Hohe Gaspreise in Europa: Kein Ende in Sicht
Der Öl- und Gasexplorer CanCambria Energy CA13740E1079 A3EKUB erfreute seine Aktionäre Anfang August mit einer Ressourcenaufwertung. Unter Berücksichtigung der aktuellen Erdgaspreise in Europa ist das Gasprojekt Kiskunhalas in Ungarn – das wesentliche Asset von CanCambria – deutlich mehr wert als bislang veranschlagt.
CanCambria Energy: Projektwert steigt durch hohe Gaspreise
Auf Basis der aktualisierten Preisannahmen von 12 USD/MMBtu erhöhte sich der geschätzte, diskontierte Kapitalwert im Basisszenario um 16 % von 1,762 Mrd. USD auf 2,04 Mrd. USD. Dabei ist der Beginn der ersten Gasförderung für Mitte 2027 vorgesehen. Die vollständige Feldentwicklung ist für 2028 geplant.
Die Preisannahmen sind dabei zumindest aus heutiger Sicht als konservativ zu bezeichnen. Aktuell kostet Erdgas am europäischen Knotenpunkt TTF gemessen am Oktober-Kontrakt rund 19 USD/MMBtu. Gleichzeitig liegen sowohl der gleitende Sechsmonatsdurchschnitt als auch der gleitende Fünfjahresdurchschnitt über 15,00 US-Dollar/MMBtu.
"Die revidierte Bewertung spiegelt die verbesserten langfristigen Aussichten für europäische Erdgaspreise wider, die durch erhöhte makrogeopolitische Unsicherheit, sich verschärfende Angebotsbedingungen und wachsende Besorgnis um die europäische Energiesicherheit bedingt sind", erläuterte das Unternehmen gegenüber seinen Investoren.
Dem ist wenig hinzuzufügen: Europas Gasmarkt ist von Knappheit, Ungewissheit und kurz- wie langfristig bestehenden Versorgungsrisiken gekennzeichnet. Die aktuellen Lagerbestände sind wenige Monate vor Beginn der neuen Heizperiode so niedrig wie seit 17 Jahren nicht mehr.
Europas Gasspeicher: 80-Prozent-Ziel droht verfehlt zu werden
Die Beschaffung von Gas ist an vielen Fronten erschwert. Zum einen führt der Irankrieg zu massiven Einbrüchen bei LNG-Lieferungen aus Katar. Der Ausfall der dortigen Kapazitäten verengt den Markt zusätzlich: Europäische Käufer konkurrieren mit Abnehmern aus Asien um die knappen Mengen auf dem Weltmarkt.
Die asiatische Nachfrage hat sich seit April erholt und liegt trotz geringerer Liefermengen aus Katar und stabiler Preise wieder auf dem Niveau von 2025. "In den nächsten neun bis zwölf Monaten werden nur begrenzte zusätzliche Mengen an LNG auf den Markt kommen, und neue Projekte in Katar werden voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 in Betrieb gehen", heißt es in einem Bericht von Wood Mackenzie.
Zum anderen soll ab Januar 2027 jeglicher Einkauf von LNG aus Russland endgültig enden. Die Bedeutung russischer Gaslieferungen für den europäischen Markt hat allen Vorsätzen zum Trotz zuletzt wieder zugenommen. Die EU kaufte im Juni IntelliNews-Daten zufolge russisches Flüssigerdgas im Wert von 809 Millionen Euro, 57 % mehr als im Vorjahr.
Damit erreichte Russland einen Marktanteil von 24,1 % am EU-LNG-Markt (nach Wert) und lag damit hinter den USA mit 54,3 % und 1,83 Milliarden Euro an zweiter Stelle. Auch russisches Pipeline-Gas fließt – über TurkStream – weiter nach Europa. Hier sehen die EU-Sanktionen das Ende des Bezugs für den 30. September 2027 vor.
Kurzfristig sieht es so aus, als würde die EU ihre Ziele für die Gasspeicherung verfehlen. Die frühere Regelung, nach der die Speicher bis zum 01. November auf 90 % gefüllt werden mussten, wurde aufgeweicht. Jetzt soll die Marke zwischen dem 01. Oktober und dem 01. Dezember erreicht werden. Zudem soll ein Füllstand von 80 % ausreichen.
Ole Dramdal von Rystad Energy Gas and LNG Markets, geht in seinem Basisszenario davon aus, dass die EU-Speicher bis zum 1. November einen Füllstand von etwa 75 % erreichen werden. Ronald Pinto von Kpler LNG and Natural Gas rechnet mit einem Füllstand von etwa 77 %. Die Preise, zu denen die Speicher gefüllt werden, könnten dabei noch deutlich über dem aktuellen Niveau liegen.
Inländische Gasförderung für mehr Versorgungssicherheit
In Zukunft könnten mehr LNG-Kapazitäten in den USA und ein Ende der Blockade von Hormus Entlastung bringen. Selbst beides zusammen kann jedoch nur eine Teillösung für den europäischen Gasmarkt darstellen. Ein unverzichtbares Puzzleteil ist inländische Gasförderung. "Europa hat sich langfristige Ziele gesetzt, doch die Realität sieht so aus, dass es heute nur wenige Alternativen zu Gas gibt, weshalb dringendes Handeln erforderlich ist, um die Marktrisiken zu reduzieren", konstatieren die Analysten von Wood Mackenzie.
CanCambria Energy ist deshalb zuversichtlich, nach der geplanten Inbetriebnahme von Kiskunhalas einen lukrativen Markt zu bedienen. CEO Dr. Paul Clarke sagt: "Als eines der größten unerschlossenen Onshore-Gasprojekte in Mitteleuropa ist das Kiskunhalas-Projekt bestens positioniert, um von Europas wachsendem Fokus auf eine sichere inländische Energieversorgung zu profitieren." Die aktualisierte Ressourcenbewertung belege die "signifikante Hebelwirkung" des Projekts auf die Erdgaspreise in Europa.
Der Aktienkurs des Unternehmens spiegelt bislang weder den Fortschritt bei der Erschließung des Projekts noch das starke Umfeld für Gasproduzenten wider. Der Kurs notiert vielmehr nahe seiner mehrjährigen Tiefs. Je näher der geplante Beginn der ersten Gasförderung Mitte 2027 rückt und je stärker die Märkte einpreisen, dass "höher für länger" das neue Normal auf dem europäischen Gasmarkt ist, desto größer ist die Chance auf eine weitreichende Neubewertung.