USA setzen auf Tiefseebergbau als Antwort auf Importabhängigkeit
Die US-Regierung treibt den Tiefseebergbau als industriepolitisches Kernvorhaben voran. Mindestens neun Unternehmen führen nach Informationen von Bloomberg und der Associated Press bereits Gespräche mit US-Behörden über Lizenzen zur Rohstoffgewinnung am Meeresgrund. Erste Genehmigungsverfahren für Gebiete zwischen Amerikanisch-Samoa und Alaska sollen in den kommenden Monaten anlaufen.
Die politische Grundlage legte die aktuelle US-Regierung mit einem Dekret vom 24. April 2025. Begründet wurde es mit nationaler Sicherheit und wirtschaftlicher Resilienz – und erklärte die Unabhängigkeit von ausländischen Rohstofflieferanten zum strategischen Ziel.
Zwei Behörden, ein beschleunigter Kurs
Die Umsetzung liegt bei zwei Bundesbehörden. Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) ist für Gebiete außerhalb nationaler Hoheitsgewässer zuständig; das Bureau of Ocean Energy Management (BOEM) verwaltet die Vergabe von Abbauflächen auf dem äußeren Festlandsockel. Beide Institutionen haben bislang kein kommerzielles Tiefseeprojekt genehmigt.
Das ändert sich nun schrittweise. Die NOAA veröffentlichte am 21. Januar 2026 neue Richtlinien, die Explorationslizenzen durch gebündelte Prüfverfahren schneller vergeben sollen. Das BOEM prüft eine Pachtrunde vor der Küste Alaskas, legt erste Abbauflächen bei Amerikanisch-Samoa fest und konkretisiert Pläne für die Nördlichen Marianen. Aus politischer Absicht wird damit allmählich operative Realität.
Pioniere unter Kapitaldruck
Als Vorreiter der Branche gilt das kanadische Unternehmen The Metals Company CA87261Y1060 A3C20W. Es förderte 2022 im Testbetrieb rund 3.000 Tonnen polymetallischer Knollen und strebt nun den kommerziellen Abbau an. Bloomberg berichtet, das Unternehmen habe seit 2024 knapp 800.000 US-Dollar für Lobbyarbeit aufgewendet.
Daneben positioniert sich das US-amerikanische Unternehmen Odyssey Marine Exploration US6761182012 A2AEZV neu. Historisch auf die Bergung von Schiffswracks spezialisiert, richtet es sich nun auf Offshore-Mineralien aus – ein Hinweis auf die Anziehungskraft des politisch geförderten Sektors.
Lieferkette bleibt das Nadelöhr
Die wirtschaftliche Kalkulation der Branche weist jedoch Lücken auf. Selbst bei zügiger Genehmigung fehlt den USA eine belastbare heimische Verarbeitungsinfrastruktur für kritische Mineralien. Die geförderten Knollen enthalten Mangan, Kupfer, Nickel, Kobalt sowie Seltene Erden – Rohstoffe, deren Weiterverarbeitung bislang weitgehend im Ausland erfolgt. Das Energieministerium stellte im März 2026 bis zu 500 Millionen US-Dollar in Aussicht, um inländische Kapazitäten auf- und auszubauen.
Hinzu kommt ein ungeklärter Regelrahmen auf internationaler Ebene. Die Internationale Meeresbodenbehörde verhandelt weiter an einem globalen Kodex für den kommerziellen Tiefseeabbau, ohne bislang zu einem Abschluss zu kommen. Der US-Vorstoß schafft Fakten – und verschärft zugleich die Spannung zwischen nationalem Tempo und internationaler Ordnung.
Washington kann Verfahren straffen und Unternehmen in Stellung bringen. Ob daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entsteht, hängt von der Bewältigung technischer, ökologischer und logistischer Herausforderungen ab. Eine etablierte Industrie gibt es noch nicht. Das Vorhaben bleibt ein industriepolitisches Experiment mit offenem Ausgang.

