British Columbias Bergbau steht vor einem Kurswechsel

British Columbias Bergbau steht vor einem Kurswechsel picture alliance / All Canada Photos / Keith Douglas

Die Conservative Party of British Columbia (CPBC) hat die Provinzwahl gewonnen und will den Bergbau mit verbindlichen Genehmigungsfristen und zusätzlichen Steueranreizen stärken. Für zahlreiche Rohstoffprojekte verspricht das mehr Planungssicherheit. Allerdings ist die Rechtslage komplizierter, als es die Wahlversprechen vermuten lassen. Vor allem die angekündigte Aufhebung eines Gesetzes zu indigenen Rechten birgt erhebliches Konfliktpotenzial.

Bei der Wahl am vergangenen Samstag lag die Partei von Lorne Doerkson nach vorläufiger Auszählung in 63 der 93 Wahlkreise vorn. Die bislang regierende New Democratic Party (NDP) führt in 28 Wahlkreisen, die Grünen in zwei. Landesweit erhielten die Konservativen rund 48 % der Stimmen. Die endgültige Auszählung ist vom 6. bis zum 10. November vorgesehen. Der bisherige Premierminister David Eby kündigte bereits seinen Rücktritt als NDP-Vorsitzender an.

Milliardenprojekte und ihre wirtschaftliche Bedeutung

Nach Angaben des Bergbauverbands Mining Association of British Columbia (MABC) sind in der Provinz 31 neue Minen und Erweiterungen geplant. Davon entfallen 20 Vorhaben auf kritische Mineralien, darunter Rohstoffe wie Kupfer, Nickel und Seltene Erden. Sie werden unter anderem für Stromnetze, Batterien, Elektromotoren und industrielle Anlagen benötigt.

Nach einer vom Verband beauftragten Modellrechnung könnten bei vollständiger Realisierung rund 46 Mrd. CAD investiert werden. Allein während der Bauphase wäre in British Columbia und dem übrigen Kanada wirtschaftliche Aktivität von mehr als 90 Mrd. CAD möglich. Die Berechnungen beschreiben allerdings Potenziale, keine bereits zugesagten Investitionen oder garantierten Erträge.

Schon heute hängen nach MABC-Angaben mehr als 56.000 Arbeitsplätze mit dem Bergbau zusammen. Auf Bergwerke und Hüttenindustrie entfallen laut Verband zudem etwa 28 % der Warenausfuhren der Provinz. Lange Genehmigungsverfahren können deshalb weitreichende wirtschaftliche Folgen haben. Sie binden Kapital, verschieben mögliche Produktionsstarts und erschweren die Finanzierung neuer Vorhaben. Auch Lieferketten und die Beschäftigung in den betroffenen Regionen können unter solchen Verzögerungen leiden.

Neue Genehmigungsregeln bauen auf früheren Reformen auf

Das Wahlprogramm der CPBC sieht gesetzlich festgelegte Bearbeitungsfristen vor. Zudem sollen die unterschiedlichen Prüfungen eines Bergbauprojekts möglichst in einem einheitlichen Verfahren zusammengeführt werden. Vierteljährliche Fortschrittsberichte sollen den Stand der Genehmigungen nachvollziehbarer machen. Auch Betriebsgenehmigungen und Laufzeitverlängerungen bestehender Minen sollen nach verbindlicheren Zeitplänen bearbeitet werden.

Bei Explorationsvorhaben kann die neue Regierung allerdings auf bereits eingeführte Regelungen zurückgreifen. Seit April 2026 gelten die von der bisherigen NDP-Regierung eingeführten Bearbeitungsziele von 40, 90 beziehungsweise 140 Tagen, abhängig von der Komplexität des Vorhabens. Nach Angaben des Bergbauministeriums wurden bis September sämtliche Fristziele des neuen Verfahrens eingehalten. Die Konservativen wollen solche Vorgaben nun vor allem gesetzlich absichern und die Verfahren weiter vereinheitlichen.

Daneben verspricht die Partei zusätzliche steuerliche Unterstützung für die Rohstoffexploration. Der Mining Exploration Tax Credit, eine Steuergutschrift der Provinz für Ausgaben bei der Rohstoffsuche, soll ausgeweitet werden. Die reguläre Gutschrift beträgt bislang 20 % der förderfähigen Explorationsausgaben nach Abzug erhaltener Zuschüsse.

Auch auf Bundesebene strebt die Partei Änderungen an. Künftig sollen Ingenieurarbeiten und Machbarkeitsstudien unter bestimmte steuerliche Flow-through-Regelungen fallen können. Bei solchen Finanzierungsmodellen geben Rohstoffunternehmen steuerlich abzugsfähige Explorationsausgaben an ihre Investoren weiter.

Hohe Investitionen, unsichere Genehmigungen

Grundsätzlich verfügt British Columbia bereits über eine aktive Explorationsbranche. Im Jahr 2025 erreichten die entsprechenden Ausgaben nach Regierungsangaben mit rund 751 Mio. CAD einen Höchststand. Dennoch verlangen Branchenverbände mehr Planungssicherheit. Denn selbst ausreichend finanzierte Projekte können ins Stocken geraten, wenn Genehmigungsentscheidungen auf sich warten lassen oder ihr Ausgang schwer vorhersehbar ist.

