Südkorea sichert sich Kupfer von Glencore
Südkorea sichert sich über einen Milliardenkredit Zugang zu Kupfer vom Schweizer Rohstoffkonzern Glencore JE00B4T3BW64 A1JAGV. Die Vereinbarung fällt in eine Phase, in der die kurzfristig verfügbaren Bestände an der LME deutlich schrumpfen.
Versorgungssicherheit gewinnt bei dem zentralen Metall für Stromnetze, Rechenzentren und Energietechnik zunehmend an Gewicht. Die staatliche Export-Import Bank of Korea gewährt Glencore einen Kredit über eine Milliarde USD. Im Gegenzug hat Glencore zugesagt, während der Kreditlaufzeit Kupfer an südkoreanische Unternehmen zu liefern. Angaben zu Mengen, Laufzeit oder konkreten Abnehmern machte die Bank nicht.
Als Lieferpartner verfügt Glencore auch über erhebliche eigene Förderkapazitäten. Im ersten Halbjahr 2026 produzierte der Konzern 397.000 Tonnen Kupfer aus eigenen Quellen, 15 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr hält Glencore an einer Förderprognose von 810.000 bis 870.000 Tonnen fest.
Kupfermarkt verliert Sicherheitspuffer
Die Knappheit zeigt sich besonders deutlich am Terminmarkt. An der London Metal Exchange erreichten die Aufschläge für kurzfristig verfügbares Kupfer zuletzt den höchsten Stand seit fünf Jahren. Der LME-Kontrakt für August notierte zeitweise mit einem Aufschlag von 370 USD je Tonne gegenüber dem September-Kontrakt. Noch deutlicher war der Abstand zwischen Kassapreis und Dreimonatskontrakt mit 434 USD je Tonne. Kassakupfer wurde dabei nahe dem Rekordniveau von rund 14.500 USD je Tonne gehandelt. Eine solche sogenannte Backwardation zeigt, dass Käufer für sofort verfügbare Ware mehr zahlen als für eine spätere Lieferung. Eine solche Konstellation gilt als Indikator für eine angespannte kurzfristige Versorgung.
Bis Freitag waren die LME-Lagerbestände 42 Handelstage in Folge auf rund 205.000 Tonnen gefallen. Fast die Hälfte des verbliebenen Metalls war bereits zur Auslieferung vorgesehen. Für Marktteilnehmer schrumpft damit jener Puffer, der bei kurzfristigen Lieferengpässen normalerweise zusätzliche Ware bereitstellt.
Politische Eingriffe treffen auf fragile Lieferketten
Ein Teil der Verknappung hängt mit veränderten Handelsströmen zusammen. Händler verlagerten Metall in die USA, wo mögliche Zölle auf raffiniertes Kupfer zusätzliche Nachfrage nach verfügbarer Ware auslösen. Gleichzeitig floss Kupfer nach China, wo Hütten wegen knapper Rohstoffversorgung ihre Produktion drosseln.
Zugleich greift die Demokratische Republik Kongo stärker in ihre Rohstoffexporte ein. Ein Ende Juni erlassener Regierungsbeschluss untersagt die Ausfuhr von Kupfer- und Kobaltkonzentraten. Absicht dabei ist, mehr Verarbeitung im Land zu halten.
Der unmittelbare Mengeneffekt auf Kupfer dürfte allerdings begrenzt sein, weil das Land den Großteil seiner Ausfuhren bereits als raffiniertes Metall verschifft. Im ersten Quartal 2026 exportierte das Land rund 700.000 Tonnen Kupferkathoden, gegenüber knapp 19.000 Tonnen enthaltenem Kupfer in Konzentraten. Die heftige Marktreaktion spiegelt damit vor allem die hohe Empfindlichkeit des Kupfermarktes gegenüber zusätzlichen Lieferkettenrisiken.
Auch in Chile bleibt eine schnelle Ausweitung der Förderung schwierig. Die nationale Produktion liegt seit Jahren deutlich unter dem früheren Höchststand. Der Kupferproduzent Antofagasta GB0000456144 867578 senkte zuletzt seine Produktionsprognose nach dem wetterbedingten Stillstand der Mine Los Pelambres. Gleichzeitig verschob der chilenische Staatskonzern Codelco den geplanten Produktionsstart des Ausbauprojekts Andes Norte in der Kupfermine El Teniente auf 2029.
In Indonesien kam eine weitere Störung hinzu. Die Kupferhütte Gresik ist seit dem 8. August wegen Ofenreparaturen außer Betrieb. Betreiber ist Smelting, ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Bergbaukonzern Freeport Indonesia als Mehrheitsgesellschafter. Die Anlage verfügt über eine jährliche Kapazität von rund 342.000 Tonnen Kupferkathoden.
Versorgungssicherheit wird zum strategischen Ziel
Für Südkorea ist diese Gemengelage vor allem wegen der Bedeutung seiner Hochtechnologieindustrie relevant. Das Land ist bei Kupfer auf Importe angewiesen. Im Juli entfielen 54 % der südkoreanischen Exporte auf Informations- und Kommunikationstechnik. Zugleich wächst der Bedarf durch Stromnetze, Rechenzentren und Anlagen für erneuerbare Energien.
Der staatliche Kreditgeber bezeichnet die Finanzierung ausdrücklich als vorsorglichen Schritt für die wirtschaftliche Sicherheit. Der Zugang zu Kupfer soll auf diese Weise stärker gegen mögliche Engpässe abgesichert werden.
IEA erwartet wachsende Lücke am Kupfermarkt
Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet bis 2040 rund sieben Mio. Tonnen zusätzliche Kupfernachfrage im Szenario der derzeit erklärten Politikmaßnahmen. Damit verzeichnet Kupfer den größten absoluten Nachfragezuwachs unter den dort betrachteten kritischen Mineralien. Stromnetze und neue Technologien gehören laut IEA zu den wichtigsten Treibern.
Für 2035 sieht die IEA im Basisszenario zudem rund 25 % Abstand zwischen erwartetem Minenangebot und dem Primärbedarf dieses Politikszenarios. Die Projektion berücksichtigt dabei bereits bestehende und angekündigte Projekte.
Die Vereinbarung mit Glencore weist damit über eine einzelne Finanzierung hinaus. Versorgungssicherheit wird zunehmend direkt mit Kapital, Lieferzusagen und strategischen Partnerschaften verknüpft. Je knapper frei verfügbares Kupfer wird, desto wertvoller könnten solche bilateralen Vereinbarungen für große Importländer werden.
Entlastung käme vor allem von zusätzlicher Förderung, schwächerer Nachfrage oder nachlassenden Handelskonflikten. Kurzfristig bleibt jedoch der schmale physische Puffer an der LME ein neuralgischer Punkt des Marktes.

