Neuer Uranreport: Investitionen steigen, Minenbau bleibt zurück

Neuer Uranreport: Investitionen steigen, Minenbau bleibt zurück bigstockphoto

Der globale Uransektor investiert wieder kräftig. Dennoch kommt der Nachschub aus neuen Minen kaum voran. Nach den jüngsten umfassenden Branchendaten flossen 2023 und 2024 weltweit mehr als 1,78 Mrd. USD in Exploration und Projektentwicklung. Das waren rund 46 % mehr als in den beiden vorangegangenen Jahren. Gleichzeitig stieg die Produktion um etwa 20 % auf mehr als 116.000 Tonnen Uran. Der Produktionsanstieg beruht bislang vor allem auf reaktivierten Kapazitäten und Erweiterungen bestehender Minen.

Mehr Reaktoren verschärfen den Wettlauf um Uran

Die Kernenergieagentur OECD Nuclear Energy Agency (NEA) und die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) beschreiben im neuen Branchenbericht "Uranium 2026: Resources, Production and Demand" einen Markt im Übergang. Der Report stützt sich auf Angaben aus 46 Ländern, meist auf amtlich gemeldete Regierungsdaten.

Demnach liefen zum 1. Januar 2025 weltweit 418 kommerzielle Kernreaktoren mit zusammen 378 Gigawatt elektrischer Nettoleistung. Für deren Betrieb wurden jährlich rund 64.500 Tonnen Uran benötigt. Aktuell weist das Power Reactor Information System (PRIS) der IAEA 77 Reaktoren mit insgesamt 80,7 Gigawatt Nettoleistung als im Bau aus. Diese Bauprojekte stehen für zusätzliche Reaktorkapazität, die nach der Inbetriebnahme weiteren Brennstoff benötigt. Besonders stark fällt der Ausbau in Asien aus. Laut dem Rohstoffanalysehaus Benchmark Mineral Intelligence verfügt allein China über rund 68 Gigawatt Kernkraftkapazität, weitere 42 Gigawatt befinden sich im Bau, 26 Gigawatt sind geplant. Kleine modulare Reaktoren spielen kurzfristig dagegen eine deutlich kleinere Rolle. Benchmark erfasst 73 solcher Reaktoren, für deren Betrieb insgesamt voraussichtlich weniger als 2.000 Tonnen Uran jährlich benötigt werden.

Bis 2050 könnte der jährliche Uranbedarf je nach Ausbaupfad auf etwa 84.800 bis 143.900 Tonnen steigen. Dahinter stehen wachsende Stromnachfrage, Energiesicherheit und Umweltziele. Zusätzlichen Bedarf kann der stark steigende Stromverbrauch großer Rechenzentren erzeugen. Benchmark sieht den Markt 2026 bereits leicht im Defizit. Für 2027 prognostiziert das Analysehaus eine Lücke von 18 % der Nachfrage.

Genug Uran, zu wenig Zeit

Geologisch ist die Lage auf den ersten Blick deutlich komfortabler. Bereits identifizierte Uranressourcen mit Förderkosten unter 260 USD je Kilogramm Uran übersteigen weltweit 8,1 Mio. Tonnen. Gegenüber der vorherigen Ausgabe des Branchenberichts entspricht das einem Zuwachs von 2,1 %. Selbst im hohen Nachfrageszenario würden diese Ressourcen rechnerisch bis 2050 ausreichen.

Der Engpass liegt allerdings in der Umsetzung. Zwischen Exploration, Genehmigung, Finanzierung und Produktionsstart vergehen laut NEA und IAEA bei neuen Uranminen typischerweise 15 bis 20 Jahre. Wer den Bedarf der 2030er Jahre decken will, muss viele Entscheidungen also deutlich früher treffen.

Dass die Minenpipeline so dünn ist, hängt mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 zusammen. Damals sank die Urannachfrage zunächst stark. Niedrige Preise zwischen 2014 und 2021 veranlassten Produzenten, Kapazitäten zurückzufahren und Investitionen in neue Minen zu bremsen.

Der laufende Reaktorbedarf wird allerdings neben Minen zusätzlich durch sogenannte Sekundärquellen gedeckt. Dazu zählen Lagerbestände, wiederaufbereitetes Uran sowie abgereichertes Uran, das später erneut nutzbar gemacht werden kann. Eine Lücke zwischen Minenförderung und Reaktorbedarf führt deshalb nicht zwangsläufig zu einem unmittelbaren Brennstoffmangel bei Kraftwerken.

