EU verschärft Prüfung einer Nickelübernahme in Brasilien
Der geplante Kauf des brasilianischen Nickelgeschäfts des britischen Bergbaukonzerns Anglo American GB00BTK05J60 A41BF3 durch MMG HK1208013172 A0BLUG gerät in Brüssel unter zusätzlichen Druck. Die Europäische Kommission bereitet laut der Nachrichtenagentur Reuters eine formelle Mitteilung ihrer Beschwerdepunkte vor und will diese noch im September übermitteln. Die Agentur beruft sich auf drei Personen mit Kenntnis des Verfahrens.
Brüssel prüft Risiken für Europas Stahlindustrie
Im Kern geht es um Ferronickel, eine Eisen-Nickel-Legierung, die vor allem in der Edelstahlproduktion eingesetzt wird. Die Kommission befürchtet, MMG könne Lieferungen aus Europa umlenken und damit die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Edelstahlhersteller schwächen. MMG wird laut EU-Unterlagen vom chinesischen Staatskonzern China Minmetals kontrolliert.
Dass Brüssel den Deal überhaupt prüfen kann, hängt von seiner wirtschaftlichen Bedeutung für den Binnenmarkt ab. Auch außereuropäische Unternehmen unterliegen deshalb der EU-Fusionskontrolle, wenn die gesetzlichen Umsatzschwellen erreicht werden.
Das angekündigte Schreiben würde diese Wettbewerbsbedenken formalisieren. Eine endgültige Entscheidung ist damit noch nicht gefallen, für MMG steigt jedoch der Druck, die Einwände auszuräumen. Nach Angaben einer Reuters-Quelle ließe sich der Schritt mit Zugeständnissen noch abwenden. Diese Möglichkeit gelte allerdings als unwahrscheinlich.
Im öffentlichen EU-Fallregister wird die geplante Übernahme weiterhin als laufende vertiefte Prüfung geführt. Im April 2025 galt der Deal zunächst als Kandidat für ein vereinfachtes Verfahren. Nach dem Rückzug der Anmeldung im Mai wurde der Zusammenschluss im September erneut angemeldet. Am 4. November eröffnete die Kommission offiziell die zweite Prüfphase, nachdem sie ernsthafte Zweifel an der Vereinbarkeit mit dem Binnenmarkt festgestellt hatte.
Zugleich berührt der Fall Europas wachsende Sorge um die Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen. Nach EU-Recht zählt ausdrücklich Nickel in Batteriequalität dazu. Bei solchen Rohstoffen will die EU Versorgungsrisiken und starke Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern verringern.
Zukauf führt MMG erstmals nach Brasilien
Die Transaktion wurde bereits im Februar 2025 vereinbart und kann Anglo American bis zu 500 Mio. USD einbringen. Davon sollen 350 Mio. USD beim Vollzug fließen, weitere 150 Mio. USD sind an Bedingungen geknüpft.
Zum Paket gehören die Ferronickelbetriebe Barro Alto und Codemin im brasilianischen Bundesstaat Goiás. Hinzu kommen die Entwicklungsprojekte Jacaré im Bundesstaat Pará und Morro Sem Boné im Bundesstaat Mato Grosso. Die beiden produzierenden Standorte lieferten 2024 zusammen 39.400 Tonnen Nickel.
Bei der Ankündigung im Februar 2025 rechneten beide Unternehmen noch mit dem Vollzug im dritten Quartal 2025. Für MMG wäre der Kauf zugleich der Einstieg in Brasilien und in ein produzierendes primäres Nickelgeschäft. Das bislang stark von Kupfer und Zink geprägte Portfolio würde damit breiter aufgestellt.
Anglo American weist die Wettbewerbsbedenken zurück
Nach Ansicht von Anglo American rechtfertigt die Marktlage keine Auflagen. Der Konzern fordert deshalb eine bedingungslose Freigabe und verweist auf ein strukturell gewachsenes Ferronickelangebot mehrerer Produzenten. Europäische Kunden könnten zudem vergleichsweise leicht zwischen verschiedenen Lieferanten wechseln, argumentiert das Unternehmen.
Die Kommission und MMG wollten sich gegenüber Reuters nicht äußern. Mit einer Mitteilung der Beschwerdepunkte würde Brüssel seine vorläufige Position formalisieren. Anschließend geht es vor allem um mögliche Abhilfen und die Frage, ob sie die Versorgungssorgen der EU überzeugend ausräumen. Bis zu einer Entscheidung bleibt die Übernahme damit in der Schwebe.

