis.
Wie schwierig langfristige Kalkulationen inzwischen geworden sind, lässt sich an der jüngsten Preisentwicklung ablesen. Nach Angaben des Branchenverbands World Gold Council kostete Gold Ende Januar 2026 zeitweise mehr als 5.400 USD je Feinunze. Bis Ende Juni war der Referenzpreis vorübergehend auf rund 4.000 USD gefallen. Solche Schwankungen wirken sich erheblich auf die Bewertung künftiger Fördererlöse aus. Sie können die Vorstellungen von Käufern und Verkäufern weit auseinanderbringen.
Milliardenangebote stoßen auf Widerstand
Ein besonders aufschlussreiches Beispiel liefert der zurückgewiesene Übernahmevorschlag des südafrikanischen Goldproduzenten Gold Fields ZAE000018123 856777. Im September bewertete der unverbindliche Vorschlag den australischen Konkurrenten Northern Star Resources AU000000NST8 A0BLDY mit 38,7 Mrd. AUD, umgerechnet rund 27 Mrd. USD. Der rechnerische Angebotspreis von 27 AUD je Northern-Star-Aktie lag rund 22 % über dem Schlusskurs vom 11. September 2026. Weil ein erheblicher Teil des Kaufpreises in Aktien gezahlt werden sollte, hing der tatsächliche Wert der Offerte allerdings auch von deren Börsenkurs ab.
Northern Star wies die Offerte dennoch zurück. Das Management bezeichnete das Angebot als opportunistisch und hielt die Bewertung des Unternehmens für erheblich zu niedrig. Gold Fields verwies dagegen auf die wirtschaftlichen Vorteile des geplanten Zusammenschlusses. Den heutigen Wert möglicher operativer und finanzieller Synergien bezifferte der Konzern auf vier bis fünf Milliarden USD. Besonders bei benachbarten Minen in Westaustralien sollten sich Verarbeitungsanlagen und Infrastruktur effizienter nutzen lassen. Allerdings beruhten die Schätzungen auf vorläufigen Berechnungen ohne umfassende Prüfung des Zielunternehmens. Aus dem Zusammenschluss wäre nach den Vorstellungen von Gold Fields der weltweit zweitgrößte Goldproduzent hervorgegangen.
Die unterschiedlichen Bewertungen von Northern Star veranschaulichen ein grundsätzliches Problem solcher Transaktionen. Käufer müssen neben den erwarteten Goldpreisen auch künftige Förderkosten und notwendige Investitionen einkalkulieren. Verkäufer möchten dagegen den wirtschaftlichen Wert ihrer Lagerstätten möglichst vollständig vergütet bekommen. Je weiter die zugrunde liegenden Annahmen auseinanderliegen, desto schwieriger wird eine Einigung.
Der Kaufpreis ist dabei keineswegs das einzige Hindernis. Konkurrierende Interessenten und regulatorische Anforderungen können selbst weit fortgeschrittene Übernahmevorhaben verzögern oder verhindern.
Wie schwierig der Abschluss einer bereits vereinbarten Transaktion werden kann, zeigte sich beim geplanten Verkauf des kanadischen Goldminenbetreibers Allied Gold CA01921D2041 A417BV. Die rund vier Milliarden USD schwere Übernahme durch den chinesischen Goldproduzenten Zijin Gold HK0001200002 A41KPF wurde im Juli 2026 abgesagt. Nach Angaben von Allied Gold waren beide Unternehmen zu dem Schluss gekommen, dass die notwendigen Abschlussbedingungen weder bis zum vereinbarten Stichtag noch innerhalb absehbarer Zeit erfüllt werden konnten. Im August erwarb Zijin Gold für rund 295 Mio. USD stattdessen eine Beteiligung von etwa 9,2 % an Allied Gold. Die Geschäftsbeziehung wurde somit trotz der gescheiterten Übernahme fortgesetzt.
Große Zusammenschlüsse verändern den Goldmarkt
Dass Übernahmen trotz solcher Schwierigkeiten zustande kommen, belegen mehrere große Transaktionen der vergangenen Zeit. Northern Star sicherte sich durch den Kauf des australischen Goldentwicklers De Grey Mining zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten. Auch der australische Goldproduzent Ramelius Resources AU000000RMS4 808383 baute seine Position mit der Übernahme des einheimischen Goldexplorers Spartan Resources aus.
Außerhalb Australiens setzte sich die Konzentration ebenfalls fort. In Kanada übernahm der Goldproduzent Equinox Gold CA29446Y5020 A2PQPG den Konkurrenten Calibre Mining. Der internationale Goldproduzent AngloGold Ashanti GB00BRXH2664 A3EQAK erweiterte sein Portfolio durch den Kauf von Centamin. Dessen bedeutendstes Förderprojekt ist die Goldmine Sukari in Ägypten.
Für die Unternehmen bieten solche Zusammenschlüsse mehrere wirtschaftliche Vorteile. Bereits erschlossene Lagerstätten ermöglichen es, die Förderung schneller auszuweiten als durch die aufwendige Entwicklung vollständig neuer Minen. Bei räumlich benachbarten Bergwerken lassen sich außerdem Verarbeitungsanlagen, Transportwege und technische Einrichtungen gemeinsam nutzen. Allerdings können hohe Übernahmepreise einen erheblichen Teil dieser Vorteile aufzehren. Kalkuliert ein Käufer mit dauerhaft hohen Goldpreisen, bleibt bei einem späteren Preisrückgang weniger finanzieller Spielraum.