Förderung bleibt auf wenige Länder konzentriert

2024 erreichte die weltweite Förderung 61.924 Tonnen Uran, den höchsten Jahreswert seit 2016. Der Zuwachs kam vor allem aus bestehenden Betrieben und zuvor stillgelegten Kapazitäten. Besonders Kanada trug mit höheren Mengen dazu bei.

Kasachstan, Kanada und Namibia lieferten 2024 zusammen rund drei Viertel des weltweit geförderten Urans. Ihre Anteile lagen nach Angaben der World Nuclear Association bei 39, 24 und 12 %. Namibia zeigt zugleich, wo zusätzliches Angebot entstehen kann. Nach umfangreichen chinesischen Investitionen ist das Land zum drittgrößten Uranproduzenten aufgestiegen. Diese geographische Konzentration erhöht allerdings die Bedeutung operativer Störungen in wenigen Förderregionen.

In den Jahren 2023 und 2024 erhielten mehrere neue Uranprojekte regulatorische Genehmigungen oder rückten näher an die Entwicklung. In diesem Zeitraum nahm jedoch keines davon die Produktion auf. Zugleich stieg die Explorationsbohrung deutlich, während projektbezogene Entwicklungsbohrungen kaum vorankamen.

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Kasachstan zeigt die Hürden des Produktionsausbaus

Der kasachische Uranproduzent Kazatomprom US63253R2013 A2N9D5 veranschaulicht die operative Seite des Engpasses. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Produktion der Beteiligungsbetriebe auf 100-Prozent-Basis – also einschließlich Partneranteilen – auf 13.291 Tonnen Uran. Das waren neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für 2026 hält der Konzern auf derselben Basis an 27.500 bis 29.000 Tonnen fest. Zugleich verteuerten höhere Schwefelsäurepreise die Förderung im ersten Halbjahr spürbar.

Schwefelsäure ist für die in Kasachstan verbreitete In-situ-Gewinnung zentral, bei der Lösungen Uran im Untergrund lösen. Solche Engpässe zeigen, dass zusätzliche Förderung von mehr als Erzgehalten oder Reserven abhängt. Auch Variablen wie Chemikalien, Personal, Genehmigungen und Verarbeitungskapazitäten beeinflussen den tatsächlichen Ausstoß.

Langfristige Verträge sollen den Minenbau stützen

Höhere Budgets helfen bei der Entwicklung, schließen die Zeitlücke aber nicht automatisch. Benötigt werden genehmigungsfähige Projekte, gesicherte Finanzierungen und langfristige Abnahmeverträge. Die IAEA und die NEA halten auskömmliche, längerfristig tragfähige Uranpreise für wichtig, damit Produzenten neue Minen finanzieren können.

Der Uranhandel läuft überwiegend über Verträge mit drei bis 15 Jahren Laufzeit. Solche Verträge schaffen Planungssicherheit für Versorger und Produzenten. Sie können Investitionsentscheidungen für Projekte unterstützen, deren Bau viele Jahre benötigt. Doch der Spotmarkt bildet deshalb nur einen Teil des Geschäfts ab.

Der Investitionsbedarf besteht zudem in weiteren Stufen der nuklearen Brennstoffkette, etwa der Uranumwandlung und der Brennstofffertigung.

Angebot und Nachfrage driften auseinander

Für den Markt entsteht daraus ein ungewöhnlicher Widerspruch. Uranvorkommen sind in ausreichender Menge bekannt, die Branche investiert wieder deutlich mehr. Gleichzeitig wächst jedoch der Reaktorpark schneller, als neue Minen verlässlich in Produktion gebracht werden.

Je stärker der Ausbau der Kernenergie ausfällt, desto mehr schrumpft somit der zeitliche Puffer. Das wird zusätzlich problematisch, wenn Verzögerungen bei Genehmigungen oder Bauprojekten hinzukommen. Dann könnten selbst große Ressourcen kurzfristig Versorgungsknappheit nicht mindern.

In den kommenden Jahren werden deshalb weniger die neuen Fundmeldungen als Investitionsentscheidungen den Markt prägen. Auf der Angebotsseite wird maßgeblich sein, wie viele Minenprojekte tatsächlich finanziert, gebaut und rechtzeitig hochgefahren werden. Hinzu kommt, ob Uranumwandlung und Brennstofffertigung mit der wachsenden Nachfrage Schritt halten. Das Tempo des Reaktorausbaus prägt zugleich, wie schnell der Uranbedarf wächst. Erst im Zusammenspiel beider Seiten zeigt sich, ob der Investitionsschub in die Uranförderung mit der Nachfrage Schritt halten kann.