Steigende Dieselpreise erhöhen die Kosten im Bergbau

Steigende Dieselpreise erhöhen die Kosten im Bergbau

Obwohl sich die Rohölexporte aus der Golfregion teilweise erholt haben, bleibt Diesel auf dem Weltmarkt knapp und teuer. Für Bergbaukonzerne ist das besonders problematisch, weil schwere Maschinen und lange Transportwege große Mengen Treibstoff benötigen. Wie stark die Kosten steigen, unterscheidet sich je nach Betrieb erheblich.

Hohe Energiepreise verteuern Förderung und Transport

In den Minen wird Diesel für schweres Gerät und Transporte benötigt. Weitere Energie verbrauchen die Verarbeitung der Rohstoffe und deren Verschiffung. Lieferstörungen rund um die Straße von Hormus sorgen zugleich für Unsicherheit am Öl- und Gasmarkt. Zwar haben sich die Rohölexporte aus der Golfregion teilweise erholt, doch der Transport raffinierter Erdölprodukte bleibt beeinträchtigt.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) lagen die weltweiten Dieselexporte im September 2026 rund 700.000 Barrel täglich unter dem Vorjahresniveau. Die Ausfuhren raffinierter Erdölprodukte aus dem Nahen Osten erreichten zugleich weniger als die Hälfte des Vorkriegsniveaus. Die Erholung der Rohölexporte hat die Engpässe bei Diesel bislang nicht wesentlich entschärft.

Anfang Oktober lagen wichtige Diesel-Großhandelspreise weiterhin nahezu doppelt so hoch wie die Rohölpreise beziehungsweise ihre eigenen Vorkrisenwerte. Der Rohölpreis allein bildet die Treibstoffbelastung der Bergbauunternehmen deshalb nur unvollständig ab. In ihre Kostenrechnung fließen ebenso die Frachtraten, der Energiebedarf der Aufbereitung und die Verfügbarkeit wichtiger Betriebsmittel ein.

Der US-amerikanische Finanzdienstleister TD Cowen warnte bereits im März 2026 vor steigenden Kosten und schmaleren Gewinnmargen im Bergbau. Die Analysten rechneten mit einem Anstieg der nachhaltigen Gesamtkosten (AISC) um 15 % gegenüber dem Vorjahr. Für umfassender berechnete Gesamtkosten nannten sie einen Zuwachs von 22 %. Auf welchen Teil der Bergbaubranche sich diese Schätzungen konkret beziehen, ist allerdings nicht eindeutig dokumentiert. Eine vergleichbare Belastung hatte die Branche während der Energiepreiskrise nach Russlands Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 erlebt.

Hohe Goldpreise entlasten Produzenten

Beim kanadischen Gold- und Kupferproduzenten Barrick Mining CA06849F1080 A417GQ haben höhere Verkaufspreise die gestiegenen Produktionskosten mehr als ausgeglichen. Im zweiten Quartal 2026 erzielte der Konzern ein zurechenbares bereinigtes EBITDA von 2,55 Mrd. USD. Das waren 51 % mehr als ein Jahr zuvor, obwohl die Kosten je verkaufter Goldunze gestiegen waren. Die Umsatzkosten erhöhten sich von 1.654 auf 1.993 USD je Unze, was einem Zuwachs von rund 20 % entspricht. Barrick führt dies unter anderem auf höhere Treibstoffkosten, geringere Erzgehalte in einzelnen Betrieben und gestiegene Abgaben zurück. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Verkaufspreis für Gold von 3.295 auf 4.417 USD je Unze. Zusammen mit den höheren Kupfererlösen ermöglichte dies ein deutlich besseres Quartalsergebnis.

Von den stärkeren Goldnotierungen profitieren auch die kanadischen Goldproduzenten Kinross Gold CA4969024047 A0DM94 und Monument Mining CA61531Y1051 A0MSJR. Wie stark jeweils explizit die gestiegenen Dieselpreise die einzelnen Minen belasten, lässt sich daraus allerdings nicht unmittelbar ableiten. Bei Kinross stiegen die Produktionskosten je verkaufter Goldäquivalent-Unze im zweiten Quartal von 1.080 auf 1.352 USD. Das Unternehmen nennt unter anderem höhere Ausgaben für Treibstoff und Löhne sowie gestiegene Abgaben als Ursachen. Der durchschnittlich erzielte Goldpreis lag zugleich 37 % über dem Vorjahreswert. Damit konnte Kinross die zusätzliche Kostenbelastung wirtschaftlich auffangen.

Allerdings wirken sich steigende Goldpreise auch auf die Kosten der Produzenten aus. Darauf verweist der World Gold Council, eine Branchenorganisation der Goldindustrie. Nach seinen Berechnungen lagen die durchschnittlichen nachhaltigen Gesamtkosten der Goldproduzenten im ersten Quartal 2026 um 16 % über dem Vorjahresniveau. Den größten Anteil an diesem Anstieg hatten höhere Förderabgaben, die vielfach an den Goldpreis gekoppelt sind.

