Zu Bergbauprojekten gehören nicht nur technische und geologische Facetten. Im Hintergrund eines jeden Projekts läuft ein Gutteil komplizierter Bürokratie ab. Beim Umgang mit komplexen behördlichen Anforderungen kommt es zuweilen zu Formfehlern. Doch Ordnung muss sein: Oroco Resources aus Vancouver reagiert umgehend auf formelle Ungenauigkeiten, die bei einer routinemäßigen Überprüfung von Dokumenten entdeckt wurden. Gut zu wissen: Konkrete Inhalte sind nicht betroffen – es geht um Formulierungsfeinheiten.

Wie Oroco am Mittwoch in einer Pressemitteilung meldete, waren bei einer Offenlegungsprüfung durch die British Columbia Securities Commission (BCSC) ungenaue beziehungsweise lückenhafte Angaben über Orocos Porphy-Kupferprojekt „Santo Tomás“ in den hinterlegten Dokumenten entdeckt worden. Bemängelt wurden dabei nicht etwa die sachbezogenen Inhalte der Unterlagen; vielmehr ist eine sprachliche Präzisierung und Ergänzung erforderlich.

Korrekturbedarf fürs „National Instrument“

Die BCSC ist eine Aufsichtsbehörde, die die Wertpapiergesetze in der kanadischen Provinz British Columbia verwaltet und durchsetzt. Sie ist Mitglied des Canadian Securities Administrators (CSA), einer Dachorganisation der kanadischen Wertpapieraufsichtsbehörde.

Grund für die Beanstandung der Dokumente waren Offenlegungsprobleme im Bezug auf das „National Instrument“ (NI)  43-101 und dessen Formular 43-101F1. Bei diesem Dokument handelt es sich um einen kodifizierten Satz von Regeln und Richtlinien für Meldung und Anzeige von Informationen über Mineralgrundstücke. Die bemängelten Fehler beziehen sich auf Angaben zu einer historischen Ressource in einem technischen Bericht von 2019, der seitdem technischen Informationen zugrunde lag.

Die British Columbia Securities Commission überprüfte Unternehmenspräsentationen von Oroco von Oktober 2019 und März 2020 sowie den aktuellen technischen Bericht vom 22. August 2019. Dieses Dokument war von Dane Bridge, einem professionellen Geologen, verfasst worden.

Oroco hat sofort reagiert und sowohl den fraglichen Bericht als auch die aktuelle Präsentation von seiner eigenen Website entfernt.  Das Unternehmen überarbeitet gegenwärtig die beanstandeten Darstellungen mit Anwälten und qualifizierten Personen und wird die Angaben korrigieren.

Die Unvollständigkeiten im Einzelnen

In den Präsentationen, so erläutert Oroco, seien nicht alle Informationen enthalten, die zur Schätzung der historischen Ressourcen bei jeder Veröffentlichung benötigt werden. In den Ausführungen seien auch mineraläquivalente Qualitäten enthalten, die nicht konform mit dem National Instrument seien. Zudem waren in der Präsentation keine Angaben zu der qualifizierten Person und deren Bezug zum Unternehmen enthalten, welche diese technischen Informationen erstellt, kontrolliert oder genehmigt hat.

Was den Bericht betrifft, seien an jenen Passagen, die sich auf die Schätzungen der historischen Ressourcen beziehen, nicht alle Informationen und Warnhinweise eingeflossen, die das NI erfordert.

Dies umfasst auch historische wirtschaftliche Analysen, die dem Standard des Instruments widersprechen. Insbesondere die Verwendung des Begriffes „Erz“ impliziere eine technische und wirtschaftliche Rentabilität bei der Offenlegung der Schätzung der historischen Ressourcen. Diese werde aber in dem Bericht nicht unterstützt.

Die Darlegung stimmt somit nicht mit den Anforderungen des NI und dem Formular 43-101F1 übereinstimme. Ein überarbeiteter technischer Bericht wird erstellt.

Keine Auswirkung auf die Faktenlage

Quintessenz ist, dass die Überprüfung durch das BCSC von Oroco erfordert, den Wortlaut der Berichte und Präsentationen anzupassen, indem die vorsichtige Diktion in Bezug auf die historischen Daten sich im Dokument verstärkt wiederfinden soll, um dem NI zu entsprechen. Wichtig sei, so betont Alan Carter, Vizedirektor von Oroco, dass die Beanstandung die offengelegten Informationen in keiner Weise in Frage stellt, sondern nur die formale Sprache anzupassen sei. Die ursprünglichen Dokumente enthalten keinerlei irreführende Informationen, es sei eine rein formale Angelegenheit.

Oroco weist explizit darauf hin, dass die im Bericht erfolgte Schätzung der historischen Ressource vom Unternehmen nicht als aktuelle Ressource eingestuft wird und demzufolge auch nicht als eine solche behandelt wird. Die historischen Angaben verwendet Oroco ausschließlich zur Planung der Standorte zukünftiger Bohrungen und Explorationen.

Über Orocos „Santo Tómas“-Projekt

Bei Orocos Santo-Tomas-Projekt handelt es sich um ein bereits weit fortgeschrittenes Projekt – nicht zuletzt dank der detaillierten historischen Informationen bis hin zur Vormachbarkeitsstudie die von Bateman Engineering Inc auf Basis der Daten von 1994 abgeschlossen wurde. Es handelt sich um eine bedeutende Kupfer-Porphyr-Lagerstätte, die zwischen 1968 und 1994 definiert wurde, unter anderem durch mehr als hundert Diamant- und Reverse-Circuit-Bohrlöchern mit einer Gesamtlänge von etwa dreißig Kilometern.

Oroco hält einen Nettoanteil von 61,4 Prozent an den Kernkonzessionen des 1.172,9 Hektar umfassenden Projekts in Nordwest-Mexiko. Der Mehrheitsanteil kann mit einer Projektinvestition über 30 Millionen CAD auf 91,0 Prozent erhöht werden. Weiterhin hält Oroco 77,5 Prozent an weiteren 7.807,9 Hektar rings um die Kernkonzessionen. Der 160 Kilometer entfernte Tiefwasserhafen Topolobampo, Autobahn, Schienenweg, Fernstrom- und Erdgasleitungen und eine Zufahrtsstraße erschließen eine hervorragende Infrastruktur für das Projekt.