KGHM forciert Auslandszukäufe zur Sicherung europäischer Schmelzen

KGHM forciert Auslandszukäufe zur Sicherung europäischer Schmelzen picture alliance / dpa / Mario Ruiz

Als größter Kupferproduzent der Europäischen Union stellt sich KGHM Polska Miedz PLKGHM000017 908063 weltweit neu auf. Der Konzern prüft derzeit konkrete Übernahmeziele in Europa, Afrika sowie Nord- und Südamerika. Vorstandschef Remigiusz Paszkiewicz verknüpft diesen Kurs direkt mit dem globalen Rohstoffhunger durch Energiewende, Netzausbau und Elektromobilität. Der Konzern peilt zudem nahe den heimischen Hütten rund 100.000 Tonnen zusätzliche Jahresproduktion an.

KGHM meldete für das erste Quartal 2026 eine förderbare Kupferproduktion von 176.000 Tonnen, was einem Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Verhältnis der Nettofinanzverschuldung zum bereinigten EBITDA liegt bei einem niedrigen Faktor von 0,6. Diese Finanzkraft eröffnet erheblichen Investitionsspielraum, während der Kupferpreis am Markt robust notiert.

Strategische Eigenversorgung der Schmelzen im Visier

Im Zentrum steht die Versorgung der polnischen Hütten mit eigenem Material. Durch Zukäufe in Europa und Afrika verkürzt der Konzern Transportwege, mindert die Abhängigkeit von Fremdlieferungen und gestaltet die Verarbeitung effizienter. KGHM unterzeichnete ein Memorandum mit der staatlichen Behörde ONHYM und der Managem Group, was einen ersten konkreten Schritt in Marokko markiert. Diese Vereinbarung bildet den Rahmen zur Evaluierung potenzieller Rohstoffprojekte.

Der politische Rahmen stützt diesen Kurs. Die Europäische Kommission zielt mit dem Critical Raw Materials Act (EU-Gesetz zur Rohstoffsicherung) auf eine stabilere industrielle Versorgung. KGHM verknüpft die Expansion folgerichtig mit der Versorgungssicherheit für eigene Anlagen, womit das Vorhaben den Kern der europäischen Industriepolitik trifft.

Steigende Aufwendungen im polnischen Untertagebau

KGHM fördert seit den 1960er Jahren Kupfer und Silber in Polen. Jedoch liegen die Lagerstätten zunehmend tiefer, was den Abbau und die Kosten belastet. Zudem drückt die hohe staatliche Förderabgabe im Heimatmarkt auf die Erträge. Der Konzern orientiert sich daher stärker international. Der Kostenvergleich verdeutlicht die Diskrepanz: Im ersten Quartal lag der C1-Wert (Netto-Cash-Kosten der Produktion) der chilenischen Mine Sierra Gorda 47 Prozent unter dem Niveau polnischer Standorte.

Sierra Gorda fungiert längst als strategischer Anker. KGHM hält 55 Prozent, während 45 Prozent seit 2022 dem australischen Bergbaukonzern South32 AU000000S320 A14S0J gehören. Die Mine dient als Blaupause: Internationale Partnerschaften sowie ein wettbewerbsfähiges Kostenprofil im Konzernverbund übertreffen die Wirtschaftlichkeit des Heimatgeschäfts.

Auch steuerlich zeichnet sich in Polen Entlastung ab. Laut Berichten der Nachrichtenagentur PAP Biznes plant die Regierung, die Kupferabgabe ab 2026 zu senken und Investitionen stärker zu berücksichtigen. Dies würde KGHM entlasten, blendet jedoch das strukturelle Problem nicht aus: Langfristiges Wachstum erfordert neue Vorkommen oder Akquisitionen.

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Auslandsaktiva treiben die Ertragskraft

Der Wendepunkt manifestiert sich in den Kennzahlen. KGHM stemmte 2011 mit dem Kauf von Quadra FNX Mining für 2,84 Mrd. USD den bis dato größten Auslandszukauf. Lange Zeit galt dies als riskante Investition. Inzwischen liefert das Auslandsgeschäft positive Impulse: Trotz lediglich 20 Prozent Fördermenge stammte im vergangenen Jahr fast die Hälfte des EBITDA aus internationalen Vermögenswerten.

Zudem fließt Kapital zurück. KGHM meldete für das erste Quartal 2026, dass die internationalen Einheiten 175 Mio. USD an die Muttergesellschaft transferierten, unter anderem durch Tilgungen. Die Auslandssparte bindet somit kein Kapital mehr, sondern stärkt die Konzernbilanz.

Neben dem Kupfergeschäft generiert KGHM erhebliche Erlöse durch die Edelmetallförderung. Mit einer Produktion von 1.347 Tonnen im Jahr 2025 zählt der Konzern zu den weltweit führenden Silberanbietern. In Phasen hoher Edelmetallpreise dämpft dieses Beiprodukt die Kostenbasis der Kupferförderung, was bereits im ersten Quartal die operative Marge stützte.

KGHM fokussiert sich bei der weiteren Expansion auf Vorkommen, die eine direkte Versorgung der Schmelzen sichern und ein vorteilhaftes Kostenprofil aufweisen. Im globalen Wettbewerb um Kupfer markiert dieser selektive Kurs für den größten europäischen Produzenten den Übergang zu einer global diversifizierten Rohstoffgruppe.