Vom Erz zur Wertschöpfung: UN startet neue Rohstoffhilfe
Die Vereinten Nationen wollen Länder mit großen Vorkommen kritischer Mineralien stärker an deren Wertschöpfung beteiligen. Am vergangenen Mittwoch kündigten sie dafür ein Länderprogramm an, das Fachwissen verschiedener UN-Organisationen für die Teilnehmerländer bündelt. Beratung, institutioneller Aufbau und Industrieentwicklung sollen helfen, mehr Verarbeitung und Beschäftigung in den Förderländern zu verankern.
Die ersten Partnerländer sind Guinea, Indonesien, Madagaskar, Nigeria, Sambia und Simbabwe. Für die Umsetzung sind federführend das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und das UN Development Coordination Office zuständig. Das Koordinierungsbüro unterstützt die UN-Länderkoordinatoren und bündelt die Entwicklungsarbeit der Vereinten Nationen vor Ort. UN-Generalsekretär António Guterres will erreichen, dass Förderländer stärker von der wachsenden Nachfrage profitieren.
Die Vorarbeiten reichen bis Ende 2025 zurück. Im Dezember startete die UN ihre Taskforce für kritische Energiewendemetalle und machte länderspezifische Unterstützung zu einer ihrer ersten Prioritäten. Die konkrete Vorstellung des Länderprogramms folgte nun anlässlich des UN-Klimagipfels in New York.
Mehr Wertschöpfung soll in den Förderländern entstehen
Das Programm setzt an einem strukturellen Problem vieler Rohstoffökonomien an. Zwischen 2022 und 2024 waren 94 von 143 Entwicklungsländern weiterhin stark von Rohstoffexporten abhängig. Die UN-Handels- und Entwicklungsorganisation UNCTAD definiert diese Abhängigkeit als mehr als 60 % Rohstoffanteil an den Warenexporten.
Bei kritischen Mineralien verschärft die industrielle Struktur das Problem. Viele Förderländer liefern Rohstoffe, während Verarbeitung und weitere Wertschöpfung anderswo stattfinden. UNCTAD zählt 58 neue Rohstoffpartnerschaften seit 2022. Abkommen mit Entwicklungsländern konzentrieren sich laut Organisation jedoch häufiger auf Förderung als auf lokale Wertschöpfung.
Das Programm startet in einer Phase stark steigender Nachfrage. Die Internationale Energieagentur IEA erwartet in ihrem Szenario auf Basis bestehender und bereits angekündigter politischer Maßnahmen bis 2040 eine nahezu verdoppelte Nachfrage nach wichtigen kritischen Mineralien. Die Nachfrage nach Lithium steigt dabei prozentual am stärksten, während Kupfer mengenmäßig den größten zusätzlichen Bedarf verzeichnet.
Verarbeitung bleibt schwer zu diversifizieren
Wachsende Nachfrage führt allerdings nicht zwangsläufig zu mehr Industrie in den Förderländern. Verarbeitung und Raffination sind weltweit stärker konzentriert als viele Bergbauaktivitäten. Ohne Seltene Erden lag der Anteil des jeweils größten Raffinierungslandes 2025 im Durchschnitt bei rund 70 %. Bei Nickel ist Indonesien führend, bei den übrigen zentralen Energiemineralien China.
Neue Standorte müssen zudem einen Kostennachteil überwinden. Laut IEA liegen Investitionskosten neuer Raffinationsprojekte außerhalb des dominierenden Anbieters 20 bis über 150 % über dessen Niveau. Bei den laufenden Kosten beträgt der Abstand im Durchschnitt rund 50 %.
Zu den Nachteilen gehören teurere Ausrüstung und Bauleistungen, Infrastrukturdefizite, Energiekosten sowie fehlende Fachkräfte und technische Fähigkeiten. Das Länderprogramm soll solche Hürden mit institutioneller und technischer Unterstützung verkleinern.
Die konkrete Hilfe soll sich jeweils an den Prioritäten jedes Landes orientieren. Geplant sind Unterstützung für Regulierung, industrielle Entwicklung, Investitionsstrategien sowie Umwelt- und Sozialstandards. Fünf Fachgruppen bearbeiten Wertschöpfung und Diversifizierung, Rückverfolgbarkeit und Transparenz, Bergbaualtlasten, Kleinbergbau sowie Materialeffizienz und Kreislaufwirtschaft.
Das Länderprogramm bündelt dafür drei operative Angebote. Vorgesehen sind ein Pool von UN-Fachleuten, schnelle Unterstützung für Regierungen und eine enge Koordination mit UN-Länderteams. Die veröffentlichten Funktionsbeschreibungen stellen damit Beratung und Koordination in den Vordergrund.
Sechs Länder werden zum Test für den UN-Ansatz
In den sechs Startländern geht das Programm nun in die Umsetzung. Je nach nationaler Priorität kann es um Verarbeitung, bessere Regulierung oder die Vorbereitung finanzierbarer Projekte gehen. UN-Länderkoordinatoren sollen Regierungen, Fachorganisationen, Finanzinstitutionen und weitere Partner zusammenbringen.
Für die Finanzierbarkeit eines Industrieprojekts zählen neben dem Rohstoffvorkommen verlässliche Regeln, Infrastruktur, Fachkräfte und ein tragfähiges Geschäftsmodell. Dieselben Faktoren bestimmen, ob sich eine breitere Wertschöpfungskette entwickeln kann.
Der Ansatz gehört zu einer größeren UN-Rohstoffagenda mit sieben Leitprinzipien und fünf Handlungsempfehlungen. Sie verbindet industrielle Entwicklung mit Umweltstandards, Menschenrechten und verantwortlicher Beschaffung.
Zusätzliche Raffinerien, Zulieferer und private Investitionen hängen dennoch von der Umsetzung vor Ort ab. Die UN kann Regierungen bei besseren Rahmenbedingungen und der Vorbereitung von Projekten unterstützen. Kapital und Infrastruktur bleiben dafür eigenständige Voraussetzungen. Für die sechs Partnerländer beginnt damit die Umsetzungsphase: Aus Rohstoffreichtum soll dauerhaft mehr wirtschaftliche Aktivität im eigenen Land entstehen.

