Kolumbien stellt die Weichen für einen Bergbau-Neustart

Kolumbien stellt die Weichen für einen Bergbau-Neustart

Kolumbien richtet seine Bergbaupolitik nur einen Monat nach dem Regierungswechsel neu aus. Präsident Abelardo De La Espriella will die unter seinem Vorgänger Gustavo Petro festgelegten Bergbaudistrikte wieder aufheben. Diese Abgrenzungen sollten den Bergbau in bestimmten Regionen stärker mit Umweltbelangen, staatlicher Planung und wirtschaftlicher Diversifizierung verzahnen. Die neue Regierung sieht darin jedoch ein Hindernis für Exploration und Investitionen. Der gesetzliche Rahmen für solche Distrikte soll bestehen bleiben, die konkreten räumlichen Festlegungen dagegen entfallen.

Petros Sonderdistrikte stehen zur Disposition

Der Regierungsentwurf betrifft 15 abgegrenzte Distrikte mit zusammen rund 5,34 Mio. Hektar. 13 davon wurden erst 2026 festgelegt. Für die Distrikte waren zudem strategische Managementpläne vorgesehen, die nach Angaben des Ministeriums bislang nicht ausgearbeitet wurden. Die Regierung kritisiert damit ein System, dessen räumliche Grenzen bereits feststanden, während die konkrete Steuerung noch fehlte.

Rechtlich bleibt der Schritt begrenzt. Der Entwurf befindet sich bis zum 18. September in öffentlicher Konsultation. Er lässt Artikel 231 und das Dekret 977 von 2024 ausdrücklich unangetastet. Artikel 231 schuf die Sonderbergbaudistrikte, während das Dekret ihre Identifizierung, Priorisierung, Abgrenzung und Umsetzung regelte. Auch die strategischen Managementpläne sind dort verankert. Die Regierung will also die konkreten Abgrenzungsbeschlüsse beseitigen, während die gesetzliche Grundlage des Instruments bestehen bleibt.

Großprojekt erhält mehr Zeit für Exploration

Ein Beispiel für die neue Linie liefert das Kupfer-Gold-Projekt Quebradona bei Jericó und Támesis im nordwestlichen Departamento Antioquia. Die kolumbianische Bergbaubehörde Agencia Nacional de Minería (ANM) verlängerte am 19. August die Explorationsphase bis zum Anfang Dezember 2027. Betreiber ist der internationale Goldproduzent AngloGold Ashanti GB00BRXH2664 A3EQAK.

Mit der Verlängerung erlaubt die ANM ausdrücklich die Fortführung der Explorationsphase. Für die weitere Projektentwicklung bestehen jedoch zusätzliche regulatorische Hürden. Nach Angaben von AngloGold Ashanti dürfen in der 2025 eingerichteten temporären Naturressourcenreserve, die auch Quebradona umfasst, derzeit keine neuen Umweltgenehmigungen erteilt werden. Während der Verlängerung muss das Unternehmen geologische, ökologische und wasserbezogene Untersuchungen abschließen. Außerdem verlangt die Behörde eine Strategie für den Dialog mit den Gemeinden Jericó und Támesis.

Parallel führt die Bergbaubehörde Ausschreibungen für strategische Rohstoffflächen fort. Seit dem 28. August können qualifizierte Interessenten Gegenangebote für die Blöcke AEM 23 und AEM 42 abgeben. Vorgesehen sind Sonderverträge zur Exploration und Gewinnung von Kupfer, Gold und verbundenen Mineralen. Das Verfahren läuft bis zum 18. September.

Mehr praktische Unterstützung signalisiert die Behörde auch für laufende Betriebe. Mitte August stimmte sich die ANM in Bogotá mit dem staatlichen Rüstungs- und Sprengstoffunternehmen Indumil, dem Verteidigungsministerium und der Waffen- und Sprengstoffbehörde ab, um die Sprengstoffversorgung von Cerrejón zu sichern. Parallel sprach sie in Boyacá mit Militärbehörden und Bergbauunternehmen über schnellere Verfahren für Lieferung und Einsatz von Sprengstoffen. Die dafür nötigen Verwaltungsverfahren betreffen unmittelbar Produktionssicherheit, Kosten und Planbarkeit.

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Bergbau bleibt ein wichtiger Exportsektor

Der Kurswechsel trifft auf einen Bergbau, der für Kolumbiens Außenhandel erhebliches Gewicht hat. Nach vorläufigen Daten der staatlichen Planungsbehörde Unidad de Planeación Minero Energética (UPME) und der kolumbianischen Bergbaubehörde erreichten die elf wichtigsten Bergbauprodukte von Januar bis Mai 2026 einen Exportwert von rund 6,4 Mrd. USD. Das entsprach mehr als 27% aller kolumbianischen Warenausfuhren in diesem Zeitraum.

Gold stellte 55,6 % dieses Exportwerts, thermische Kohle weitere 25,9 %. Konzentrate aus Kupfer kamen auf 6,1 %. Regulatorische Entscheidungen reichen daher weit über einzelne Projekte hinaus.

Der kolumbianische Branchenverband Asociación Colombiana de Minería (ACM) sieht deshalb erhebliches Investitionspotenzial. Sein Präsident Juan Camilo Nariño hält bis zu 4,7 Mrd. USD für neue Projekte in drei Jahren für möglich. Zusätzlich hält der Verband rund 350 Mio. USD jährlich an Explorationsinvestitionen für möglich, falls Kolumbien an Wettbewerbsfähigkeit gewinnt und Sicherheit sowie rechtliche Stabilität verbessert.

Die Rechnung geht allerdings nur auf, wenn politische Signale in verlässliche Verfahren münden. Nariño knüpft das Investitionspotenzial selbst an Sicherheit und rechtliche Stabilität. Bei Projekten wie Quebradona bleiben zudem Umweltprüfungen und der Dialog mit den Gemeinden entscheidend. Der Kurswechsel soll politische Unsicherheit verringern, während Projekt- und Genehmigungsrisiken fortbestehen.

Bleibt der neue Kurs rechtlich stabil, können Exploration und Projektentwicklung an Tempo gewinnen. Werden Konflikte lediglich verlagert, bleibt der erwartete Risikoabschlag bestehen. Ob der Neustart trägt, entscheidet sich nun daran, ob Bogotá verlässlichere Verfahren tatsächlich mit Rechtssicherheit und tragfähigen Lösungen vor Ort verbindet.