USA versteigern erste Tiefsee-Lizenzen
Für den nächsten Schritt im US-Tiefseebergbau steht der Termin fest. Am 19. November versteigert die Marine Minerals Administration (MMA), die US-Behörde für Meeresressourcen, zwei Lizenzgebiete vor Amerikanisch-Samoa. Zusammen umfassen sie rund 127.500 Quadratkilometer. Unternehmen erwerben damit zunächst Rechte für vorbereitende Untersuchungen. Für eine spätere Förderung ist eine gesonderte Genehmigung erforderlich.
Washington erschließt sich so eine mögliche zusätzliche Quelle strategisch wichtiger Metalle. In Knollen am Meeresboden und metallhaltigen Krusten könnten unter anderem Nickel, Kobalt und Mangan vorkommen. Diese Rohstoffe werden beispielsweise für Batterien und andere industrielle Anwendungen benötigt. Wie ergiebig die angebotenen Gebiete tatsächlich sind, geht aus der Ausschreibung allerdings nicht hervor.
Bereits im April 2025 ordnete US-Präsident Donald Trump an, die Erschließung von Tiefseerohstoffen zu beschleunigen. Ausdrücklich nannte er dabei das Ziel, die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten zu verringern. Diese Sorge reicht über den eigentlichen Bergbau hinaus. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) stammten 2025 bei wichtigen Energiemineralen im Durchschnitt 70 % der weltweit raffinierten Mengen aus dem jeweils größten Lieferland. Bei Nickel ist das Indonesien, bei den meisten anderen dieser Rohstoffe China.
Große Flächen machen Pacht langfristig teuer
Das größere der beiden Gebiete trägt die Kennung OCS-P 0568 und umfasst gut 16,3 Millionen Acres (ca. 66.100 km²), das kleinere rund 15,2 Millionen Acres (ca. 61.400 km²). Das Mindestgebot beträgt für jedes Gebiet 3 Mio. USD, die Grundlaufzeit eines Pachtvertrags liegt bei 20 Jahren. Der Zuschlagspreis ist damit lediglich der Einstieg in eine potenziell kostspielige Erschließung.
Während der ersten fünf Vertragsjahre fällt keine jährliche Flächenmiete an. Danach steigen die Pachtsätze stufenweise und richten sich auch danach, welchen Anteil der ursprünglich gepachteten Fläche ein Unternehmen behält. Bei mindestens der Hälfte beträgt die Miete ab dem sechsten Jahr 1,20 USD je Acre und Jahr. Ab dem elften Jahr werden 5 USD fällig, ab dem 16. Jahr schließlich 10 USD.
Für das größere Gebiet ergäbe sich bei unveränderter Fläche und ohne Produktionsbeginn rechnerisch zunächst eine jährliche Pacht von knapp 19,6 Mio. USD. In den letzten fünf Jahren wären es sogar rund 163 Mio. USD. Die Regelung schafft somit einen finanziellen Anreiz, aussichtsreiche Teilflächen frühzeitig auszuwählen. Wer dagegen große, wenig ergiebige Gebiete langfristig behält, trägt entsprechend höhere Fixkosten, selbst wenn sich die Förderung weiter verzögert.
Sobald die genehmigte Förderung beginnt, werden außerdem wertabhängige Abgaben fällig. Während der ersten fünf Produktionsjahre betragen sie 2 % des Produktionswerts, anschließend 5 %. Die Flächenmiete endet erst zum ersten Pachtjahrestag nach Beginn dieser Zahlungen. Für Rohstoffe aus genehmigten Erkundungs- und Testmaßnahmen gelten bereits 5 %, sofern sie verkauft oder bis zur Marktreife aufbereitet werden. Als Untergrenze gelten flächenbezogene Mindestabgaben zwischen 1,25 und 5 USD je Acre, abhängig von Förderbeginn und verbleibender Pachtfläche. Einen Erlass der Förderabgaben sieht die Behörde nicht vor.
Rohstoffzugang bleibt an Genehmigungen gebunden
Wie bedeutend die beiden Gebiete wirtschaftlich werden können, ist trotz ihrer enormen Größe vorerst schwer abzuschätzen. Mit einer Lizenz erhalten Unternehmen Zugang für weitere Untersuchungen. Um Lagerstätten genauer abzugrenzen, technische Tests durchzuführen oder Rohstoffe kommerziell abzubauen, benötigen sie jeweils zusätzliche Genehmigungen. Dabei werden auch die möglichen Eingriffe in den Meeresboden geprüft.
Wie groß die geologischen Wissenslücken sind, verdeutlichen Untersuchungen des US Geological Survey (USGS), der geologischen Bundesbehörde. Bei einer Forschungsfahrt im April 2026 wurden im Samoabecken 36 Bodenproben zur Bestimmung der Knollendichte gewonnen. Aus älteren Untersuchungen waren laut USGS lediglich zwölf Sedimentproben bekannt.
