Brasilien bricht sein Uranmonopol auf

Brasilien bricht sein Uranmonopol auf

Brasilien bereitet die Öffnung seines Uranbergbaus für Industriepartner vor. Der staatliche Nuklearbetrieb Indústrias Nucleares do Brasil (INB) soll grundsätzlich mindestens 20 % jedes Vorhabens halten. Der Entwurf wird von der Casa Civil, einer Koordinierungsstelle der Präsidentschaft, und dem Bergbau- und Energieministerium geprüft.

Industriepartner ergänzen die staatliche Kontrolle

Der Entwurf erlaubt INB, Ausschreibungen für gemeinsame Explorationen zu starten. Projektpartner dürfen Uran und andere Nuklearminerale fördern, aufbereiten, verarbeiten und vermarkten. Sie tragen zudem sämtliche Investitionen der Vorhaben. Übersteigt der Kapitalbedarf den Wert der von INB eingebrachten Vermögenswerte, soll der Partner die Mehrheit an der jeweiligen Projektgesellschaft erhalten. Nach einer begründeten Wirtschaftlichkeitsprüfung kann die INB-Quote ausnahmsweise unter 20 % sinken.

Für jedes größere Vorhaben ist eine Zweckgesellschaft vorgesehen. Bei Ausschreibungen zählen eine höhere INB-Quote, die technische Qualität und höhere Erlösanteile für geologische Erkundung. Zudem fließen Mittel für die Sanierung historischer Umweltlasten in die Bewertung ein. Bei Entscheidungen über Exploration, Förderung und Vermarktung von Nuklearstoffen behält der Staatskonzern Informations-, Kontroll- und Vetorechte.

Die Regelung konkretisiert ein Gesetz aus dem Jahr 2022, das Partnerschaften mit INB ermöglicht. Der Bund behält damit Eingriffsrechte entlang der nuklearen Wertschöpfungskette. Die brasilianische Nuklearaufsicht soll technische und mengenbezogene Kriterien für den strategischen Uranbestand festlegen. Zudem prüft sie genehmigte Exporte auf die Einhaltung der vorgesehenen Bestandsgrenzen.

Operative Engpässe erhöhen den Finanzierungsdruck

Inhaber bestehender Bergbaurechte müssen bisher nicht gemeldete Nuklearstoffe binnen zwölf Monaten anzeigen. Nach einer positiven Prüfung der Abbauwürdigkeit läuft eine weitere Jahresfrist. Innerhalb dieses Zeitraums müssen sie eine Partnerschaft mit INB schließen, Rechte übertragen oder das gesamte Konzentrat liefern. Andernfalls kann der Staat die Abbaurechte zurückholen. Umwelt-, Nuklear- und Vermarktungsgenehmigungen bleiben Aufgabe des Rechteinhabers.

Am Uranstandort Caetité in Bahia untersagte die brasilianische Bergbaubehörde im April 2025 Einleitungen und Rückstandsablagerungen in vier Becken. Eine Übergangslösung erlaubte den Betrieb bis November 2025. Seither ruht die Produktion. Der Stillstand verhinderte bislang die Unterzeichnung des Bergbauvertrags für die Mina do Engenho, eine bestehende Uranmine der Lagerstättenregion Lagoa Real bei Caetité. Caetité besitzt eine technische Jahreskapazität von rund 400 Tonnen Urankonzentrat, die INB langfristig auf 800 Tonnen erhöhen will.

Die Brennstoffproduktion prägt den Investitionsplan

Der Geschäfts- und Managementplan 2026 bildet die operative und finanzielle Jahresplanung der gesamten INB ab. Er veranschlagt Nettoeinnahmen von 1,801 Mrd. BRL (rund 353,8 Mio. USD). Geplant sind Investitionen von 150,866 Mio. BRL (rund 29,6 Mio. USD). Etwa 99 % der operativen Kundenerlöse sollen von Eletronuclear stammen, dem staatlichen Betreiber von Angra 1 und Angra 2. Damit bleibt INB eng an den Brennstoffbedarf eines Abnehmers gebunden.

