Panamas Minenkommission: Bergwerk soll seinen Abschied finanzieren

Panamas Minenkommission: Bergwerk soll seinen Abschied finanzieren picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Matias Delacroix

Panamas Regierungskommission empfiehlt Verhandlungen über einen möglichen Neustart der Kupfermine Cobre Panama mit einem fest definierten Ende. Die Einnahmen sollen den schrittweisen Rückbau finanzieren. Für den kanadischen Kupferproduzenten First Quantum Minerals CA3359341052 904604, dessen Tochter Minera Panamá Betreiberin der Mine ist, wäre das weit mehr als eine technische Wiederinbetriebnahme. Das Unternehmen müsste einen neuen Rechtsrahmen akzeptieren, internationale Schiedsverfahren beenden und zugleich die spätere Stilllegung finanzieren.

Am vergangenen Mittwoch übergaben die Minister für Handel und Industrie, Wirtschaft und Finanzen sowie Umwelt Präsident Mulino den Abschlussbericht der interministeriellen Kommission. Das Gremium hat 17 Empfehlungen und sechs Kriterien vorgelegt, die für jede Lösung gelten sollen.

Staat will den Rückbau aus dem Betrieb finanzieren

Die Vorschläge umfassen formelle Gespräche mit First Quantum über eine neue Vereinbarung. Ein möglicher Betrieb soll eine geordnete Schließung finanzieren, ohne den Staat mit den Kosten zu belasten. Dahinter steht ein Finanzierungsmodell für einen Standort, dessen Sicherung noch lange nach dem Förderende Geld kostet. Ohne eine solche Vereinbarung veranschlagt die Kommission die Schließung auf 2,6 bis 3,4 Mrd. Balboa (ca. 2,6 bis 3,4 Mrd. USD).

Auch die zeitliche Dimension ist erheblich. Nach Regierungsangaben würden sich die Kosten über 17 bis 19 Jahre verteilen. Mehr als zwei Drittel davon entfielen nach dieser Kalkulation auf den anschließenden Erhalt des Standorts, nicht auf die eigentlichen Schließungsarbeiten. Wie hoch die laufenden Aufwendungen ausfallen, zeigen die Unternehmenszahlen. First Quantum bezifferte seine Kosten für Erhalt und sichere Verwaltung im ersten Quartal 2026 auf rund 16 Mio. USD monatlich.

Technisch lässt sich die Mine nicht einfach abschalten. Nach Angaben der Regierung überwachen 164 aktive Messinstrumente permanent die Anlage für Bergbaurückstände. Das ist unter anderem nötig, um die physische Stabilität fortlaufend zu kontrollieren. Auch müssen Sicker- und Kontaktwässer behandelt werden.

Zugleich soll die Flächeninanspruchnahme der Mine nicht wachsen. Der Bericht verlangt, das Areal des Standorts messbar zu verkleinern und den Rückbau während einer möglichen Betriebsphase schrittweise voranzutreiben.

Für das endgültige Ende soll ein Termin festgelegt werden. Verbleibende Umweltlasten müssten identifiziert, beziffert und finanziert werden. Die sichere Schließung soll abschließend durch eine unabhängige Prüfung bestätigt werden.

Rechtsrahmen bleibt eine Hürde

Cobre Panama steht seit Ende 2023 weitgehend still. Nach der Verabschiedung des damals neuen Konzessionsvertrags protestierten landesweit unter anderem Lehrer- und Baugewerkschaften, Umweltgruppen, Studierende und indigene Organisationen. Sie kritisierten Umwelt- und Wasserrisiken sowie die Vertragsbedingungen und verlangten die Aufhebung des Abkommens. Panamas Oberster Gerichtshof erklärte den Vertrag Ende November 2023 für verfassungswidrig.

Eine neue Vereinbarung kann die frühere Vertragskonstruktion deshalb nicht einfach wiederherstellen. Sie müsste mit dem Gerichtsurteil vereinbar sein und deutlich stärkere Transparenzvorgaben enthalten. Parallel laufen internationale Schiedsverfahren. Die Kommission macht deren Beendigung zu einer Voraussetzung für eine spätere Vereinbarung mit First Quantum.

Die wirtschaftliche Größenordnung dieser Verfahren ist erheblich. Dem Abschlussbericht zufolge summieren sich die geltend gemachten Mindestforderungen auf mindestens 27 Mrd. USD. Panama erkennt diese Forderungen nicht als geschuldete Beträge an. Ein Schiedsgericht hat sie bislang nicht zugesprochen.

Die Empfehlungen lassen Laufzeit, Produktionsumfang und konkrete wirtschaftliche Konditionen eines möglichen Neustarts offen. Auch die rechtliche Form einer Vereinbarung ist nicht festgelegt. Rechtsrahmen, Schiedsverfahren und Finanzierung des späteren Rückbaus sind damit unmittelbar miteinander verknüpft. Erst entsprechende Verhandlungen können klären, ob sich alle drei Bedingungen zugleich erfüllen lassen.

