Vom Bergwerk zum Server: BHP und Amazon testen Klimanachweis für Kupfer

Vom Bergwerk zum Server: BHP und Amazon testen Klimanachweis für Kupfer bigstockphoto

Der australische Rohstoffkonzern BHP AU000000BHP4 850524 und der US-Technologiekonzern Amazon testen einen Zertifikatsmechanismus für emissionsärmeres Kupfer. Umweltmerkmale aus der Mine Escondida sollen unabhängig vom physischen Metall bis zum Endkunden übertragbar werden. Der Pilot greift damit ein Kernproblem komplexer Kupferketten auf: Umweltinformationen lassen sich am Metall selbst nur schwer durchreichen.

Emissionsvorteil wird vom Metall getrennt

Escondida in Nordchile gilt als weltweit größte Kupfermine und produziert sowohl Kupferkonzentrat als auch Kupferkathoden. Die Mine deckt ihren Strombedarf aus erneuerbaren Quellen und arbeitet mit entsalztem Wasser.

Diesen Emissionsvorteil soll der Pilot über Environmental Attribute Certificates, kurz EACs, für Käufer nutzbar machen. Dafür wird ein überprüfter Umweltvorteil der Kupferproduktion als Zertifikat erfasst und vom physischen Metall getrennt gehandelt. Ein Käufer kann das Zertifikat erwerben, seinem Kupferverbrauch zurechnen und anschließend stilllegen, also aus dem Verkehr ziehen.

RMI, eine unabhängige US-Nonprofitorganisation für die Energiewende, bezeichnet dieses Prinzip als Book and Claim. Dabei werden das überprüfte Umweltmerkmal und die physische Ware getrennt verbucht und übertragen. Käufer können so emissionsärmere Produktion unterstützen, auch wenn das betreffende Metall nicht über ihre eigene Lieferkette zu ihnen gelangt. Die physische Rückverfolgbarkeit soll dieses Verfahren nach Darstellung von RMI ergänzen, nicht ersetzen.

Für Amazons Cloud-Sparte, Amazon Web Services (AWS), besteht ein direkter Bezug zur eigenen Infrastruktur. AWS betreibt Rechenzentren, deren Stromversorgung, Kühlung und Hardware Kupfer benötigen. Im Pilotversuch kann Amazon die Zertifikate gegen die Emissionen des Kupfers stilllegen, das etwa in Leiterplatten, Chips, Verbindungen und Kühlplatten eingesetzt wird und auch KI-Systeme ermöglicht.

Das Verfahren ist als sogenanntes Insetting angelegt. Die Zertifikate dürfen, anders als bei klassischer Kompensation, ausschließlich Emissionen innerhalb der Kupferlieferkette zugeordnet werden.

Viele Stufen erschweren die Rückverfolgung

Kupfer aus Escondida verlässt die Mine je nach Produktionsroute als Konzentrat oder bereits als Kathode. Konzentrat wird anschließend verhüttet und raffiniert, während Kathoden in die weitere Verarbeitung gehen. Danach folgen Fertigungs- und Handelsstufen bis zum fertigen Bauteil.

Auf diesem Weg wird Kupfer aus unterschiedlichen Quellen verarbeitet, vermischt und über mehrere Handelsstufen weitergegeben. Ein Endkunde kann deshalb emissionsärmeres Kupfer nachfragen, ohne es über seine bestehenden Zulieferer physisch beziehen zu können. Auch Herkunftsregion und Beschaffungskanal können einer direkten Lieferbeziehung im Weg stehen.

Die Zertifikate lösen diesen Zusammenhang auf zwei Ebenen. Das physische Kupfer kann den üblichen Weg durch die Lieferkette nehmen, während der überprüfte Emissionsvorteil separat zum Käufer gelangt. Damit das funktioniert, müssen Umweltmerkmale eindeutig zugeordnet, überprüfbar registriert und gegen Doppelzählung geschützt werden. Nach Angaben von BHP achten Käufer neben Versorgungssicherheit zunehmend auf nachprüfbare Nachhaltigkeitsmerkmale.

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Kupfer wird für BHP zum strategischen Kern

Im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 2026 erzielte das Kupfergeschäft rund 18 Mrd. USD bereinigtes EBITDA und steuerte damit erstmals mehr als die Hälfte des Konzern-EBITDA bei.

BHP plant weiteres Wachstum im Kupfergeschäft. Die bestehende Projektpipeline könnte die Kupferproduktion nach Konzernangaben bis zum Geschäftsjahr 2035 um rund 40 % erhöhen. Für einen neuen Konzentrator in Escondida genehmigte BHP zunächst 500 Mio. USD vor einer endgültigen Investitionsentscheidung im Kalenderjahr 2027 oder 2028.

Auch die Marktaussichten sprechen für den Ausbau. Die Internationale Energieagentur erwartet bis 2040 rund sieben Millionen Tonnen zusätzliche Kupfernachfrage. In dem IEA-Szenario, das angekündigte politische Maßnahmen berücksichtigt, könnte das erwartete Minenangebot aus bestehenden und angekündigten Projekten 2035 rund 25 % unter dem Bedarf an Primärkupfer liegen.

Escondida besitzt damit auch jenseits des Zertifikatspiloten erhebliches Gewicht. BHP betreibt die Mine und hält 57,5 % an dem Gemeinschaftsunternehmen. Weitere 30 % gehören dem britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto GB0007188757 852147. Die übrigen 12,5 % halten japanische Beteiligungsgesellschaften.

Glaubwürdigkeit entscheidet über den Markt

Der Ansatz befindet sich noch in der Pilotphase. Geprüft werden Zulassungskriterien, Regeln für die Ausgabe sowie Schutzmechanismen gegen Doppelzählungen.

Der von RMI veröffentlichte Bericht, an dem auch Fachleute von Amazon und BHP mitwirkten, nennt weitere offene Punkte. Geklärt werden muss etwa, wie Käufer Zertifikate ihren indirekten Emissionen in der Lieferkette zurechnen dürfen. Offen sind vorerst außerdem Emissionsschwellen, die Vergleichsbasis für Emissionen, Prüf- und Zertifizierungsregeln sowie eine verlässliche Registerstruktur.

Werden dieselben Emissionsvorteile mehrfach beansprucht, verliert das Modell seine Glaubwürdigkeit. Bei verlässlicher Registrierung könnte dagegen neben dem physischen Kupfer ein handelbarer Umweltwert entstehen. Ein künftiger Markt hängt damit vor allem von eindeutigen Regeln für Anerkennung, Prüfung und Doppelzählung ab. Der Pilot erprobt, ob sich solche Umweltmerkmale verlässlich entlang komplexer Kupferketten handelbar machen lassen.