Neue EU-Minen brauchen langen Atem
Am vergangenen Dienstag wurde auf der sechsten Mining and Minerals Hall im spanischen Sevilla über die wirtschaftliche Umsetzung der europäischen Rohstoffstrategie diskutiert. Akteure aus Politik und Bergbauindustrie warnten, dass ambitionierte Förderziele allein nicht ausreichen, um neue Minen und Verarbeitungsanlagen entstehen zu lassen. Neben schnelleren Genehmigungen brauche es öffentliche Investitionen, Abnahmegarantien und eine stärkere Beteiligung des Staates an den wirtschaftlichen Risiken.
Die frühere spanische Außenministerin Ana Palacio forderte Europa auf, sich stärker an der amerikanischen Rohstoffpolitik zu orientieren. Der Bergbau benötige vor allem stabile Rahmenbedingungen, die über einzelne Regierungsperioden hinaus Bestand haben. Auch Mark Rachovides, ehemaliger Präsident des europäischen Bergbauverbandes Euromines, sprach sich ausdrücklich für Subventionen aus. Die USA unterstützten ihre Produzenten bereits mit Blick auf langfristige strategische Vorteile.
Zwischen politischen Zielen und wirtschaftlicher Realität
Die Europäische Union hat ihre Zielmarken längst festgelegt. Gemäß dem Critical Raw Materials Act, der EU-Verordnung zur Versorgungssicherung mit kritischen Rohstoffen, sollen bis 2030 europäische Förderkapazitäten aufgebaut werden, die mindestens 10 % des jährlichen EU-Verbrauchs abdecken können. Bei der Verarbeitung liegt der Richtwert bei 40 %, beim Recycling bei 25 %. Zugleich will die EU ihre Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern reduzieren.
Wie staatliche Unterstützung konkret aussehen kann, zeigen die Vereinigten Staaten. Dort vereinbarte das Verteidigungsministerium im vergangenen Jahr mit dem Seltene-Erden-Produzenten MP Materials US5533681012 A2QHVL eine zehnjährige Preisuntergrenze für bestimmte Rohstoffprodukte sowie langfristige Abnahmezusagen für Magnete. Solche Vereinbarungen federn wirtschaftliche Risiken ab, die private Investoren andernfalls allein tragen müssten.
Brüssel arbeitet mit dem im Dezember 2025 vorgestellten RESourceEU-Aktionsplan, einem Maßnahmenpaket zur Verringerung von Lieferabhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen, an eigenen Instrumenten. Vorgesehen sind unter anderem eine bessere Koordinierung von Investitionen, gemeinsame Rohstoffeinkäufe und die Unterstützung langfristiger Abnahmevereinbarungen.
Die Diskussion in Sevilla machte allerdings auch auf ein grundlegendes Problem aufmerksam, das selbst umfangreiche Fördermaßnahmen kurzfristig kaum lösen können: Von der ersten geologischen Untersuchung bis zum möglichen Produktionsbeginn vergehen bei Rohstoffprojekten häufig viele Jahre.
Europas Explorationslücke bleibt ein zentrales Hindernis
Besonders groß ist der Nachholbedarf bei der Suche nach neuen Lagerstätten. Einer Folgenabschätzung der Europäischen Kommission zufolge entfielen zwischen 2010 und 2022 lediglich rund 2 bis 3 % der weltweiten Explorationsausgaben auf die EU. Ein erheblicher Teil dieser Investitionen konzentrierte sich zudem auf wenige Mitgliedstaaten. Im Jahr 2019 vereinten Finnland, Schweden und Spanien etwa die Hälfte der entsprechenden europäischen Ausgaben auf sich.
Spaniens stellvertretender Generaldirektor für Bergbau, Daniel Torrejón Braojos, betonte in Sevilla deshalb die Bedeutung staatlicher Explorationsprogramme. Neue geologische Erkenntnisse könnten Unternehmen überhaupt erst dazu bewegen, vielversprechende Lagerstätten näher zu untersuchen. Schnellere Genehmigungsverfahren allein würden dagegen keine neuen Rohstoffvorkommen schaffen.
In Nordeuropa treffen etablierte Bergbautraditionen und vorhandene Infrastruktur auf Gebiete, in denen moderne Explorationsmethoden weitere Lagerstätten erschließen könnten. Das Spektrum reicht von strategisch wichtigem Kupfer bis zu Goldvorkommen, die außerhalb der spezifischen Förderziele des europäischen Rohstoffgesetzes stehen.
Arctic Minerals: Schwedische Kupfervorkommen werden genauer erkundet
Das schwedische Explorations- und Entwicklungsunternehmen Arctic Minerals SE0024172779 A411LJ arbeitet daran, die Kupferressourcen Nordeuropas weiter zu erschließen. Sein vollständig kontrolliertes Kupfer-Silber-Projekt Hennes Bay liegt in der südwestschwedischen Region Dalsland und umfasst rund 414 Quadratkilometer. Für eines der dortigen Vorkommen liegt bereits eine erste Ressourcenschätzung nach dem international anerkannten JORC-Standard vor.
