EU treibt neuen Rohstoff-Brückenkopf in Brasilien voran

EU treibt neuen Rohstoff-Brückenkopf in Brasilien voran Viridis Mining & Minerals Limited

Die Europäische Union treibt ihre Rohstoffdiplomatie in Brasilien sichtbar voran und setzt dabei auf mehr als bloße Bezugsrechte. Beim Besuch von EU-Kommissar Jozef Síkela stand die Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen auf der Agenda der Global-Gateway-Infrastrukturinitiative. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, die EU sehe das Land inzwischen als ihren wichtigsten Partner in Lateinamerika für kritische Mineralien. Im Mittelpunkt der Reise stand das Seltenerd-Projekt des Rohstoffexplorers Viridis Mining and Minerals AU0000190829 A3EEJX in Poços de Caldas im Bundesstaat Minas Gerais.

Brüssel will die Abhängigkeiten bei kritischen Lieferketten verringern, während Brasilien mehr Wertschöpfung im eigenen Land halten möchte. Diese Kombination fügt sich nahtlos in die brasilianische Industriepolitik ein. Die Europäische Kommission beschreibt Brasilien in ihren Partnerschaftsunterlagen als Land mit Potenzial für gemeinsame Investitionen in Lithium, Nickel und Seltene Erden. Das erklärte Ziel lautet, neben dem reinen Rohstoffeinkauf gezielt die heimische Verarbeitung und technologische Entwicklung zu stärken.

Lieferkette in Minas Gerais nimmt Form an

Viridis hat Ende Mai seine Demonstrationsanlage für gemischtes Seltenerdkarbonat (MREC) in Betrieb genommen. Nach Firmenangaben verarbeitet die Anlage 100 Kilogramm Tonmaterial pro Stunde und produziert bei Nennleistung rund 8 Kilogramm MREC pro Tag. Das Zwischenprodukt dient der späteren Trennung einzelner Seltenerdoxide sowie der Prozessvalidierung und der Versorgung potenzieller Abnehmer mit Proben.

Die tägliche Nennleistung entspricht hochgerechnet einer Jahresproduktion von rund 2,92 Tonnen MREC. Diese Tonnage belegt den industriellen Reifegrad, da die Anlage kontinuierlich Material für Tests und Abnahmegespräche liefern kann. Viridis beschreibt die Stätte als eine der größten und technisch anspruchsvollsten ihrer Art außerhalb Chinas. Wirtschaftlich zählt dabei neben der Geologie vor allem die Skalierung der Verfahrenskette. Die Testanlage spiegelt das spätere Prozessschema der Vor-Machbarkeitsstudie wider und liefert Betriebsdaten für die endgültige Machbarkeitsstudie. Das geplante bilaterale Abkommen erhält damit industrielle Substanz.

Viridis steigt zum industriellen Entwickler auf

Auch die Projektkennzahlen stützen diese Einordnung. Viridis beziffert die JORC-Ressource von Colossus auf 493 Mio. Tonnen mit 2.508 ppm Gesamt-Seltenerdoxiden und 601 ppm magnetrelevanten Oxiden. In der Vor-Machbarkeitsstudie kalkuliert das Unternehmen über die geplante Lebensdauer mit 266.000 Tonnen MREC und peilt den kommerziellen Betrieb ab 2028 an. Die Investition von 360 Mio. USD in eine Anlage mit bis zu 15.000 Tonnen MREC pro Jahr untermauert diese Ambition. Die aktuellen Daten zeigen, dass diese Größenordnung in ein breiter dokumentiertes Entwicklungsbild eingebettet ist.

Parallel zum Pilotbetrieb beschleunigt das Unternehmen das Genehmigungsverfahren. Viridis hat die Installationslizenz beantragt – die zweite von drei behördlichen Stufen in Brasilien. Die vorläufige Umweltgenehmigung erging bereits im Dezember 2025. Diese fortschreitende rechtliche Absicherung senkt das Projektrisiko für potenzielle Finanziers.

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Solvay schließt die transatlantische Verarbeitungskette

Die Absichtserklärung mit dem belgischen Chemiekonzern Solvay BE0003470755 856200 festigt das Vorhaben. Das Unternehmen bestätigte Anfang Juni offiziell, dass Viridis ab 2028 kritische Seltenerd-Rohstoffe aus Brasilien an den Standort La Rochelle in Frankreich liefern wird. Im Gegenzug bringt Solvay seine Trenn- und Verarbeitungstechnologie ein. Damit gewinnt die Allianz eine klar umrissene industrielle Form: Aus brasilianischem Feedstock und europäischer Separation formiert sich ein eigenständiger Wertschöpfungsverbund.

Das Unternehmen hat in La Rochelle die kommerzielle Produktion für magnetfähige Seltene Erden gestartet. Bis 2030 will der Konzern rund 30 % der europäischen Nachfrage abdecken. Zudem flankiert das Vorhaben den Critical Raw Materials Act der EU und den regulatorischen Kurs zu diversifizierten Bezugsquellen. Das politische Ziel, die Abhängigkeit von China zu verringern, schlägt sich damit direkt in industriellen Kapazitäten nieder.

Brasiliens Abkehr vom reinen Rohstoffexport

Das Vorhaben flankiert Brasiliens Industriestrategie. Die staatliche Entwicklungsbank BNDES und die Innovationsagentur Finep legten 2025 ein Förderprogramm über 5 Mrd. BRL (rund 850 Mio. EUR) auf, um strategische Rohstoffketten auszubauen. Daraufhin gingen Projekte mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 85,2 Mrd. BRL (14,5 Mrd. EUR) ein. Zuletzt erreichten 56 Geschäftspläne mit einem Gesamtwert von 45,8 Mrd. BRL (7,8 Mrd. EUR) die nächste Phase. Die staatliche Anschubfinanzierung beschleunigt damit die Abkehr vom reinen Erzexport.

Die EU sucht in Brasilien keinen reinen Rohstoffabfluss, während Brasilien keine Partnerschaft wünscht, die nur Erz aus dem Land zieht. Beide Seiten testen vielmehr, ob sich aus Seltenen Erden eine Lieferkette bauen lässt, in der Vorverarbeitung, Technologie und Marge nicht an einer einzigen Landesgrenze hängen bleiben. Das geplante Memorandum zwischen der EU und der brasilianischen Regierung wird laut Reuters weiter verhandelt, ebenso ein endgültiger Vertrag zwischen Viridis und Solvay. Dennoch ist das Projekt in Minas Gerais inzwischen weit genug, um aus der Diplomatie eine belastbare Rohstoffgeschichte zu machen.