Cameco begrenzt Uranförderung und setzt auf Kraftwerksbau
Der kanadische Uranproduzent Cameco CA13321L1085 882017 sieht seinen nächsten Wachstumsschub womöglich außerhalb der eigenen Minen. Nach Angaben von Präsident und Betriebschef Grant Isaac bleiben rund 30 % der genehmigten Förderkapazitäten ungenutzt. Zugleich könnte die Beteiligung am Kerntechnikanbieter Westinghouse bis 2030 mehr Wachstum bringen als eine höhere Uranproduktion.
Reaktorpläne eröffnen Chancen jenseits des Uranabbaus
Seit 2023 hält Cameco 49 % an Westinghouse, einem US-Anbieter von Reaktortechnik und Dienstleistungen für Kernkraftwerke. Mitinvestor war Brookfield Renewable BMG162581083 A1JQFZ samt weiteren institutionellen Partnern. Damit ist Cameco an einem Geschäft beteiligt, das bereits beim Bau neuer Kraftwerke Einnahmen erzielen kann. Westinghouse bereitet zudem einen Börsengang vor. Ende Juli 2026 reichte das Unternehmen bei der US-Börsenaufsicht SEC vertraulich einen entsprechenden Registrierungsentwurf ein.
Der Bau neuer Kernkraftwerke ist für Westinghouse allerdings nur ein Geschäftsfeld. Nach Unternehmensangaben betreut das Unternehmen rund 63 % der weltweit etwa 417 laufenden Reaktoren und liefert Brennstoff für ungefähr 40 %. Viele dieser Leistungen sind durch mehrjährige Verträge abgesichert und sorgen unabhängig von neuen Kraftwerken für laufende Umsätze.
Westinghouse führt weltweit bis zu 91 potenzielle Reaktoren in seiner Projektübersicht. Mögliche Inbetriebnahmen reichen bis in die frühen 2040er-Jahre. Insgesamt 29 Vorhaben sind konkreteren Projekt- oder Finanzierungsinitiativen zugeordnet. Weitere 62 befinden sich in früheren Stadien, darunter zwölf mit einer ersten technischen Planung. Die übrigen 50 werden erst angebahnt.
Zwischen Projektplänen und gesicherten Aufträgen
Ende 2025 standen im Geschäft mit bestehenden Kernkraftwerken Aufträge über 13,2 Mrd. USD in den Büchern, im Neubaugeschäft lediglich 0,8 Mrd. USD. Der gesicherte Auftragsbestand im Reaktorbau fällt damit bislang wesentlich kleiner aus als das mögliche Projektvolumen.
Besonders weit entwickelt sind Vorhaben für drei Reaktoren in Polen und zwei in Bulgarien. In Polen durfte Westinghouse inzwischen erste Komponenten mit langen Lieferzeiten beschaffen. Damit kommt die Vorbereitung voran, während die endgültige Investitionsentscheidung für das gesamte Kraftwerk weiterhin aussteht. Isaac rechnet bis 2030 nur dann mit einem stärkeren Wachstumsbeitrag von Westinghouse, wenn wichtige Neubauprojekte tatsächlich umgesetzt werden.
Milliardenpotenzial beim Bau neuer Kernkraftwerke
Für AP1000-Reaktoren, den großen Kraftwerkstyp von Westinghouse, beziffert Cameco dessen Anteil am Projektwert inzwischen auf 40 bis 45 %. Im Geschäftsbericht für 2025 hatte das Unternehmen für Planungs- und Beschaffungsleistungen außerhalb Chinas noch 25 bis 40 % veranschlagt.
Das aktuelle Unternehmensmodell veranschlagt den möglichen Westinghouse-Umsatz bei einem Kraftwerksprojekt mit zwei Reaktoren auf 8 bis 11 Mrd. USD. Diese Erlöse würden sich über ungefähr zehn Jahre verteilen. Das geschätzte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, kurz EBITDA, liegt bei 1,6 bis 2,2 Mrd. USD. Bei Cameco würde sich das Projekt über den anteiligen Gewinn von Westinghouse niederschlagen. Die Spanne gilt für frühe AP1000-Projekte, während Westinghouse bei späteren Serienbauten mit geringeren Kosten und Umsätzen rechnet.
Über die Bauphase hinaus könnten die Einnahmen weiterlaufen. Für zwei betriebene AP1000-Reaktoren veranschlagt Westinghouse über deren gesamte Betriebsdauer durchschnittlich 45 bis 60 Mio. USD Jahresumsatz aus Brennstofflieferungen und Dienstleistungen. Cameco könnte darüber hinaus Uran für die Brennstoffversorgung der Kraftwerke verkaufen.
Bereits für die Beschaffung großer Bauteile sind umfangreiche Finanzmittel vorgesehen. Im Juni 2026 stellte das US-Energieministerium bedingte Kredite über 17,5 Mrd. USD für Großkomponenten von bis zu zehn AP1000-Reaktoren in Aussicht. Bestellungen sollen dadurch schon vor endgültigen Bauentscheidungen möglich werden, sofern die Finanzierungsbedingungen erfüllt sind.
Südkoreanisches Kapital für geplante US-Reaktoren
Ein Ende September vorgestellter unverbindlicher Rahmen sieht südkoreanische Investitionen von bis zu 120 Mrd. USD zur möglichen Finanzierung von bis zu acht Reaktoren in den USA vor. Geplant sind sechs Anlagen des Typs AP1000 und bis zu zwei koreanische APR1400-Reaktoren, die ebenfalls Westinghouse-Technik verwenden.
Für die Umsetzung sind weitere Verträge, regulatorische Genehmigungen und die Organisation der Bauausführung erforderlich. Bis zu größeren Bauumsätzen dürften deshalb noch mehrere Jahre vergehen.
