Australischer Rohstoffmix wird zum Puffer gegen Krisen

Australischer Rohstoffmix wird zum Puffer gegen Krisen Eddie Mark Blair / Unsplash

Trotz des unsicheren Weltmarktumfelds haben sich die Erlösaussichten für den Rohstoff- und Energiesektor verbessert. Für 2026/27 veranschlagt die September-Ausgabe des australischen Regierungsberichts Resources and Energy Quarterly (REQ) Einnahmen von 422 Mrd. AUD. Das sind 19 Mrd. AUD mehr als im Vorjahr. Gegenüber der Prognose vom Juni steigt die Erwartung um weitere sechs Milliarden AUD.

KI und Energiewende verschieben die Nachfrage

Hinter dem Plus stehen mehrere Kräfte zugleich. Globale Investitionen in künstliche Intelligenz erhöhen den Bedarf an Rechenzentren und Stromnetzen. Parallel lässt die Energiewende die Nachfrage nach Metallen und kritischen Mineralien wachsen. Davon profitiert besonders Kupfer. Die Exporterlöse sollen von 14 Mrd. AUD im Jahr 2025/26 bis 2030/31 auf real 19 Mrd. AUD steigen.

Wie angespannt der Markt ist, zeigt die Preisentwicklung: Anfang September 2026 stieg der LME-Kupferpreis auf mehr als 14.700 USD je Tonne und damit auf ein Rekordniveau. Zu den Preistreibern zählten hohe US-Importe im Vorfeld erwarteter Zölle und ein knappes Angebot an Kupferkonzentrat. Minenstörungen und ein Exportverbot der Demokratischen Republik Kongo verschärften diese Knappheit.

Über die aktuelle Preisspitze hinaus erwartet der REQ bis 2031 eine starke Kupfernachfrage aus Energietechnik, Rechenzentren und dem Ausbau der Strominfrastruktur. Das Angebot soll nur schrittweise wachsen, weil Minenstörungen, Lieferkettenprobleme und Verzögerungen bei neuen Projekten den Ausbau bremsen.

Kritische Mineralien legen deutlich zu

Bei kritischen Mineralien wie Lithium und Seltenen Erden fällt der Sprung zunächst noch deutlicher aus. Ihre Erlöse sollen 2026/27 rund 26 Mrd. AUD erreichen, nach etwa 17 Mrd. AUD im Vorjahr. Bis 2030/31 erwartet der REQ real wieder etwa 22 Mrd. AUD.

Lithium bleibt dabei der wichtigste Einzelposten. Für 2026/27 werden nach rund zehn Milliarden AUD im Vorjahr Erlöse von 17 Mrd. AUD veranschlagt. Für 2030/31 nennt der REQ rund 13,6 Mrd. AUD in realen Preisen. Bei der weltweiten Lithiumnachfrage geht der Bericht bis 2031 von einem jährlichen Wachstum von mehr als elf Prozent aus, vor allem durch Elektroautos und Batteriespeicher.

Der Markt bleibt dennoch widersprüchlich. Für das globale Lithiumangebot liegt die Wachstumsprognose bis 2031 bei rund 7,3 % pro Jahr. Kurzfristig erwartet der REQ weiterhin ein Überangebot, bevor sich Angebot und Nachfrage gegen Ende des Prognosezeitraums wieder annähern.

Energiepreise stützen nächsten Erlössprung

Zu den langfristigen Nachfragetrends kommt ein kurzfristiger Preisschub aus den Energiemärkten. Der Konflikt im Nahen Osten stört Lieferketten, erhöht Preise und Kosten und verändert damit Australiens Exportrechnung.

Bei Flüssigerdgas werden 2026/27 Erlöse von 70 Mrd. AUD erwartet. Im Vorjahr waren es 57 Mrd. AUD. Höhere Preise gleichen den Druck aus einem insgesamt schwierigeren Marktumfeld aus. Im September lagen LNG-Spotpreise zeitweise über 25 USD je MMBtu. Bis 2031 rechnet der REQ wieder mit rund 8,50 USD, sofern das US-Angebot wächst und sich die Produktion in Katar erholt.

