Sibanye zieht wegen russischem Palladium vor US-Handelsgericht

Sibanye zieht wegen russischem Palladium vor US-Handelsgericht Sibanye-Stillwater

Der Rechtsstreit von Sibanye-Stillwater ZAE000259701 A2PWVQ betrifft nicht mehr die Frage, ob russisches Palladium zu unfairen Bedingungen in die USA gelangte. Das US-Handelsministerium ermittelte für Palladium in Rohformen eine Dumpingspanne von 132,83 % und einen Subventionssatz von 109,10 %. Die US-Handelskommission verneinte jedoch einen wesentlichen Schaden oder eine drohende Schädigung der heimischen Branche. Ohne diese zweite positive Feststellung dürfen keine Anti-Dumping- oder Ausgleichszölle verhängt werden.

Der Streit dreht sich um Ursache, nicht um Dumping

Bereits am 16. Juli 2026 rief Sibanye den U.S. Court of International Trade in New York an. In einer Mitteilung erklärte das Unternehmen, die Handelskommission habe rechtliche Fragen nicht ausreichend berücksichtigt. Aus Sicht des Konzerns trugen die gedumpten und subventionierten Lieferungen zu den niedrigen Weltmarktpreisen bei. Das Gericht prüft zunächst die Entscheidung der Kommission. Für Strafzölle wäre weiterhin eine positive Feststellung nötig, dass die russischen Importe der US-Branche einen wesentlichen Schaden zufügen oder unmittelbar zufügen könnten.

Abweichende Zahlen durch unterschiedliche Zeiträume

Die von Sibanye angeführten Marktdaten zeigen erheblichen Druck. Zwischen 2022 und 2024 stiegen die US-Importe russischen Palladiums nach Unternehmensangaben um 35 %, während der Metallpreis etwa 50 % verlor. Am Mittwoch lag der Spotpreis bei rund 1.315 USD je oz und damit etwa 23 % unter dem Stand zu Jahresbeginn. Der zeitliche Zusammenhang belegt allerdings nicht, dass die russischen Lieferungen den Preisverfall verursacht haben.

Der Abschlussbericht der Handelskommission betrachtet vor allem den Zeitraum von 2023 bis 2025. In der für die Schadenprüfung bereinigten Reihe gingen die russischen Importe um 12,4 % zurück. Ihr Anteil am US-Verbrauch sank von 16,0 % im Jahr 2023 auf 14,1 % im Folgejahr und stieg 2025 leicht auf 14,6 %. Die unbereinigte Statistik weist zunächst einen Anstieg von 766.108 oz auf 887.337 oz und anschließend einen Rückgang auf 749.111 oz aus. Die unterschiedlichen Bezugszeiträume Trade erklären den scheinbaren Widerspruch zu dem Anstieg seit 2022.

Russische Lieferungen in die USA endeten im August 2025 vollständig. Für 2026 hatten die befragten Importeure keine neuen Mengen aus Russland vereinbart. Stattdessen sicherten sie sich Palladium aus Südafrika und anderen nicht betroffenen Ländern. Die Kommission sah deshalb keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Importanstieg.

Der US-Verbrauch von Palladium in Rohformen belief sich 2025 auf rund 2,6 Mio. oz im Wert von 2,8 Mrd. USD. Russische Lieferungen kamen auf 749.111 oz und deckten 14,6 % der Menge ab. Die Kommission stufte dieses Volumen als bedeutend ein. Sie fand jedoch keinen wesentlichen Preisdruck durch die Importe. Palladium werde anhand globaler Preisindizes gehandelt, und die Lieferungen in die USA seien nach Aktenlage kein bestimmender Faktor für diese Indizes. Den Rückgang der heimischen Branche führte sie auf den Weltmarktpreis, eine schwächere Nachfrage und die Kostenstruktur der US-Produzenten zurück.

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Montana braucht mehr als Zölle

Für Sibanye steht dennoch ein strategisch wichtiges Geschäft auf dem Spiel. Der Konzern betreibt in Montana den einzigen primären US-Palladiumbergbau. Im ersten Quartal förderten die US-Minen zusammen 68.386 oz Palladium und Platin. Das waren 5 % weniger als ein Jahr zuvor. Die gesamten Förderkosten einschließlich nachhaltiger Investitionen stiegen um 14 % auf 1.291 USD je geförderter Unze Palladium und Platin.

Trotz der höheren Kosten erzielte das US-Geschäft ein bereinigtes EBITDA von 48 Mio. USD, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 9 Mio. USD angefallen war. Entscheidend waren ein um 88 % gestiegener durchschnittlicher Metallpreis sowie eine Steuergutschrift nach Section 45X von 11 Mio. USD. Ohne diese Gutschrift hätte das bereinigte EBITDA bei 36 Mio. USD gelegen.

Sibanye will die Kosten bis Ende 2028 auf rund 1.000 USD je geförderter Unze Palladium und Platin senken. Gleichzeitig soll die jährliche Produktion der Minen Stillwater East und East Boulder um etwa 45 % auf rund 410.000 oz steigen. Dafür muss das Unternehmen zunächst mehr Kapital in Mechanisierung und Erschließung investieren. Die Stückkosten dürften deshalb 2026 und 2027 vorübergehend höher bleiben. Ein Strafzoll könnte die Stellung des heimischen Metalls verbessern, ersetzt aber weder die geplanten Investitionen noch die angestrebte Produktivitätssteigerung.

Der Weltmarkt wird ab 2027 lockerer

Der mittelfristige Ausblick erschwert die Argumentation zusätzlich. Der World Platinum Investment Council erwartet für 2026 noch ein geringes Palladiumdefizit von 91.000 oz. Ab 2027 soll der Markt jedoch in einen Überschuss von 325.000 oz drehen. Für 2028 werden bereits 546.000 oz erwartet. Die Nachfrage dürfte 2026 um 8 % sinken, während das Angebot aus wiederverwerteten Abgaskatalysatoren bis 2030 deutlich wächst. Insgesamt soll das Palladiumrecycling zwischen 2025 und 2030 um 34 % zulegen.

Die russische Minenproduktion wird dem Bericht zufolge zunächst von 2,725 Mio. oz im Jahr 2025 auf 2,440 Mio. oz im laufenden Jahr fallen. Ab 2027 rechnen die Fachleute wieder mit rund 2,655 Mio. oz jährlich. Gleichzeitig soll die nordamerikanische Förderung von 685.000 oz auf 593.000 oz im Jahr 2026 und 536.000 oz im Folgejahr sinken. Der Rückgang stärkt Sibanyes Argument, dass die USA ihre eigene Produktionsbasis schützen sollten. Der erwartete globale Überschuss begrenzt aber die Aussicht, dass ein US-Zoll allein den Weltmarktpreis dauerhaft anhebt.

Ein gerichtlicher Erfolg dürfte daher vor allem die Handelsströme verändern. Russisches Metall könnte in andere Märkte umgeleitet werden, während US-Käufer stärker auf Südafrika und heimische Produktion zurückgreifen. Für Sibanyes Minen in Montana bleibt der Palladiumpreis trotzdem global bestimmt. Entscheidend wird damit nicht nur der Ausgang des Verfahrens, sondern auch, ob der Konzern sein Kostenziel von rund 1.000 USD je 2E oz erreicht.