Für die Verpachtung und die vorgesehenen vorbereitenden Aktivitäten hat die MMA keine erheblichen Umweltauswirkungen festgestellt. Ein späterer industrieller Abbau ist von dieser Einschätzung ausdrücklich ausgenommen. Umweltgruppen und Meeresforscher warnen vor möglichen Schäden an den bislang wenig erforschten Tiefseeökosystemen. Auch aus dem Umfeld der örtlichen Fischerei kommen Bedenken hinsichtlich der Biotope und kulturellen Interessen.
Pulaali’i Nikolao Pula, der Gouverneur von Amerikanisch-Samoa, fordert deshalb, mögliche Fördergenehmigungen strikt von der jetzigen Verpachtung zu trennen. In seiner Stellungnahme vom September verweist er besonders auf die Bedeutung der Thunfischwirtschaft und die Belastbarkeit der örtlichen Hafenanlagen. Das Regelwerk enthält entsprechend Vorgaben und Hinweise zum Schutz bedrohter Arten, zur Kommunikation mit der Fischerei und zur Umweltüberwachung. Berücksichtigt werden auch die Unterwasserarchäologie und mögliche Einleitungen von Prozesswasser und Abbaurückständen ins Meer. Die MMA erwartet außerdem Analysen zur Ausbreitung möglicher Sedimentwolken.
Daneben sieht die Ausschreibung Vorgaben zur Beschäftigung einheimischer Arbeitskräfte, zur Beteiligung örtlicher Unternehmen und zu Investitionen in die Hafeninfrastruktur vor. Damit sollen spätere Förderprojekte Aufträge und Einkommen für Amerikanisch-Samoa schaffen.
Bei den möglichen Einnahmen für Amerikanisch-Samoa besteht zudem eine rechtliche Hürde. Nach eigener Darstellung fehlt der MMA derzeit die gesetzliche Grundlage, Pacht- und Fördererlöse mit dem Territorium zu teilen. Der Gouverneur fordert eine solche Beteiligung, die Behörde unterstützt dafür eine Gesetzesänderung.
Auktion setzt erste finanzielle Hürden
Interessierte Unternehmen müssen bereits in wenigen Tagen die erste Frist einhalten. Bis zum 29. Oktober muss das vorgeschriebene Finanzformular bei der MMA eingehen, unterschrieben auf Papier und per Post. Bieten dürfen nur Teilnehmer, deren rechtliche Berechtigung zum Erwerb solcher Pachtverträge die MMA zuvor geprüft hat. Auch die Vollmacht der handelnden Vertreter muss nachgewiesen sein. Bis zum 5. November ist außerdem eine erste Sicherheitszahlung von 600.000 USD je gewünschtem Gebiet zu leisten. Wer sich die Möglichkeit sichern will, beide Gebiete zu gewinnen, muss also insgesamt 1,2 Mio. USD hinterlegen.
Am 19. November folgt im kalifornischen Thousand Oaks die mündliche Auktion mit steigenden Geboten. Vor Ort dürfen ausschließlich die zuvor angemeldeten und von der MMA bestätigten Vertreter der qualifizierten Bieter teilnehmen. Die Veranstaltung wird jedoch öffentlich übertragen.
Für die vorläufigen Gewinner steigt die Sicherheitsleistung anschließend auf insgesamt 20 % des jeweiligen Höchstgebots. Der noch fehlende Betrag ist am ersten Geschäftstag nach der Auktion fällig. Nach Erhalt der Vertragsunterlagen haben die erfolgreichen Bieter zehn Geschäftstage Zeit, den restlichen Zuschlagsbetrag zu zahlen. Allerdings behalten sich die USA vor, Gebote zurückzuweisen. Vor der endgültigen Vergabe werden auch mögliche Wettbewerbsprobleme geprüft.
Rohstoffpolitik trifft auf lange Genehmigungsverfahren
Mit der Versteigerung will die US-Regierung zusätzliche Bezugsquellen für strategisch wichtige Metalle erschließen und die Rohstoffversorgung weniger anfällig für Störungen machen. Dafür sollen auch bislang wenig erforschte Vorkommen außerhalb der etablierten Bergbauregionen für eine mögliche spätere Förderung erkundet werden.
Nach Einschätzung der IEA wachsen die geplanten Förderkapazitäten außerhalb der dominierenden Lieferländer bei mehreren Rohstoffen schneller als die dort verfügbaren Verarbeitungsmöglichkeiten. Um aus den Tiefseevorkommen tatsächlich nutzbare Rohstoffe zu gewinnen, braucht es wirtschaftlich tragfähige Lagerstätten und geeignete Fördertechnik. Ebenso erforderlich sind ausreichende Verarbeitungskapazitäten und weitere behördliche Freigaben.

