Andenländer schmieden neuen Pakt für strategische Rohstoffe
Vier südamerikanische Rohstoffländer rücken enger zusammen. Beim ersten Ministertreffen zu strategischen Mineralien wurde in Santiago eine gemeinsame Erklärung zu Kooperation, Investitionen und Entwicklung unterzeichnet. Damit wollen die Staaten sich gemeinsam als verlässliche Lieferanten für die Energiewende und neue Technologien positionieren.
Pakt zielt auf Investitionen und gemeinsame Projekte
Die Regierungen von Argentinien, Bolivien, Chile und Peru suchen künftig gemeinsam technische und finanzielle Unterstützung multilateraler Institutionen. Zudem planen sie gemeinsame Projektaufrufe für Forschung, Innovation und den Aufbau leistungsfähiger Institutionen.
Chiles Wirtschafts- und Bergbauminister Daniel Mas fasste den politischen Anspruch nach der Unterzeichnung deutlich weiter. Der Cono Sur, der südliche Teil Südamerikas, solle zum "verlässlichsten, nachhaltigsten und wettbewerbsfähigsten Lieferanten strategischer Mineralien" werden.
Inhaltlich reicht die Vereinbarung über einzelne Förderprojekte hinaus. Vorgesehen sind Austausch und Kooperation bei Geologie, Aufsicht, Bergbaupolitik und der Ausbildung spezialisierter Fachkräfte. Zudem wollen die vier Länder verantwortungsvolle Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung entlang der regionalen Wertschöpfungskette fördern.
Kupfer und Lithium geben dem Bündnis besonderes Gewicht
Der Rohstoffreichtum macht die Kooperation auf internationaler Ebene wirtschaftlich relevant. Chile stand 2024 für 24 % der weltweiten Kupferförderung, Peru für weitere 12 %. Bei Lithium kamen Chile und Argentinien laut der US-Wissenschaftsbehörde US Geological Survey (USGS) zusammen auf rund 28 % der weltweit ausgewiesenen Förderung außerhalb der USA. Damit verbindet die Erklärung Länder mit erheblichem Gewicht in beiden Märkten.
Für den Zeitpunkt spricht auch der globale Ausblick. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet für Kupfer 2035 auf Basis angekündigter Projekte und ihres Szenarios der geltenden und angekündigten Politikmaßnahmen eine Angebotslücke von rund 25 %. Auch bei Lithium sieht sie trotz zusätzlicher Projekte eine fortbestehende Versorgungslücke bis 2035. Neue und verlässlich finanzierte Projekte gewinnen damit strategisch an Bedeutung. Zugleich nennt die IEA hohe Finanzierungskosten, Infrastrukturdefizite sowie Technologie- und Fachkräfteengpässe als zentrale regionale Hürden.
Mehr Wertschöpfung bleibt der schwierigere Schritt
Der größere wirtschaftliche Hebel liegt damit jenseits der Mine. Lithium ausgenommen, raffinierten Lateinamerika und die Karibik 2025 nur rund 20 % ihrer geförderten Schlüsselenergiemineralien selbst. Ein großer Teil der weiteren Verarbeitung findet damit außerhalb der Region statt. Die neue Rohstofferklärung definiert wirtschaftliche Entwicklung entlang der regionalen Wertschöpfungskette ausdrücklich als Ziel. Kooperation kann gemeinsame Projekte und Finanzierung erleichtern.
Perus Energie- und Bergbauminister Guillermo Shinno stellte bei der Unterzeichnung ebenfalls die Verarbeitung in den Vordergrund. Strategische Mineralien müssten mehr Wertschöpfung schaffen und zugleich verlässliche Lieferketten ermöglichen, erklärte er.
Die vier Staaten beginnen dabei nicht bei null. Chile und Argentinien reaktivierten 2026 die Verwaltungskommission ihres bilateralen Bergbau-Integrationsvertrags. Mit Peru hatte Chile bereits 2025 ein Memorandum zu Bergbaufragen geschlossen. Diese Strukturen liefern praktische Anknüpfungspunkte für die neue regionale Zusammenarbeit.
Die veröffentlichten Angaben zur Erklärung nennen bislang keine Investitionssummen oder verbindlichen Förderziele. Der wirtschaftliche Wert des Pakts wird sich an konkreten Finanzierungen und gemeinsamen Projekten messen lassen.