Für das Teilgebiet Dingelvik weist diese eine abgeleitete Mineralressource von 55,39 Mio. Tonnen mit durchschnittlich 0,8 % Kupfer und 20,8 Gramm Silber je Tonne aus. Insgesamt entspricht dies rund 447.000 Tonnen enthaltenem Kupfer und knapp 37 Mio. Unzen Silber. Die bisherige Ressourcenschätzung erfasst allerdings nur einen Teil des mineralisierten Systems.
Wie umfangreich das Potenzial außerhalb von Dingelvik ist, untersucht Arctic Minerals mit einem mehrstufigen Bohrprogramm. Ende September veröffentlichte das Unternehmen erste Laborergebnisse aus seinem zwölf Bohrungen umfassenden Programm mit einer Gesamtlänge von 4.187 Metern. An der Lagerstätte Henneviken wurde unter anderem ein Abschnitt von 64,4 Metern mit durchschnittlich 1,3 % Kupferäquivalent durchteuft. Die Untersuchungen lieferten neue Erkenntnisse zu mehreren Zielgebieten, die bislang nicht in der Ressourcenschätzung berücksichtigt sind.
Inzwischen hat Arctic Minerals ein zweites Bohrprogramm mit geplanten 8.000 Metern in 20 Bohrlöchern begonnen. Damit sollen zusätzliche geophysikalische Anomalien untersucht werden. Parallel arbeitet das Unternehmen an einer Aktualisierung seiner Ressourcenbasis sowie an technischen und genehmigungsbezogenen Untersuchungen für die weitere Projektentwicklung.
Für diese Aktivitäten konnte Arctic Minerals im April 2026 über eine Aktienplatzierung rund 40 Mio. SEK (etwa 3,7 Mio. EUR) brutto einwerben. Das Unternehmen verfügt damit über eine bereits ausgewiesene Kupferressource, zusätzliche Explorationsziele und finanzielle Mittel für die Fortsetzung seiner Arbeiten.
Firefox Gold: Neue Goldentdeckung erweitert die Perspektiven in Lappland
Auch im finnischen Lappland wird intensiv nach neuen Lagerstätten gesucht. Dort konzentriert sich Firefox Gold CA31816R8369 A419WJ auf die Erkundung von Goldvorkommen im Central Lapland Greenstone Belt. In diesem Gesteinsgürtel sind bereits bedeutende Goldlagerstätten bekannt.
Das kanadische Unternehmen besitzt mehrere Projekte in der Region. Das wichtigste davon ist Mustajärvi, rund 18 Kilometer östlich von Kittilä. Auf der vollständig kontrollierten Fläche haben Bohrungen in mehreren Zonen Goldmineralisierungen entlang eines mehr als zwei Kilometer langen Trends nachgewiesen. Mit dem Explorationsprogramm will Firefox Gold die bekannten Vorkommen genauer abgrenzen und eine erste Ressourcenschätzung vorbereiten.
Die neu entdeckte Lammas-Zone liegt knapp einen Kilometer östlich des bislang untersuchten Haupttrends. Im September meldete Firefox Gold dort einen Bohrabschnitt von 21 Metern mit durchschnittlich 4,13 Gramm Gold je Tonne. Weitere Ergebnisse bestätigten Mitte Oktober die Goldmineralisierung entlang einer inzwischen rund 260 Meter nachgewiesenen Streichlänge. Eine der Bohrungen durchteufte 16,6 Meter mit durchschnittlich 5,83 Gramm Gold je Tonne.
Die Entdeckung eröffnet dem Unternehmen zusätzliche Explorationsmöglichkeiten außerhalb der für die erste Ressourcenschätzung vorgesehenen Kernbereiche. Mit vier bis acht weiteren Bohrungen will Firefox Gold nun die Ausdehnung und Kontinuität der Lammas-Zone überprüfen. Finanzielle Unterstützung erhielt das Arbeitsprogramm durch eine im Juni abgeschlossene Privatplatzierung über rund 6,73 Mio. CAD brutto.
Für Mustajärvi ist die erste Mineralressourcenschätzung im ersten Quartal 2027 vorgesehen. Sie soll zunächst die besser erkundeten Goldzonen erfassen. Die neuen Ergebnisse aus Lammas bieten unterdessen einen eigenständigen Ansatzpunkt für eine mögliche spätere Erweiterung der Ressourcenbasis. Über die tatsächliche Größe dieses zusätzlichen mineralisierten Bereichs sollen die nächsten Bohrungen Aufschluss geben.
Während in Sevilla über die politischen Voraussetzungen für neue Minen diskutiert wird, treiben die Unternehmen in Schweden und Finnland die Erkundung bislang wenig untersuchter Lagerstätten voran. Mit den laufenden Arbeiten wächst die geologische Wissensbasis, aus der künftig weitere europäische Rohstoffprojekte hervorgehen können.

