Escondida auf Rekordkurs, Codelco in der Krise – Chile pumpt Milliarden in seinen Staatskonzern

Escondida auf Rekordkurs, Codelco in der Krise – Chile pumpt Milliarden in seinen Staatskonzern Codelco

Chile zeigt im Kupferbergbau ein gespaltenes Bild. Die Kupfermine Escondida steigerte ihre Juni-Produktion um 45,8 % auf 111.400 Tonnen. Die vom Bergbaukonzern BHP AU000000BHP4 850524 kontrollierte Mine rückte damit bis auf 3.000 Tonnen an den chilenischen Staatskonzern Codelco heran. Dessen Förderung sank im Jahresvergleich um 4,8 % auf 114.400 Tonnen.

Parallel vollzieht Chile einen finanziellen Kurswechsel. Codelco darf erstmals sämtliche Gewinne des Geschäftsjahres 2025 im Unternehmen behalten. Die 2,422 Mrd. USD sollen operative Kontinuität und Investitionen sichern, ohne die Verschuldung weiter auszuweiten. Der Schritt erweitert Codelcos finanziellen Spielraum erheblich. 2022 hatte der Staat für die Gewinne der Jahre 2021 bis 2024 eine durchschnittliche Reinvestition von 30 % vereinbart.

Escondidas Jahresförderung bleibt unter Vorjahresniveau

Die staatliche chilenische Kupferkommission Cochilco meldete auch ein Plus für die Kupfermine Collahuasi, an der die Bergbaukonzerne Anglo American GB00BTK05J60 A41BF3 und Glencore JE00B4T3BW64 A1JAGV mit jeweils 44 % halten.

Die Produktion stieg im Juni um 1,7 % auf 34.900 Tonnen. Beide privat dominierten Großminen erhöhten damit ihre Förderung, während Codelco gegenüber dem Vorjahr Volumen verlor.

Der starke Juni ändert den schwächeren Jahrestrend bei Escondida jedoch nicht. BHP meldete für das Geschäftsjahr 2026 insgesamt 1,261 Mio. Tonnen, drei Prozent weniger als zuvor. Sinkende Erzgehalte belasteten die Förderung, obwohl Rekorde beim abgebauten Material und beim Durchsatz der Aufbereitungsanlagen den Rückgang begrenzten. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet BHP bei Escondida nur 1,0 bis 1,1 Mio. Tonnen. Der Juni zeigt dadurch hohe operative Leistung, während niedrigere Erzgehalte die Produktion über längere Zeit bremsen.

Weiterreichende operative Probleme bei Codelco

Die Zahlen erhöhen den Druck auf den Staatskonzern. Codelco arbeitet bereits an einem strategischen Erholungsplan, der Abläufe und zentrale Investitionsentscheidungen überprüfen soll. Verwaltungsratschef Bernardo Fontaine will damit Produktionskapazität zurückgewinnen und die Finanzlage stabilisieren. Bereits im ersten Quartal 2026 sank die eigene Förderung auf 272.000 Tonnen, 8,1 % weniger als im Vorjahr.

Mehrere operative Belastungen treffen Codelco gleichzeitig. Die Kupfermine El Teniente kämpft weiter mit den Folgen des tödlichen Unfalls vom Juli 2025. Damals kamen bei einem Einsturz sechs Arbeiter ums Leben, Teile des Untertagebetriebs wurden anschließend zeitweise stillgelegt.

Die Mine Chuquicamata hatte weniger Kupfererz für die Verarbeitung verfügbar. Ministro Hales verzeichnete zugleich sinkende Erzgehalte. Sicherheitsfolgen, geringere Erzverfügbarkeit und sinkende Erzgehalte erschweren dadurch Codelcos Bemühungen, die Produktion wieder zu stabilisieren.

Eine interne Prüfung korrigierte zudem die zuvor gemeldete Jahresproduktion. Beanstandet wurden 26.875 Tonnen, die zu früh als fertige Produktion erfasst worden waren. Die Wirtschaftszeitung Financial Times bezifferte die korrigierte Eigenproduktion 2025 auf 1.307.570 Tonnen, den niedrigsten Stand seit fast drei Jahrzehnten. Codelco beauftragte daraufhin die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer unabhängigen Prüfung der Produktionsberichte für 2024 und 2025. Diese Kontrolle soll klären, wie die fehlerhafte Erfassung entstand und welche internen Abläufe angepasst werden müssen.

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Milliardenhilfe trifft auf eine schmale Ertragsbasis

Die vollständige Kapitalisierung des Gewinns für 2025 verschafft Codelco nun zusätzlichen Spielraum. Die Mittel bleiben erstmals vollständig im Konzern, um damit strategische Investitionen und den laufenden Betrieb zu finanzieren. Zugleich soll die stärkere Eigenkapitalbasis den Bedarf an neuen Schulden begrenzen.

Der ausgewiesene Gewinn für 2025 enthält allerdings einen erheblichen und vom Kupfergeschäft unabhängigen Sondereffekt. Mehr als vier Fünftel stammen aus der Neubewertung der Beteiligung am Lithium-Gemeinschaftsunternehmen NovAndino Litio. Ohne diesen Bewertungseffekt lag Codelcos Gewinn bei lediglich 388 Mio. USD. Die Kapitalisierung stärkt deshalb die Finanzierungskraft, während die laufende Kupferproduktion weiterhin eine deutlich schwächere Ertragsbasis liefert.

Die Führung verbindet das zusätzliche Kapital mit strikten Vorgaben. Fontaine fordert Sparsamkeit, Effizienz und finanzielle Disziplin. Vorstandschef Jorge Gómez setzt auf Sicherheit, stabile Abläufe und stärkere Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft. Codelco investierte 2025 zugleich rekordhohe 5,073 Mrd. USD, wodurch Projektausführung und Kapitaldisziplin zusätzlich an Bedeutung gewinnen.

Chile verknüpft Staatsfinanzen und Kupferstrategie

Chile bindet einen größeren Teil der Codelco-Erträge direkt an den Konzern. Auf diese Weise will der Staat Produktionskapazität sichern und einen weiteren Anstieg der Verschuldung begrenzen. Für Codelco wächst zugleich der Druck, das zusätzliche Kapital in messbare operative Fortschritte umzusetzen. Der Kurs ist auch fiskalpolitisch bemerkenswert, weil der chilenische Staatspräsident José Antonio Kast zugleich eine Konsolidierung des Staatshaushalts verfolgt.

Für den Kupfermarkt verstärkt sich damit ein langfristig bedeutender Gegensatz. Escondida steigert kurzfristig die Förderung, während Codelco mit Produktionsproblemen und hohen Investitionen ringt. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet für 2035 trotz angekündigter Projekte eine globale Versorgungslücke beim Kupfer von rund 25 %. Dadurch gewinnt jede Verzögerung bei großen chilenischen Minen zusätzliche Bedeutung für das künftige Angebot.

BHP bereitet Escondida zugleich mit einer neuen Konzentratoranlage auf die kommenden Jahrzehnte vor. Das Projekt umfasst rund fünf Mrd. USD. Bei erteilter Umweltgenehmigung könnte eine erste Produktion 2031 oder 2032 beginnen. Private und staatliche Milliardeninvestitionen in Chile werden damit zunehmend daran gemessen, wie zuverlässig sie Fördermengen sichern oder steigern.