Diese Preiswirkung macht die Prognose allerdings empfindlich. Maßgeblich bleibt, wann der Verkehr auf wichtigen Schifffahrtsrouten wieder ohne die derzeitigen Einschränkungen möglich ist. Ebenso offen ist, wie schnell beschädigte Anlagen im Nahen Osten repariert und erneut in Betrieb genommen werden.

Die zentrale Prognose unterstellt, dass genügend globales Öl verfügbar bleibt und sich die Exportströme aus dem Nahen Osten schrittweise erholen. Bei länger anhaltenden Störungen wären höhere australische Energieerlöse möglich, zugleich würden steigende Preise die globale Nachfrage bremsen.

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Eisenerz und Gold verlieren an Exportgewicht

Nicht alle großen Exportgüter liefern zusätzlichen Schub. Eisenerz bleibt zwar Australiens wertvollster Rohstoffexport, doch die Einnahmen sollen 2026/27 auf 107 Mrd. AUD sinken. Im Vorjahr waren noch 123 Mrd. AUD erzielt worden.

Hinter dem Preisdruck stehen schwächere saisonale Bautätigkeit, niedrige Stahlmargen und hohe Eisenerzbestände in chinesischen Häfen. Gleichzeitig kommt zusätzliches Angebot aus dem Großprojekt Simandou in Guinea auf den Weltmarkt. Nach dem vollständigen Hochlauf können SimFer und Winning Consortium Simandou zusammen bis zu 120 Mio. Tonnen Eisenerz pro Jahr über die gemeinsame Infrastruktur exportieren. Rio Tinto GB0007188757 852147 ist über SimFer an den Blöcken 3 und 4 beteiligt, deren Mine auf 60 Mio. Tonnen Jahreskapazität ausgelegt ist. Bis 2030/31 rechnet der REQ real nur noch mit 79 Mrd. AUD. Damit verliert der wichtigste Rohstoffposten deutlich an Ertragskraft, obwohl seine wirtschaftliche Bedeutung hoch bleibt.

Auch Gold dürfte nachgeben. Auf fast 72 Mrd. AUD im Jahr 2025/26 sollen 2026/27 rund 68 Mrd. AUD folgen. Für 2030/31 werden real 61 Mrd. AUD erwartet.

Trotz des Rückgangs soll Gold in den folgenden Jahren LNG überholen und zum zweitgrößten australischen Ressourcenexport nach Eisenerz werden. Für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet der REQ eine weiterhin feste Goldnachfrage, da Anleger sichere Häfen und Alternativen zum US-Dollar suchen. Über den weiteren Prognosezeitraum soll die Nachfrage weitgehend stabil bleiben. Steigende Exportmengen können den erwarteten Rückgang der Goldpreise dabei nur teilweise ausgleichen.

Die einzelnen Rohstoffgruppen entwickeln sich damit sehr unterschiedlich. Klassische Schwergewichte schwächeln, während Energie und Zukunftsmetalle zeitweise zusätzliche Erlöse liefern.

Nach dem Hoch setzt Normalisierung ein

Das derzeit hohe Erlösniveau dürfte jedoch nicht von Dauer sein. Für 2027/28 rechnet der September-REQ mit einem Rückgang der gesamten Ressourcen- und Energieexporte auf 391 Mrd. AUD. Für 2030/31 veranschlagt er nominal 379 Mrd. AUD. Der Prognose liegt zugrunde, dass sich Rohstoffpreise normalisieren, das globale Angebot erholt und Störungen im Seeverkehr nachlassen. Der aktuelle Erlössprung wäre damit eher ein Zwischenhoch als ein neuer Dauerzustand.

Auch bei sinkenden Erlösen bleibt die Branche für den australischen Außenhandel von zentraler Bedeutung. Ressourcen und Energie stehen für rund zwei Drittel der gesamten Warenexporte des Landes. Selbst sinkende Einzelpreise ändern daran kurzfristig wenig.

Für die australische Wirtschaft liegt die Stärke vorerst im breiten Rohstoffmix, der die Risiken über Energie, Metalle und kritische Mineralien verteilt. Diese Diversifikation gewinnt an Wert, solange Weltmärkte, Lieferketten und Investitionstrends gleichzeitig in Bewegung bleiben.