Vom Bergwerk bis zum Schrott: Brüssel setzt auf KGHM

Vom Bergwerk bis zum Schrott: Brüssel setzt auf KGHM KGHM

Mit zwei Großvorhaben steht der polnische Kupfer- und Silberproduzent KGHM PLKGHM000017 908063 nun auf der Liste strategischer EU-Projekte. Die Europäische Kommission hat die Erschließung eines Kupfervorkommens und den Umbau einer Schmelzhütte als strategisch eingestuft. Zusammen sollen die beiden Investitionen mehr als 9,5 Mrd. PLN (rund 2,17 Mrd. EUR) kosten.

Die Vorhaben betreffen getrennte Stufen der Kupferversorgung. Während der Bergbau zusätzliche Erzmengen zugänglich machen soll, will KGHM in der Hütte bereits genutztes Metall zurückgewinnen. Allerdings liegen die Herausforderungen an verschiedenen Stellen: Für das Untertageprojekt braucht der Konzern viel Zeit und Kapital, beim Recycling dauerhaft geeigneten Kupferschrott.

Europa baut eigene Kupferkapazitäten aus

Kupfer wird für Stromnetze, Elektromotoren und zahlreiche Industrieanlagen benötigt. Allein für Technologien zur Senkung der Treibhausgasemissionen in der EU besteht zwischen 2020 und 2050 schätzungsweise ein Bedarf von 22 Mio. Tonnen. Allerdings verursacht auch die Herstellung des dafür benötigten Metalls Emissionen, die in die Klimabilanz dieser Technologien einfließen. Nach Angaben von KGHM fällt dieser Ausstoß bei der Kupferproduktion in der EU je Produktionseinheit durchschnittlich nur etwa halb so hoch aus wie außerhalb Europas.

Mit dem europäischen Gesetz zur Sicherung kritischer Rohstoffe, dem Critical Raw Materials Act (CRMA), will die EU ihre heimischen Lieferketten stärken. Bis 2030 sollen europäische Kapazitäten mindestens zehn Prozent des Bedarfs an strategischen Rohstoffen durch eigene Förderung decken. Für die Verarbeitung liegt die Zielmarke bei 40 %, für das Recycling bei 25 %. Am vergangenen Freitag nahm die Kommission aus 102 Bewerbungen 46 Vorhaben aus 16 Mitgliedstaaten auf ihre neue Liste strategischer Projekte auf.

Recyclingpläne hängen von Schrottversorgung ab

In der niederschlesischen Stadt Legnica plant KGHM den Umbau seiner bestehenden Kupferhütte zu einer integrierten Recyclinganlage. Bislang produziert der Betrieb rund 122.000 Tonnen Elektrolytkupfer jährlich. Nach der Modernisierung stellt der Konzern eine Jahresproduktion von rund 135.000 Tonnen dieses Metalls sowie 250 Tonnen Nickel in Aussicht. Dafür sollen künftig Schrotte mit einem Kupfergehalt zwischen 15 und 60 % verarbeitet werden, die auch weitere Metalle enthalten.

Mit der Umstellung verändert sich vor allem der Rohstoffbedarf. Um die Anlage dauerhaft betreiben zu können, benötigt KGHM ausreichende Schrottmengen, deren Zusammensetzung für die geplanten Schmelzverfahren geeignet ist. Vorstandschef Remigiusz Paszkiewicz fordert deshalb europäische Maßnahmen, die den Abfluss entsprechender Materialien in Drittländer begrenzen. Zugleich soll die Rückgewinnung von Begleitmetallen stärker gefördert werden.

Seit Juli 2025 erfasst die EU-Kommission die Ein- und Ausfuhren von Kupfer-, Aluminium- und Stahlschrott über ein besonderes Zollüberwachungssystem. In ihrem Rohstoffaktionsplan vom Dezember 2025 kündigte sie an, mögliche zusätzliche Maßnahmen für Kupferschrott nach weiterer Marktbeobachtung zu prüfen, falls erforderlich. Die Handelsdaten können damit als Grundlage für politische Eingriffe dienen. Ob die geplante Recyclinganlage langfristig ausreichend geeigneten Schrott erhält, bleibt jedoch offen.

Mit unserem kostenlosen Newsletter bleiben Sie stets zu interessanten Rohstoffthemen und Minenfirmen auf dem neuesten Stand. Verpassen Sie keine Marktkommentare und Hintergrundberichte zu spannenden Metallen mehr.

Mit dem Absenden bestätigen Sie, dass Sie unseren Disclaimer / AGB, unsere Datenschutzerklärung und Informationsvertragsbedingungen gelesen haben und akzeptieren.
Sie haben es fast geschafft!

Öffnen Sie Ihr Email Programm (eventuell den Spam Ordner prüfen) und klicken Sie in der Email mit dem Betreff: "Miningscout: Bitte Anmeldung bestätigen" auf den Bestätigungslink.

Fügen Sie info@miningscout.de als Kontakt in Ihrem Email-Programm hinzu, damit unser Newsletter nicht aus Versehen als Spam markiert wird.

Tiefer Schacht zu großen Kupfervorkommen

Im Bergbau will KGHM die Lagerstätte Retków–Grodziszcze im Südwesten Polens erschließen. Der dafür vorgesehene Schacht Retków soll rund 1.360 Meter tief werden und dem bestehenden Bergwerk Rudna als Zugang und Transportweg dienen. Nach bisheriger Planung wäre er damit der tiefste Bergbauschacht Polens.

Retków gehört zu drei neuen Schächten, für die KGHM bereits 2025 erste Vorarbeiten aufnahm. Den Beginn der oberirdischen Bauarbeiten hatte der Konzern für das erste Halbjahr 2027 angekündigt. Für solche Bauvorhaben veranschlagt KGHM nach früheren Angaben zehn bis 15 Jahre. Entsprechend langfristig fallen auch die Förderziele aus. Bis 2055 sollen mehr als 100 Mio. Tonnen polymetallisches Erz gewonnen werden. Darin enthalten wären nahezu 1,5 Mio. Tonnen Kupfer und mehr als 5.000 Tonnen Silber.

Günstigere steuerliche Rahmenbedingungen erleichtern inzwischen die Investitionsplanung. Seit Januar 2026 fällt in Polen eine geringere Förderabgabe auf Kupfer und Silber an. Ab 2029 können Unternehmen zudem einen Teil bestimmter Investitionen in die Förderung auf ihre Abgaben anrechnen.

EU-Status erleichtert Verfahren

Für KGHM eröffnet die Anerkennung als strategisches Projekt Aussicht auf besser koordinierte Genehmigungsverfahren und Unterstützung bei der Finanzierungssuche. Der europäische Rechtsrahmen sieht für neue Fördervorhaben grundsätzlich eine Genehmigungsdauer von höchstens 27 Monaten vor. Bei Verarbeitungs- und Recyclingprojekten liegt diese Frist grundsätzlich bei 15 Monaten. Allerdings gelten Ausnahmen und besondere Regeln für bereits laufende Verfahren.

Für den Bau der Vorhaben sind weiterhin ein entsprechender Beschluss und verbindliche Finanzierungszusagen erforderlich. Für Retków bleiben die geologischen Vorarbeiten und der lange Investitionshorizont maßgeblich, für Legnica die gesicherte Versorgung mit geeignetem Kupferschrott. Der Konzern will beide Vorhaben nach seinen bisherigen Zeitplänen weiterentwickeln und dabei mit nationalen sowie europäischen Stellen zusammenarbeiten.