Panamas Wirtschaft erholt sich

Vor dem Förderstopp gehörte Cobre Panama zu den größten privaten Investitionsprojekten des Landes. Auf die Mine entfiel mehr als ein Prozent der weltweiten Kupferproduktion. Nach Angaben von First Quantum entsprach das Projekt 2023 etwa fünf Prozent der panamaischen Wirtschaftsleistung. Die Stilllegung traf daher Arbeitnehmer, Zulieferer und Staatseinnahmen zugleich.

Inzwischen lässt sich der gesamtwirtschaftliche Effekt genauer einordnen. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) sank Panamas Wachstum von 7,3 % 2023 auf 2,9 % 2024. Der IWF führt diese Verlangsamung hauptsächlich auf die Schließung von Cobre Panama zurück.

Die Folgewirkungen auf andere Wirtschaftsbereiche blieben nach Einschätzung des IWF zugleich begrenzt. Im Verlauf des Jahres 2024 beschleunigte sich das Wachstum außerhalb des Bergbausektors wieder. Die jüngsten Daten weisen ebenfalls auf eine kräftigere Konjunktur hin. Panamas Statistikamt meldete für das zweite Quartal 2026 ein BIP-Wachstum von 6,4 % gegenüber dem Vorjahr.

Die Mine bleibt wirtschaftlich bedeutend, während Panamas Gesamtwirtschaft inzwischen wieder stärker wächst. Die fiskalischen und regionalen Folgen der Stilllegung bestehen fort. Eine im September der Regierungskommission übergebene Studie des Wirtschaftsverbands CONEP bezifferte die Zahl der bis Ende 2025 betroffenen Arbeitsplätze auf 30.277 und die entgangenen Steuern und Royalties für 2024 und 2025 auf rund 1,36 Mrd. Balboa. Die Regierung nennt zudem entgangene Deviseneinnahmen von täglich rund 6,85 Mio. Balboa (ca. 6,85 Mio. USD). Diese Größenordnungen erklären den fiskalischen Druck bei der Suche nach einer dauerhaften Lösung.

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Für Anleger zählt die mögliche Laufzeit

Am 30. September verlor First Quantum in Toronto zeitweise rund 31 % und schloss den Handel etwa 15 % schwächer. Der Markt reagierte vor allem auf die wiederholte Betonung einer geordneten Schließung. Erst der später veröffentlichte vollständige Bericht zeichnete den möglichen Weg über einen erneuten Betrieb klarer nach.

Für die Bewertung von First Quantum bleibt die mögliche Laufzeit zentral. Die Empfehlungen nennen keine Dauer für einen möglichen neuen Betrieb. Zwischen einem kurzen Übergangsbetrieb und einer langen Restlaufzeit liegen erhebliche Unterschiede beim möglichen Unternehmenswert. Diese Spanne ist bislang nicht definiert.

Aufbereitung läuft bereits wieder

Anfang April 2026 genehmigte Panamas Regierung die Verarbeitung und Ausfuhr des bereits vor dem Förderstopp abgebauten Erzes. First Quantum schätzte den Vorrat damals auf rund 38 Mio. Tonnen mit etwa 70.000 Tonnen gewinnbarem Kupfer. Im Mai nahm das Unternehmen die erste von drei Aufbereitungslinien wieder in Betrieb. Bis zum Ende des zweiten Quartals entstanden daraus 3.216 Tonnen Kupfer. Für das Gesamtjahr erwartet First Quantum weiterhin 30.000 bis 40.000 Tonnen aus den Lagerbeständen. Neue Förderung findet nach Angaben der panamaischen Behörden weiterhin nicht statt.

Diese Tätigkeit gehört zum staatlich genehmigten Erhaltungs- und Sicherheitsplan. Sie ist ausdrücklich nicht mit einer Wiederaufnahme des regulären Bergbaus gleichzusetzen. Die Verarbeitung zeigt allerdings, dass Teile der Anlage technisch wieder arbeiten. Ein regulärer Betrieb mit festem Enddatum setzt eine neue Vereinbarung voraus.

First Quantum erklärte, konstruktiv mit Panama über einen neuen Rechtsrahmen verhandeln zu wollen. Dieser müsse transparent, dauerhaft und mit Verfassung sowie Gesetzen des Landes vereinbar sein.

Die nächste Weichenstellung liegt nun bei Präsident Mulino. Er hat angekündigt, den Abschlussbericht mit seinem Kabinett und juristischen Beratern zu prüfen. Erst danach will er seine Entscheidung öffentlich bekannt geben. Gibt Mulino Verhandlungen frei, müsste ein neuer Rechtsrahmen mehrere Bedingungen zugleich erfüllen. Dazu gehören das Ende der anhängigen Schiedsverfahren, ein festes Enddatum ohne Verlängerung, eine schrittweise Verkleinerung der beanspruchten Fläche und ein finanzierter Rückbau ohne Belastung des Staatshaushalts. Bis zu einer solchen Entscheidung bleibt Cobre Panama unter dem staatlich angeordneten Erhaltungsplan. Verarbeitet wird bereits gefördertes Erz, neue Gewinnung findet weiterhin nicht statt.