USA stellen Tiefseebergbau-Genehmigungen in Aussicht
Die USA wollen Genehmigungen für Tiefseebergbau bereits in den kommenden Monaten voranbringen. Beim G20-Energieministertreffen in Houston stellte Innenminister Doug Burgum am Montag entsprechende Entscheidungen in Aussicht.
Washington verkürzt die Genehmigungswege
Seit US-Präsident Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus geht die Regierung bei dem jungen Industriezweig offensiver vor. Washington will den Zugriff auf kritische Rohstoffe stärken und verbindet das Vorhaben ausdrücklich mit Versorgungssicherheit, industrieller Stärke und geringerer Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten.
Operative Genehmigungen für kommerziellen Tiefseebergbau wurden allerdings bislang noch nicht erteilt. Burgum sagte, die Gespräche liefen bereits und weitere Entwicklungen seien in den kommenden Wochen und Monaten zu erwarten.
Präsidialerlass beschleunigt das NOAA-Verfahren
Den politischen Auftrag dafür gab der Präsident im April vergangenen Jahres. Er wies das Handelsministerium per Präsidialerlass an, die Verfahren für Tiefsee-Lizenzen außerhalb nationaler Hoheitsgebiete zu beschleunigen. Zuständig dafür ist die dem Ministerium angeschlossene National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). Nach dem US-Tiefseegesetz prüft sie Anträge US-amerikanischer Unternehmen und entscheidet über Erkundungslizenzen und kommerzielle Fördergenehmigungen.
NOAA änderte daraufhin im Januar 2026 sein Genehmigungsverfahren. Seitdem können Unternehmen Erkundungslizenz und kommerzielle Fördergenehmigung zeitgleich beantragen, statt beide Schritte zwingend nacheinander zu durchlaufen. Nach NOAAs Regulierungsanalyse lassen sich gegenüber dem früheren Ablauf rund 100 Tage Wartezeit einsparen.
Polymetallische Knollen auf dem Meeresboden enthalten unter anderem Mangan, Nickel, Kobalt und Kupfer. Diese Metalle werden für Batterien, Elektronik, industrielle Anwendungen und Rüstungsgüter benötigt.
Bei Mangan waren die USA 2025 nach Angaben des U.S. Geological Survey rechnerisch vollständig auf Nettoimporte angewiesen. Für 14 von 33 besonders importabhängigen kritischen Mineralien blieb China eine wichtige Bezugsquelle der Vereinigten Staaten. Zusätzliche Rohstoffquellen für US-Lieferketten erhalten dadurch strategisches Gewicht, auch wenn sie bestehende Lieferketten nicht kurzfristig ersetzen.
Zwei US-Wege führen zu Rohstoffen vom Meeresboden
Für Rohstoffprojekte auf dem äußeren US-Festlandsockel gilt ein anderer Rechtsweg als für internationale Tiefseegebiete. Im April 2026 begann das Innenministerium, die Marine Minerals Administration (MMA) schrittweise aufzubauen und darin Funktionen zweier bestehender Offshore-Behörden zusammenzuführen. Die neue Behörde soll Leasing, Genehmigungen, Sicherheitsaufsicht, Inspektionen und Umweltaufsicht bündeln.
Jenseits nationaler Hoheitsgebiete liegt das US-Verfahren bei NOAA. Grundlage ist der Deep Seabed Hard Mineral Resources Act von 1980. Das Gesetz erlaubt US-Unternehmen Anträge auf Erkundung und kommerzielle Förderung polymetallischer Knollen in internationalen Meeresgebieten.
US-Sonderweg trifft auf das internationale Seerechtsregime
Diese Konstruktion ist völkerrechtlich heikel. Die USA sind dem UN-Seerechtsübereinkommen nicht beigetreten und stützen sich deshalb auf eigenes Recht. Für Vertragsstaaten reguliert die Internationale Meeresbodenbehörde ISA unter dem UN-Seerechtsübereinkommen Rohstoffaktivitäten auf dem internationalen Meeresboden.
Die ISA hat ihre Regeln für kommerzielle Förderung bis September 2026 noch nicht verabschiedet. Auch nach den Beratungen im Juli laufen Verhandlungen über Umweltstandards, Kontrollen, Zahlungsmechanismen und weitere offene Punkte weiter. Eine US-Genehmigung außerhalb dieses multilateralen Systems könnte den bestehenden Zuständigkeitskonflikt verschärfen.
The Metals Company wird zum ersten großen Praxistest
Im neuen US-Verfahren ist der kanadische Tiefseebergbau-Entwickler The Metals Company CA87261Y1060 A3C20W bereits weit vorangekommen. Seine US-Tochter beantragte eine kombinierte Erkundungslizenz und kommerzielle Fördergenehmigung für die Clarion-Clipperton-Zone im zentralen Pazifik.
NOAA bezeichnet das Verfahren als ersten Antrag auf eine kommerzielle Tiefsee-Fördergenehmigung nach dem Deep Seabed Hard Mineral Resources Act. Die Behörde veröffentlichte den konsolidierten Antrag am 19. August 2026. Bis zum 19. Oktober kann die Öffentlichkeit schriftlich Stellung nehmen. Für den 13. Oktober ist eine virtuelle Anhörung angesetzt, bei der registrierte Teilnehmer mündliche Stellungnahmen abgeben können.
Eine kommerzielle Fördergenehmigung nach diesem Gesetz hat NOAA bislang nicht erteilt. Der Antrag von The Metals Company befindet sich also weiter im Prüfverfahren. Für Innenminister Burgums Zeitplan kommt es nun darauf an, wie schnell Umweltprüfung, öffentliche Beteiligung und technische Prüfung vorankommen.
Weitere Unternehmen haben ebenfalls in den USA Erkundungslizenzen beantragt. Der Kreis möglicher Betreiber wächst, doch zwischen politischer Beschleunigung und tatsächlicher Förderung liegt weiterhin ein vollständiges Genehmigungsverfahren.
Ökologisches Risiko bleibt der härteste Prüfstein
Der wirtschaftliche Reiz der Knollen liegt in ihrer Position direkt auf dem Meeresboden. Anders als klassische Erzlagerstätten müssen sie nicht aus festem Gestein herausgebrochen werden. Dennoch ist die Gewinnung technisch aufwendig und ökologisch umstritten.
Umweltgruppen warnen vor dauerhaften Schäden an Lebensräumen und Artenvielfalt in weitgehend unerforschten Tiefseeökosystemen. NOAA nennt besonders Störungen des Meeresbodens und Sedimentfahnen als mögliche Belastungen für marine Ökosysteme. Die Behörde betont zugleich, dass Reichweite, Dauer und Folgen solcher Effekte wissenschaftlich noch nicht ausreichend bekannt sind.
Diese Unsicherheit erschwert eine schnelle Freigabe. Politisch hat Washington den Kurs längst gesetzt, regulatorisch wurde der Weg verkürzt. Aber ob daraus binnen Monaten Genehmigungen entstehen, hängt von Prüfungen ab, die sich nicht allein per Dekret beschleunigen lassen. Bleiben Umweltfragen oder Rechtskonflikte ungelöst, bleibt der Meeresboden vorerst eine strategische Reserve mit offenem Förderdatum.