Für produzierende Bergwerke und Hüttenwerke will die CPBC außerdem wettbewerbsfähige Strom- und CO₂-Kosten sicherstellen. Straßen, Bahnverbindungen und Hafenanlagen in Rohstoffregionen sollen bei Infrastrukturentscheidungen stärker berücksichtigt werden. Der Bergbauverband MABC fordert ergänzend Investitionen in die Fachkräfteausbildung und zusätzliche Mittel für die Beteiligung indigener Gemeinschaften an Projektprüfungen. Der regionale Wirtschaftsverband Greater Vancouver Board of Trade setzt sich seinerseits für weniger regulatorische Investitionshemmnisse ein. Dazu gehört auch die Forderung, bestimmte Steuerbelastungen auf Maschinen und Ausrüstung abzuschaffen.

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Streit um indigene Rechte prägt die Bergbaureform

Besonders umstritten ist die geplante Abschaffung des Declaration on the Rights of Indigenous Peoples Act (DRIPA). Das Provinzgesetz von 2019 verpflichtet British Columbia, seine Rechtsvorschriften mit der UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker in Einklang zu bringen. Die CPBC will außerdem eine ergänzende Vorschrift streichen, nach der sämtliche Provinzgesetze und Verordnungen im Einklang mit der UN-Erklärung auszulegen sind.

Der First Nations Leadership Council, ein Zusammenschluss führender indigener Organisationen, lehnt diese Pläne ab. Er betrachtet das Gesetz als wichtige Grundlage für verlässliche Beziehungen zwischen der Provinzregierung und den First Nations. Auch der Explorationsverband Association for Mineral Exploration (AME) hatte vor der Wahl lediglich Änderungen an den bestehenden Vorschriften befürwortet, nicht deren vollständige Abschaffung.

Unabhängig vom Fortbestand des DRIPA bleiben die verfassungsrechtlichen Konsultationspflichten gegenüber den First Nations bestehen. Bereits seit März 2025 müssen indigene Gemeinschaften vor der Registrierung neuer Mineral-Claims einbezogen werden. Solche Claims begründen bergrechtliche Ansprüche an bestimmten Flächen, erlauben aber noch keine Explorationsbohrungen oder den Bau einer Mine. Für Entscheidungen über entsprechende Claim-Anträge sieht die Provinz Bearbeitungsziele von 90 bis 120 Tagen vor.

Auch die rechtliche Tragweite des DRIPA ist noch nicht abschließend geklärt. Im Dezember 2025 entschied das Berufungsgericht von British Columbia, dass das Gesetz die UN-Erklärung in das Provinzrecht einbezieht und einklagbare Rechte begründet. Der Oberste Gerichtshof Kanadas ließ im Mai 2026 die Berufung der Provinz gegen dieses Urteil zu. Ob die Auslegung des Berufungsgerichts Bestand hat, ist damit weiterhin offen.

Unterschiedliche Vorteile für Entwickler und Explorer

Nach Einschätzung der Investmentfirma Red Cloud Securities könnten insbesondere Unternehmen mit großen Entwicklungsprojekten von verbindlicheren Genehmigungsfristen profitieren. Für sie wäre ein berechenbarer Zeitplan bei der Vorbereitung und Finanzierung ihrer Vorhaben von Bedeutung. Als Beispiele nennt Red Cloud den Goldprojektentwickler Seabridge Gold CA8119271028 A42AD5 mit dem Gold-Kupfer-Projekt KSM und den Goldexplorer Spanish Mountain Gold CA8464811097 A0YJQF mit seinem gleichnamigen Goldprojekt. Beide Vorhaben liegen in British Columbia.

Für Unternehmen in einer frühen Explorationsphase sind dagegen der Zugang zu neuen Flächen und die steuerliche Förderung besonders wichtig. Kürzere Genehmigungsverfahren verbessern zwar die Planbarkeit, die Finanzierung der Projekte und notwendige Vereinbarungen mit betroffenen indigenen Gemeinschaften bleiben jedoch eigenständige Aufgaben.

Die Analysten erwarten grundsätzlich eine freundlichere Stimmung unter Bergbauinvestoren. Zugleich warnen sie vor zusätzlichen Rechtsstreitigkeiten, die mögliche Vorteile kürzerer Genehmigungsfristen teilweise wieder aufzehren könnten.

Haushalt und Gesetzesvorlagen konkretisieren den Kurs

Die Association for Mineral Exploration begrüßt die angekündigten Genehmigungs- und Steuerreformen und setzt weiterhin auf frühzeitige Partnerschaften mit First Nations. Welche finanziellen Anreize die neue Regierung tatsächlich schaffen will, soll sich im ersten Haushalt zeigen.

Für Bergbauunternehmen sind darüber hinaus die konkreten Gesetzesvorlagen von Bedeutung. Sie werden festlegen, welche Bearbeitungsfristen künftig verbindlich gelten und wie die Beteiligung indigener Gemeinschaften geregelt werden soll.

Die nach vorläufigem Ergebnis absehbare parlamentarische Mehrheit bietet den Konservativen die politische Grundlage für diese Änderungen. Schnellere Produktionsstarts ergeben sich daraus allerdings erst, wenn Genehmigungen verlässlicher erteilt werden und die zugrunde liegenden Entscheidungen auch vor Gericht Bestand haben.