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Japan und Südkorea suchen Graphit jenseits chinesischer Lieferketten

Japan und Südkorea suchen Graphit jenseits chinesischer Lieferketten International Graphite

Rohstofflieferketten sind längst ein Instrument der Wirtschaftspolitik. Wer den Zugang zu strategischen Materialien kontrolliert, hat Einfluss auf Industrien weit über den Bergbau hinaus. Bei Graphit ist dieser Einfluss stärker konzentriert als bei fast jedem anderen Batteriematerial. China dominiert sowohl die Förderung als auch die Verarbeitung und nutzt diese Position zunehmend aktiv.

Ende 2023 führte Peking Exportkontrollen für Graphit ein. 2025 folgten weitere Maßnahmen, die auch künstliches Graphit und Anodenmaterialien erfassen. Laut einem im April 2026 veröffentlichten OECD-Bericht unterliegen mittlerweile rund 47 Prozent der globalen Graphitexporte mindestens einer Ausfuhrbeschränkung. Die Verdichtung der Beschränkungen innerhalb weniger Jahre zeigt, wie systematisch Peking seine Kontrolle über diese Wertschöpfungskette ausgebaut hat.

Japan und Südkorea in der Zange

Für keine Region sind die Konsequenzen unmittelbarer als für Nordostasien. Japan und Südkorea zählen zu den bedeutendsten Verarbeitern von Batterie- und Industriegraphit weltweit. Ihre Elektronikindustrie, ihre Batteriehersteller und ihre Automobilzulieferer sind auf hochspezifizierten Graphit angewiesen, den sie kaum selbst fördern. Die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten ist dort strukturell tief verankert.

Hochspezifizierter Industriegraphit entsteht, wenn Flocken-Graphitkonzentrat auf präzise Korngrößen vermahlen wird. Dieses mikronisierte Material dient als Anodenstoff in Lithium-Ionen-Batterien, als Schmiermittel in der Hochleistungselektronik und als feuerfestes Material in der Stahlindustrie. Die Verarbeitungskette ist technisch anspruchsvoll und war lange fast ausschließlich in chinesischer Hand. Nun wächst der Wille, diese Abhängigkeit aufzulösen, und konkrete Schritte folgen daraus.

Westliche Verarbeiter rücken vor

Auf politischer Ebene reagieren westliche Staaten mit Förderprogrammen und Rohstoffabkommen. Australien, Kanada und die EU haben Graphit jeweils als strategischen Rohstoff eingestuft und stellen Mittel bereit, um Verarbeitungskapazitäten außerhalb Chinas aufzubauen. Die EU extrahiert nach Angaben des Branchendienstes Metalshub (Stand Mai 2026) weniger als 0,1 Prozent ihres Graphitbedarfs selbst, während die Nachfrage bis 2030 auf rund 480.000 Tonnen jährlich anwachsen soll.

Auf kommerzieller Ebene entstehen erste konkrete Vereinbarungen, und die Abnehmer kommen häufig aus Nordostasien. Syrah Resources AU000000SYR9 A0MXQX beliefert über seine Balama-Mine in Mosambik seit 2024 den südkoreanischen Batteriematerialhersteller Posco und schloss Anfang 2026 einen Sieben-Jahres-Liefervertrag mit NextSource Materials ab, dessen geplante Anodenanlage in Abu Dhabi ihrerseits japanische Kunden bedienen soll. Das kanadische Unternehmen Nouveau Monde Graphite CA66979W8429 A3CMLY hat seine künftige Produktion aus der Matawinie-Mine in Québec mit Abnahmeverträgen an Panasonic Energy und die kanadische Regierung gebunden und damit gezeigt, dass staatliche Stellen zunehmend direkt als Abnehmer auftreten.

Auch kleinere, auf Verarbeitung spezialisierte Unternehmen nutzen die Marktlücke. Das australische Unternehmen International Graphite AU0000210957 A3DJY5 baut derzeit in Collie im Südwesten von Western Australia Australiens erste kommerzielle Graphit-Mikronisierungsanlage, die für das zweite Quartal 2027 die mechanische Fertigstellung anstrebt. Parallel dazu entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit dem italienischen Chemiekonzern Alkeemia S.p.A. einen Graphit-Verarbeitungshub im norditalienischen Porto Marghera nahe Venedig, der europäische Abnehmer in Industrie- und Energiespeichermärkten bedienen soll. Der Baubeginn ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen, die erste Produktion für die zweite Jahreshälfte 2027. Mitte Juni 2026 schloss das Unternehmen eine Kapitalerhöhung über 4 Mio. AUD ab, um beide Vorhaben voranzubringen.

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Struktureller Druck bleibt

Der strukturelle Druck auf Graphit-Lieferketten in Nordostasien wird potenziell anhalten. Solange China seine Exportkontrollen aufrechterhält und westliche Verarbeitungskapazitäten erst im Aufbau sind, bleibt das Angebot an nicht-chinesischem Industriegraphit knapp. Erste kommerzielle Vereinbarungen zeigen jedoch, dass Abnehmer in Japan und Südkorea aktiv nach Alternativen suchen. Ob die entstehenden Kapazitäten ausreichen, um diesen Bedarf zu decken, und zu welchem Zeitpunkt, bleibt die entscheidende offene Frage.