Glencore zieht sich von Radiant zurück

Glencore zieht sich von Radiant zurück bigstockphoto

Radiant World zählt zu den großen Akteuren im internationalen Eisenerzhandel. Die singapurische Betriebsgesellschaft Radiant World Corporation erzielte im Geschäftsjahr bis September 2025 einen Umsatz von 9,6 Mrd. USD. Nach eigenen Angaben handelte Radiant World 2025 mehr als 80 Mio. Tonnen Eisenerz.

Im vergangenen Juni räumte die Mizuho Bank, Banktochter des japanischen Finanzkonzerns Mizuho Financial Group, Radiant World einen Kredit von rund 100 Mio. USD ein. Als Sicherheit dienten Rechnungen über angebliche Eisenerzverkäufe an den schweizerischen Rohstoffkonzern Glencore JE00B4T3BW64 A1JAGV.

Streit um die Kreditsicherheiten

Bereits am 31. Juli wies Radiant World gegenüber Reuters Vorwürfe als unbegründet zurück, wonach das Unternehmen ungültige Rechnungen genutzt haben soll, um sich die Finanzierung zu beschaffen. Der Händler erklärte damals außerdem, den Betrieb normal fortzuführen.

Die von Reuters eingesehene Korrespondenz zeigt, dass Mizuho den Kredit mit Rechnungen über angebliche Eisenerzverkäufe Radiants an Glencore besicherte. Die Kreditvergabe wurde der Nachrichtenagentur zufolge zudem von einer Person bestätigt, die unmittelbar darüber informiert war. Einzelheiten der Finanzierung waren zuvor nicht öffentlich bekannt. Ein Mizuho-Sprecher wollte sich gegenüber Reuters nicht dazu äußern. Ob der Bank aus dem Kredit ein Verlust entsteht, bleibt damit vorerst offen.

Handelspartner geht auf Abstand

Ende Juli wurde auch Glencores Rolle in dem Fall öffentlich. Bloomberg berichtete, der Rohstoffkonzern mache keine neuen Geschäfte mehr mit Radiant. Gegenüber Reuters wollte sich Glencore damals zunächst nicht äußern.

Am 5. August bestätigte Konzernchef Gary Nagle, dass Glencore keine neuen Geschäfte mehr mit Radiant abschloss. Bestehende Verträge mit offenen Punkten liefen zu diesem Zeitpunkt allerdings noch. Zugleich erklärte Nagle, Glencore habe eine bilanzielle Vorsorge für mögliche Verluste aus seinem Engagement bei Radiant verbucht.

Rechnungen spielen bei der Finanzierung von Rohstoffgeschäften eine wichtige Rolle. Banken stellen Händlern Kredite und Akkreditive bereit, damit sie Frachten erwerben können, bevor diese weiterverkauft werden. Im Fall Mizuho dienten die Rechnungen unmittelbar als Sicherheit für den Kredit. Werden solche Belege vom angeblichen Geschäftspartner nicht anerkannt, gerät folglich die Kreditsicherheit in Zweifel.

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Finanzierungsdruck trifft einen Milliardenhändler

Im weiteren Verlauf des August verschärfte sich die Finanzierungslage. Deutsche Bank und KBC froren laut Bloomberg einige Konten von Radiant in Singapur ein, weitere Kreditgeber setzten Kreditlinien aus.

Am 20. August berichtete Reuters über Entlassungen im Geschäftsbetrieb bei Radiant. Das Unternehmen hatte außerdem einen großen Teil seiner Aluminiumlagerbestände verkauft, um Liquidität zu beschaffen. Am selben Tag teilte die Singapore Police Force mit, sie habe Meldungen über das Unternehmen erhalten und prüfe die Vorwürfe.

Rechtsstreit verschärft die Lage, Glencore steigt aus

Am 28. August wurde bekannt, dass Mizuho beim Supreme Court in Singapur ein Verfahren gegen die dortige Betriebsgesellschaft Radiant World Corporation angestrengt hatte. Die Bank beantragte eine gerichtliche Verfügung. Aus dem öffentlich einsehbaren Gerichtsverzeichnis ging nicht hervor, was diese im Einzelnen bewirken sollte.

Am vergangenen Freitag hatte Glencore den Rückzug schließlich vollständig vollzogen. Der Konzern erklärte, sämtliche Geschäfte mit Radiant beendet und alle noch bestehenden Verpflichtungen abgewickelt zu haben. Glencore teilte außerdem mit, durch Handlungen Radiants Verluste erlitten und Risiken getragen zu haben. Zur konkreten Höhe der Vorsorge und der Verluste äußerte sich der Konzern nicht.

Radiant World reagierte nicht auf Anfragen von Reuters. Für den Eisenerzhändler kommt es nun darauf an, ob er weiterhin Kredite zur Vorfinanzierung seiner Frachten erhält. Reuters berichtete bereits im August, dass der Rückzug von Banken und Geschäftspartnern diese Finanzierung einschränkte. Offen bleiben vorerst außerdem die Folgen der Ermittlungen in Singapur und des von Mizuho angestrengten Verfahrens.