Steigende Förderkosten erschweren Bewertungen
Neben der Unsicherheit über künftige Goldpreise müssen mögliche Käufer die Entwicklung der Betriebskosten berücksichtigen. Nach Berechnungen des World Gold Council lagen die durchschnittlichen Gesamtkosten der Goldförderung einschließlich der laufenden Erhaltungsinvestitionen im ersten Quartal 2026 bei 1.785 USD je Unze. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprach das einem Anstieg um 16 %.
Zwar waren die Goldpreise wesentlich stärker gestiegen und hatten der Branche außergewöhnlich hohe Gewinnspannen beschert. Für potenzielle Käufer stellt sich jedoch die Frage, welcher Teil dieser Erträge langfristig erhalten bleibt. Schließlich hängt die Wirtschaftlichkeit einer Mine von ihrer gesamten Betriebsdauer ab und lässt sich kaum allein anhand der gegenwärtigen Goldpreise beurteilen.
Ein zusätzlicher Kostenfaktor sind die staatlichen Förderabgaben, die in einigen Ländern mit dem Goldpreis steigen. In Ghana gilt beispielsweise seit März 2026 ein gestaffeltes Abgabensystem. Bei Goldpreisen oberhalb von 4.500 USD je Unze können die Abgaben nach Angaben des World Gold Council bis auf 12 % steigen. Zuvor galt ein pauschaler Satz von 5 %.
Wachstum aus eigener Kraft
Ein Beispiel für den vorsichtigen Umgang mit den gegenwärtigen Übernahmerisiken liefert Perseus selbst. Der Konzern schließt weitere Zukäufe zwar nicht aus, bevorzugt derzeit jedoch den Ausbau seiner eigenen Förderkapazitäten. Drei Goldminen betreibt das Unternehmen bereits in Westafrika: Edikan in Ghana sowie Sissingué und Yaouré in der Elfenbeinküste. Mit dem Projekt Nyanzaga in Tansania bereitet Perseus einen vierten Minenbetrieb vor.
In Ghana investiert Perseus rund 140 Mio. USD in die Erweiterung der Goldmine Edikan. Dadurch sollen zusätzliche Erzvorkommen erschlossen und die wirtschaftliche Lebensdauer des Bergwerks verlängert werden. Auch die höheren staatlichen Förderabgaben haben Vorstandschef Jones bislang nicht veranlasst, diese Planungen wesentlich zu verändern.
Perseus bleibt bei Übernahmen zurückhaltend
Dass Perseus bei Übernahmen auf seine Bewertungskriterien achtet, zeigte sich bereits 2025. Damals ließ der Konzern seine Offerte für den australischen Goldexplorer Predictive Discovery auslaufen, nachdem der Konkurrent Robex Resources ein verbessertes Angebot vorgelegt hatte. Im April 2026 wurde der Zusammenschluss von Predictive Discovery und Robex schließlich abgeschlossen. Für Jones muss eine Übernahme auch bei vorsichtigeren Annahmen über den künftigen Goldpreis noch ausreichend Erträge versprechen.
An finanziellen Möglichkeiten für größere Zukäufe dürfte es Perseus grundsätzlich kaum fehlen. Die Investmentbank Canaccord Genuity erwartet für das Geschäftsjahr 2027/28 ein EBITDA von rund 2,25 Mrd. USD und bis Ende 2028 einen Kassenbestand von mehr als zwei Milliarden USD. Ende Juni 2026 verfügte Perseus bereits über liquide Mittel und Goldbestände im Wert von rund 1,03 Mrd. USD. Jones zufolge untersucht der Konzern grundsätzlich auch Übernahmemöglichkeiten außerhalb Afrikas. Neue Projekte müssten allerdings zu den vorhandenen Fähigkeiten beim Bau und Betrieb von Goldminen passen.
Finanzkraft allein garantiert keine Übernahmen
Die hohen Gewinne verschaffen vielen Goldkonzernen beträchtliche Mittel für weitere Akquisitionen. Doch bei den Verhandlungen bleiben die Erwartungen an künftige Fördererlöse und Kosten ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor. Steigende Förderabgaben, Energiepreise und Betriebskosten können die Wirtschaftlichkeit zusätzlich beeinträchtigen. Bei der Bewertung einer Mine kommt es deshalb auf die Qualität der Lagerstätte und ihre langfristigen Ertragsmöglichkeiten an.
Selbst Unternehmen mit hohen Finanzreserven müssen sorgfältig prüfen, welche Risiken sie bei einer Übernahme eingehen. Besonders anspruchsvoll ist das bei milliardenschweren Angeboten, deren Wirtschaftlichkeit von dauerhaft hohen Goldpreisen abhängt. Der Ausbau bestehender Minen und die Erschließung zusätzlicher Ressourcen bieten den Produzenten unterdessen eine Alternative zu teuren Übernahmen.
Die Konsolidierung der Goldindustrie kann sich durchaus fortsetzen. Bei künftigen Transaktionen wird es jedoch darauf ankommen, dass sich die vereinbarten Kaufpreise auch unter weniger günstigen Marktbedingungen wirtschaftlich rechtfertigen lassen.