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Kupferproduzenten begrenzen ihre Kosten auf unterschiedliche Weise

Auch im Kupferbergbau gehen die höheren Treibstoffausgaben oft mit weiteren Kostensteigerungen einher. Der chilenische Kupferproduzent Antofagasta GB0000456144 867578 meldete für das erste Halbjahr 2026 um 23 % höhere direkte Förderkosten vor Nebenprodukterlösen. Neben den Dieselpreisen wirkten sich geringere Fördermengen und teurere Betriebsmittel auf die Kosten aus. Wegen der anhaltend hohen Dieselpreise hat Antofagasta seine Prognose für die direkten Förderkosten vor Nebenprodukterlösen von bislang 2,40 bis 2,60 USD auf 2,60 bis 2,70 USD je Pfund Kupfer angehoben. Höhere Einnahmen aus Gold und anderen Nebenprodukten können einen Teil dieses Anstiegs ausgleichen.

Der kanadische Kupferproduzent Capstone Copper CA14071L1085 A3DH8D verzeichnete im zweiten Quartal ebenfalls höhere Kosten. Die direkten Stückkosten lagen 15 % über dem Vorjahreswert. Neben geringeren Produktionsmengen verteuerten sich wichtige Betriebsmittel, darunter Diesel und Schwefelsäure. Dank höherer Metallpreise erreichte Capstone dennoch ein bereinigtes EBITDA von 354 Mio. USD und damit einen Quartalsrekord. Gegen weitere Preissprünge hatte sich das Unternehmen teilweise abgesichert. Für 42 % des erwarteten Dieselverbrauchs im zweiten Halbjahr 2026 waren die Preise bereits festgelegt. Dadurch lässt sich ein Teil der Kosten unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen kalkulieren.

Wie stark Capstone dennoch von den Dieselpreisen abhängt, hat der Konzern selbst beziffert. Eine Veränderung des Dieselpreises um zehn US-Cent je Liter würde im zweiten Halbjahr 2026 einen Kosteneffekt von insgesamt rund fünf Mio. USD verursachen. Davon entfielen nach Unternehmensberechnungen rund 3,5 Mio. USD auf die direkten Förderkosten und rund 1,5 Mio. USD auf aktivierte Abraumarbeiten.

Auch den Schwefelsäurebedarf versucht Capstone durch eine angepasste Produktionsplanung zu verringern. Am chilenischen Standort Mantoverde soll der Verbrauch 2026 dadurch um rund 200.000 Tonnen sinken. Nach Unternehmensangaben werden weitere kurzfristige Zukäufe von Schwefelsäure überflüssig. Solche betrieblichen Anpassungen können die Kosten selbst bei anhaltend hohen Energiepreisen begrenzen.

Einen anderen Ansatz verfolgt der kanadische Bergbaukonzern Ivanhoe Mines CA46579R1047 A1W4VG. Der Kupferkomplex Kamoa-Kakula in der Demokratischen Republik Kongo erwirtschaftete im zweiten Quartal ein EBITDA von 385 Mio. USD. Die Kennzahl bezieht sich auf das gesamte Projekt und damit nicht ausschließlich auf Ivanhoes Beteiligung.

Ein wesentlicher Kostenvorteil entsteht durch die eigene Schmelzanlage. Sie verringert die Transportkosten für Kupferprodukte und liefert Schwefelsäure, die sich als Nebenprodukt verkaufen lässt. Die daraus erzielten Erlöse deckten nach Unternehmensangaben im zweiten Quartal nahezu die laufenden Schmelzkosten. Den Schmelzkosten von 0,41 USD je Pfund Kupfer standen Nebenproduktgutschriften von 0,39 USD gegenüber. Die Schwefelsäure verkauft Ivanhoe an andere Bergbaubetriebe in der kongolesischen Kupferregion.

Zugleich sanken die Transportkosten auf 0,24 USD je Pfund Kupfer und damit auf ungefähr ein Drittel ihres früheren Niveaus. Der Grund ist vor allem die höhere Metallkonzentration: Statt Kupferkonzentrat verschifft das Unternehmen inzwischen Anoden mit einer Reinheit von 99,7 %. Für dieselbe Kupfermenge muss dadurch wesentlich weniger Material transportiert werden. Ivanhoe-Mitgründer Robert Friedland sieht in der eigenen Verarbeitung einen Schutz vor den Belastungen durch gestörte internationale Handelswege. Der geringere Transportbedarf verbessert die Kostenstruktur auch bei schwankenden Dieselpreisen.

Sinkende Metallpreise erhöhen Risiko für Margen

Die Unternehmen sind dem Anstieg der Energiepreise unterschiedlich stark ausgesetzt. Hohe Metallpreise, Einnahmen aus Nebenprodukten und abgesicherte Treibstoffkäufe können die Belastung mindern. Es gelingt damit allerdings nicht zwangsläufig, einen dauerhaften Kostenanstieg vollständig auszugleichen.

Eine rasche Entspannung am Dieselmarkt erwartet die IEA bislang nicht. Nach ihrer Prognose vom Oktober könnte ein nachhaltiger Wiederaufbau der knappen Gasölbestände frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen. Der erhöhte Kostendruck dürfte den Bergbau damit noch längere Zeit begleiten.

Sollten Gold und Kupfer im Preis nachgeben, hätten die Produzenten weniger Spielraum, um höhere Förder- und Transportkosten aufzufangen. Steigende Zinsen und nachlassende Sorgen um das Rohstoffangebot gelten dabei als zusätzliche Marktrisiken. Besonders anfällig wären energieintensive Betriebe ohne eigene Verarbeitungskapazitäten oder vergleichbare Absicherungen. Die weitere Entwicklung der Gewinnmargen hängt somit von zwei Märkten ab. Während die Dieselpreise einen Teil der Produktionskosten bestimmen, geben die Gold- und Kupferpreise den finanziellen Spielraum auf der Erlösseite vor.