Kupferströme verlagern sich in die USA
Kupfer gewinnt für die USA strategisch weiter an Bedeutung. Während große Kupfermengen in LME-Lagern zur Auslieferung vorgemerkt sind, unterstützt Washington zugleich neue heimische Förderprojekte. Am Markt sind die Folgen bereits zu spüren.
An der London Metal Exchange stieg Kupfer am Montag um 0,2 % auf 14.240 USD je Tonne. In der Vorwoche hatte das Metall mit 14.396 USD den höchsten Stand seit dem Hoch im Januar erreicht. Die jüngsten Käufe folgten auf einen kräftigen Anstieg gekündigter Lagerscheine. Diese sogenannten Cancelled Warrants kennzeichnen Metall, das aus registrierten Lagerhäusern zur Auslieferung vorgesehen ist.
Rekordbestände an der Comex verändern den Kupferfluss
Am Montag lagen insgesamt 240.250 Tonnen Kupfer in LME-Lagern. Davon waren mehr als die Hälfte, nämlich rund 121.000 Tonnen, zur Auslieferung vorgemerkt. Stornierungen in diesen Dimensionen können die frei verfügbaren Börsenbestände verknappen. Händler erwarten deshalb höhere Prämien für kurzfristig verfügbares Metall.
Viele der betroffenen Bestände liegen laut der Nachrichtenagentur Reuters in US- und asiatischen Freihandelslagern. Branchenkreise rechnen damit, dass das Metall an die US-Terminbörse Comex oder direkt an amerikanische Händler und Verbraucher geht.
Die Comex-Bestände liegen mit rund 670.000 Tonnen bereits auf Rekordniveau. Seit Februar 2025 brachten Händler und Produzenten verstärkt Kupfer in die Vereinigten Staaten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Präsident Donald Trump neue US-Importzölle ins Spiel gebracht. Seit August 2025 gelten in den USA zusätzliche Zölle auf bestimmte Kupferprodukte. Seit dem 6. April 2026 beträgt der Satz für die meisten erfassten Kupferartikel 50 Prozent, für bestimmte weitere 25 Prozent.
Die Zollpolitik gehört damit zu den Faktoren, die den Kupferfluss in Richtung USA beeinflussen. Die aktuellen Bewegungen bei den LME-Beständen haben jedoch mehrere Ursachen, darunter zugleich auslaufende Short-Positionen und erwartete Lieferungen in die USA.
Importabhängigkeit macht Kupfer zur Standortfrage
Neben den kurzfristigen Lagerbewegungen besteht ein strukturelles Problem. Nach Schätzung des U.S. Geological Survey (USGS), der geowissenschaftlichen Behörde des US-Innenministeriums, deckten Nettoimporte 2025 rund 57 % des rechnerischen Kupferverbrauchs der USA. 2024 waren es 45 %.
Die Einfuhren von raffiniertem Kupfer stiegen zugleich von 903.000 auf rund 1,7 Mio. Tonnen. Die heimische Minenproduktion sank auf etwa eine Million Tonnen. Arizona stellte rund 70 % dieser Minenproduktion und bleibt damit das Zentrum der amerikanischen Kupferförderung. Dort liegt auch das Santa-Cruz-Projekt nahe Casa Grande.
Santa Cruz soll die heimische Versorgung stärken
Das Projekt gehört dem US-Kupferentwickler Ivanhoe Electric US46578C1080 A3DNSS. Die Export-Import Bank of the United States (EXIM), die staatliche US-Exportkreditagentur, stellte dem Unternehmen nun eine mögliche Fremdfinanzierung von 1,1 Mrd. USD in Aussicht. Santa Cruz soll verkaufsfähige Kupferkathoden direkt am Standort herstellen, statt lediglich Erz oder Konzentrat zu liefern. Das Projekt stellt damit jene Wertschöpfungsstufe dar, bei der die USA besonders hohe Importe verzeichnen.
Die Finanzierungsgespräche mit EXIM reichen bis April 2025 zurück. Damals stellte die Bank in einem unverbindlichen Interessenschreiben Ivanhoe bis zu 825 Mio. USD mit 15 Jahren Laufzeit in Aussicht. Mit dem nun vorliegenden vorläufigen Projektschreiben (Preliminary Project Letter) hat EXIM seine erste Projektprüfung abgeschlossen und den möglichen Kreditrahmen auf 1,1 Mrd. USD erhöht. Eine endgültige Zusage steht noch aus. Ivanhoe Electric rechnet im Frühjahr 2027 mit der abschließenden Befassung des Verwaltungsrats der Export-Import Bank.
Santa Cruz illustriert die Größenordnung der US-Strategie
Die vorläufige Machbarkeitsstudie (PEA) von 2025 sieht während der ersten 15 Produktionsjahre durchschnittlich 72.000 Tonnen Kupferkathoden jährlich vor. Bei einer geplanten Minenlaufzeit von 23 Jahren entspräche diese Jahresmenge gemessen am rechnerischen US-Kupferverbrauch 2025 rund drei Prozent. Für den Bau veranschlagt die Studie anfänglich 1,24 Mrd. USD. Die mögliche EXIM-Finanzierung entspräche rechnerisch knapp 90 % dieses alten Kostenansatzes.
Da Ivanhoe Electric im September 2026 eine aktualisierte vorläufige Machbarkeitsstudie vorlegen will, sind dies vorläufige Zahlen. Die PEA soll ein neues Konzept für den untertägigen Zugang mit einer Tunnelbohrmaschine einbeziehen. Nach aktuellem Zeitplan ist die erste Kupferkathode für das zweite Quartal 2029 vorgesehen.
Beide Entwicklungen spielen sich somit auf unterschiedlichen Zeithorizonten ab. Kurzfristig zieht der US-Markt verfügbares Kupfer an. Langfristig soll zusätzliche heimische Produktion die Importabhängigkeit verringern.