Von den Investitionen entfallen 88,018 Mio. BRL (rund 17,3 Mio. USD) auf die Urananreicherungsanlage in Resende im Bundesstaat Rio de Janeiro. Dort betreibt INB einen Komplex für Urananreicherung und Brennelementfertigung, dessen Ausbau Brasiliens Eigenleistung bei der Anreicherung erhöhen soll. Vor der Anreicherung bleibt die Konversion der einzige Brennstoffschritt, den INB nicht selbst ausführt. Internexco, ein Kernbrennstoffhändler der russischen Rosatom-Gruppe, übernimmt deshalb Konversion und Anreicherung von bis zu 275.000 Kilogramm U3O8 (Uranoxidkonzentrat, sogenannter Yellowcake) aus Caetité. Bis Dezember 2027 soll das Material als UF6 (Uranhexafluorid für die Anreicherung) mit 4,25 % Uran-235 zurückkehren.

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Santa Quitéria zeigt das mögliche Produktionsniveau

Santa Quitéria, ein geplantes Uran-Phosphat-Projekt an der Itataia-Lagerstätte in Ceará, soll als erstes Partnerschaftsmodell des neuen Rechtsrahmens dienen. INB und der brasilianische Phosphatdüngerhersteller Galvani wollen dort eine Lagerstätte erschließen, in der Uran und Phosphat gemeinsam vorkommen. Vorgesehen sind jährlich 2.300 Tonnen Urankonzentrat. Hinzu kommen 1,05 Mio. Tonnen Phosphatdünger und 220.000 Tonnen Tierfutterphosphat. Die gemeinsame Nutzung der Uran- und Phosphatvorkommen verbessert die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens.

Nach INB-Angaben könnte die Uranmenge Angra 1 und Angra 2 sowie den noch nicht fertiggestellten Reaktor Angra 3 versorgen. Überarbeitete Verfahren sollen den Wasserbedarf um 20 % senken. Das Konzept verzichtet auf Rückstandsbecken und benötigt bis zu 50 % weniger Fläche als die frühere Planung. Das Projekt befindet sich aktuell noch im Verfahren für die vorläufige Umweltgenehmigung. INB erwartet den Betriebsstart derzeit für 2031.

Politik und Weltmarkt erhöhen den Zeitdruck

Auf Brasilien entfallen rund 3 % der weltweiten Uranressourcen. Dennoch deckt das Land seinen Brennstoffbedarf nur teilweise aus heimischem Material. Rund 70 Reaktoren befinden sich weltweit im Bau und erhöhen den künftigen Bedarf. Der internationale Branchenverband World Nuclear Association beziffert den jährlichen Flottenbedarf auf rund 67.500 Tonnen Uran. Jedes zusätzliche Gigawatt erfordert demnach jährlich rund 150 Tonnen und 300 bis 450 Tonnen für die Erstbeladung.

Effizientere Reaktoren dämpfen den spezifischen Verbrauch. Zugleich verweist INB auf sinkende Förderleistungen bestehender Minen. Früh erschlossene Lagerstätten können deshalb an strategischem Wert gewinnen. Unternehmen aus China, Frankreich, Russland und Kanada haben nach INB-Angaben bereits Interesse an Partnerschaften bekundet.

Der Weltmarkt braucht trotz großer Reserven neue Minen

Die OECD Nuclear Energy Agency und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) halten die bekannten Ressourcen bis 2050 für ausreichend. Beide Institutionen sehen jedoch frühzeitige Investitionen in Exploration, Verarbeitung und neue Förderzentren als erforderlich an. Brasiliens Öffnung zielt damit stärker auf lange Vorlaufzeiten als auf geologische Knappheit. Externe Finanzierung kann die Entwicklung beschleunigen, sofern Genehmigungen und Infrastruktur parallel vorankommen.

Der Conselho Nacional de Política Mineral, ein rohstoffpolitisches Beratungsgremium des Präsidenten, setzte im Juli 2026 eine Arbeitsgruppe mit 90 Tagen Laufzeit ein. Sie prüft Reserven, Förderpotenzial und Vorhaben für Stromversorgung, Marine und Verteidigung. Der staatliche Energieplaner Empresa de Pesquisa Energética hält im "Plano Nacional de Energia 2055" bis zu 14 Gigawatt Kernkraftleistung für möglich. Nach INB-Berechnung würde der jährliche Uranbedarf in diesem Szenario von 450 auf 3.000 Tonnen steigen.