Lieferverträge bestimmen Tempo im Uranbergbau
Cameco verfügt für eine höhere Uranförderung bereits über genehmigte Anlagen. Das Minenportfolio könnte nach Isaacs Angaben theoretisch bis zu 36 Mio. Pfund Uran jährlich produzieren. Für 2026 erwartet das Unternehmen nach jüngster Prognose allerdings nur 19,5 bis 20,5 Mio. Pfund an eigener Förderung. Der Kapazitätswert beschreibt die möglichen Gesamtmengen der Anlagen, die Förderprognose hingegen den Cameco zurechenbaren Produktionsanteil.
Die ungenutzten Kapazitäten bieten Spielraum für spätere Produktionssteigerungen. Einen sofortigen Ausbau strebt Cameco dennoch nicht an. Zunächst sollen zusätzliche langfristige Abnahmeverträge mit Kraftwerksbetreibern geschlossen werden. Solche Vereinbarungen geben Investitionen eine verlässlichere Grundlage als vorübergehende Preissteigerungen am Uranmarkt.
Für die Jahre 2026 bis 2030 hat Cameco im Durchschnitt bereits mehr als 28 Mio. Pfund jährliche Lieferungen vertraglich zugesagt. Für 2026 erwartet der Konzern Verkäufe von 29,5 bis 30,5 Mio. Pfund, also deutlich mehr als die eigene Förderung. Die Differenz deckt Cameco durch Lagerbestände und Zukäufe.
Ein Teil der langfristigen Lieferverträge nutzt Marktpreisformeln mit vereinbarten Unter- und Obergrenzen. Steigt der Uranpreis, erhöhen sich die Einnahmen daher nicht zwangsläufig im gleichen Umfang. Bei neuen Abschlüssen kann Cameco zugleich versuchen, günstigere Konditionen für spätere Lieferungen auszuhandeln.
Neben den Verträgen begrenzen technische Probleme den Ausbau
In der Uranmine McArthur River in der kanadischen Provinz Saskatchewan erschweren unerwartete Tonschichten die Erschließung neuer Abbaubereiche. Dort wird der Untergrund künstlich gefroren, um Wasserzutritte zu begrenzen und das Gestein zu stabilisieren. Die Vorbereitung neuer Förderzonen dauert deshalb länger als geplant.
Unter den derzeitigen Vertragsbedingungen verzichtet Cameco darauf, diese Verzögerungen durch umfangreiche zusätzliche Investitionen auszugleichen. In der zugehörigen Verarbeitungsanlage Key Lake verlängern zudem Umbauten und Reparaturen die diesjährige Wartung. Cameco warnt, dass Probleme beim Wiederanlauf die Förderung zusätzlich belasten könnten.
Vorhandene Anlagen und Genehmigungen erleichtern einen späteren Ausbau, der allerdings zusätzliche vertragliche Anreize und ausreichend Zeit für die technischen Vorbereitungen benötigt.
Uranbedarf und Engpässe in der Brennstoffversorgung
Wie viel Uran künftig gebraucht wird, hängt wesentlich von den Laufzeiten bestehender Kernkraftwerke und dem Zubau neuer Anlagen ab. David Talbot vom kanadischen Rohstoffanalysehaus Red Cloud Securities veranschlagt die weltweite Urannachfrage auf jährlich 220 bis 230 Mio. Pfund. Er erwartet ein jährliches Wachstum von etwa 3,5 bis 4 %. Isaac verweist auf mögliche Betriebszeiten von 80 bis 100 Jahren. Ein Kraftwerksneubau schafft dadurch über viele Jahrzehnte Nachfrage nach Brennstoff und technischen Dienstleistungen.
Zunehmend zählt dabei auch, aus welchen Ländern der Kernbrennstoff stammt. In den USA laufen die Ausnahmeregelungen für bestimmte Einfuhren niedrig angereicherten Urans aus Russland spätestens am 1. Januar 2028 aus. Amerikanische Versorger müssen sich deshalb verstärkt um alternative Liefer- und Verarbeitungskapazitäten kümmern.
Bevor Urankonzentrat als Kernbrennstoff eingesetzt werden kann, muss es chemisch umgewandelt, angereichert und zu Brennelementen verarbeitet werden. Cameco betreibt dafür eine Umwandlungsanlage in Port Hope in der kanadischen Provinz Ontario, während Westinghouse Brennelemente herstellt. Gesicherte Lieferketten haben daher eine wirtschaftliche Bedeutung, die weit über den eigentlichen Uranbergbau hinausreicht.
US-Fördermengen und die Aussichten für Uranpreise
Die US-Förderung erreichte 2025 laut der staatlichen Energieinformationsbehörde EIA 2,1 Mio. Pfund Uranoxid. Für die nächsten zwei Jahre erwartet Talbot in den USA lediglich vier bis fünf Millionen Pfund zusätzliche jährliche Förderung. Gemessen am weltweiten Bedarf wäre selbst dieser Zuwachs überschaubar.
Langfristige Uranvertragspreise lagen zum Zeitpunkt seiner Einschätzung bei etwa 90 bis 96 USD je Pfund. Talbot rechnet mit einem weiteren Anstieg. Für Cameco könnte dies den Wert zusätzlicher Förderkapazitäten erhöhen, sofern sich entsprechend attraktive Abnahmeverträge abschließen lassen.
Mehr Uranproduktion setzt damit langfristige Käufer voraus, während Westinghouse für stärkeres Wachstum verbindliche Kraftwerksentscheidungen benötigt. Beide Geschäftsfelder bieten Cameco Einnahmeperspektiven, die weit in die Zukunft reichen. Ein großer Teil der möglichen Aufträge steht allerdings noch aus.

