Exportverdacht trifft Indonesiens Nickelmodell an sensibler Stelle
Indonesiens Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Ceria Nugraha Indotama (CNI), einen Nickelproduzenten und -verarbeiter in der indonesischen Provinz Südostsulawesi. Untersucht werden mutmaßlich rechtswidrige Nickelexporte, bei denen unter anderem Nickelgehalte manipuliert worden sein sollen. Die staatliche Finanz- und Entwicklungsaufsicht BPKP beziffert den finanziellen Schaden auf 401,65 Milliarden Rupiah (ca. 22,6 Millionen USD).
Das förmliche Ermittlungsverfahren läuft seit dem 10. April 2025. Am 31. August 2026 informierte die Generalstaatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz nun über den Stand der Ermittlungen.
Entscheidend war der Grenzwert
Die Untersuchung umfasst Vorgänge von 2017 bis 2020. Damals verfügte CNI über eine Bergbaulizenz für den Produktionsbetrieb. Für die betreffenden Exporte fehlte laut Staatsanwaltschaft jedoch der genehmigte jährliche Arbeits- und Budgetplan, den die 2017 eingeführten Regeln für eine Exportempfehlung voraussetzten. Trotzdem erhielt CNI eine solche Empfehlung. Zusätzlich verlangten die Vorschriften Nachweise über Bau und Fortschritt einer heimischen Schmelzanlage.
Nickelerz unter 1,7 % durfte nur exportiert werden, wenn der heimische Bedarf gedeckt war und weitere Bedingungen erfüllt wurden. Ermittler vermuten, dass CNI mit Hilfe von Amtsträgern Prüfergebnisse so beeinflusste, dass Nickelgehalte unter dem Grenzwert ausgewiesen wurden. Nach Darstellung der Behörde kamen außerdem ungültige Dokumente zum Einsatz.
Exportregeln sollten heimische Verarbeitung stärken
Das temporäre Exportfenster gehörte zu einer Industriepolitik, die Rohstoffausfuhren an den Aufbau heimischer Verarbeitung koppelte. Das Energieministerium erklärte im Juli 2017, die Erlöse sollten Unternehmen beim Bau von Schmelzanlagen finanziell unterstützen. Zum 1. Januar 2020 beendete Indonesien diese Ausfuhrmöglichkeit für Nickelerz vollständig. Die Regierung begründete den Schritt mit dem Ausbau der heimischen Verhüttung und einer höheren inländischen Wertschöpfung.
Während der Ermittlungen wurden 116 Zeugen und drei Sachverständige befragt. Zudem beschlagnahmten die Ermittler 143 Dokumente und durchsuchten mehrere Standorte in Südostsulawesi, Südsulawesi und Jakarta. Wer strafrechtlich verantwortlich ist, steht noch nicht fest.
CNI übergab den Betrag am 28. August 2026 den Ermittlern, die ihn anschließend beschlagnahmten. Die Mittel liegen inzwischen auf einem staatlichen Sonderkonto.
Der Fall hat über CNI hinaus Bedeutung
Zusätzliches Gewicht erhält der Fall durch die Rolle von CNI in Indonesiens Nickelstrategie. Ein Nickelverarbeitungsprojekt des Unternehmens wurde unter dem früheren Präsidenten Joko Widodo als nationales strategisches Projekt eingestuft. Für Cerias damals geplante Nickelverarbeitungsanlagen insgesamt wurden 2022 Investitionen von 2,2 Milliarden USD genannt. Die Größenordnung zeigt, welche wirtschaftspolitische Bedeutung dem Vorhaben zugemessen wurde.
Das Energieministerium bestätigte 2024, dass die Schmelzanlage von CNI zu Indonesiens nationalen strategischen Projekten zählt. Damit stuft die Regierung das Vorhaben als wirtschaftlich besonders wichtig ein und will seine Umsetzung beschleunigen. Die erste RKEF-Ofenlinie nahm im April 2025 die Ferronickelproduktion auf. Drei weitere Linien sind vorgesehen. Zusammen sollen die vier Linien eine Kapazität von 252.700 Tonnen Ferronickel pro Jahr erreichen. Die Anlage ist damit Teil der staatlichen Strategie, mehr Nickel im eigenen Land weiterzuverarbeiten.
Nach Angaben der US-Geologiebehörde USGS stammten 2024 rund 62 % der weltweiten Nickelminenproduktion aus Indonesien. Fragen zur Exportaufsicht betreffen daher einen Rohstoffsektor, dessen Gewicht weit über den Binnenmarkt hinausreicht.
Für den CNI-Fall ist nun entscheidend, wer Exportempfehlungen ermöglichte, Prüfergebnisse beeinflusste und ungültige Dokumente verantwortete. Die Rückführung des Geldes gleicht die von BPKP bezifferte Summe aus. Die strafrechtliche Aufarbeitung dauert jedoch an.

