Mehrere Rohstoffunternehmen interessieren sich für Rio Tintos Lithiummine
Der Verkaufsprozess für die stillgelegte Lithiummine Mt Cattlin in Westaustralien wird konkreter. Die Tageszeitung The Australian nennt den australischen Bergbaukonzern Develop Global AU0000179707 A3C45W, den australischen Lithiumentwickler Delta Lithium AU0000276495 A3EE4G und den Lithiumproduzenten Core Lithium AU000000CXO2 A0YJ93 als mögliche Käufer. Eigentümer der Mine ist der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto GB0007188757 852147.
Rio Tinto selbst hatte einen möglichen Verkauf von Mt Cattlin bereits Ende Juli öffentlich signalisiert. Die Investmentbank Macquarie Capital berät Rio Tinto beim Verkauf. Zu den nun genannten möglichen Käufern hat der Konzern bislang keine öffentliche Stellungnahme abgegeben.
Aufbereitung und Reserven eröffnen Neustartoption
Mt Cattlin liegt rund zwei Kilometer nördlich von Ravensthorpe im Süden des Bundesstaates Westaustralien. Rio Tinto hatte das Bergwerk erst im März 2025 mit dem Kauf von Arcadium Lithium für insgesamt 6,7 Mrd. USD übernommen.
Schon vor dem Eigentümerwechsel war die Zukunft des Betriebs offen. Wegen niedriger Spodumenpreise stoppte Arcadium im September 2024 weitere Ausbauarbeiten. Nach dem Ende des dritten Abbauabschnitts im Januar 2025 wechselte Mt Cattlin zum 1. Juli vollständig in den Erhaltungsbetrieb.
Ein späterer Neustart bleibt grundsätzlich möglich. Die Aufbereitung kann nominell bis zu 1,8 Mio. Tonnen Erz jährlich verarbeiten. Rio Tinto hält die vorhandene Infrastruktur für die geplanten Abbaumethoden weiterhin für geeignet. Die nötigen Investitionen für eine Fortführung des Tagebaus stuft der Konzern als vergleichsweise gering ein.
Auch wirtschaftlich ist der verbliebene Tagebau weiterhin relevant. Rio Tinto weist dafür 2,3 Millionen Tonnen Erzreserven mit durchschnittlich 1,10 % Lithiumoxid aus. Hinzu kommen 11,3 Mio. Tonnen Mineralressourcen außerhalb der Reserven mit durchschnittlich 1,35 % Lithiumoxid.
Unter den langfristigen Preisannahmen von Rio Tinto erzielt die Reservenplanung einen positiven Kapitalwert über verschiedene Preis-, Kosten- und Produktivitätsszenarien. Ein Neustart muss sich dennoch unter den jeweils aktuellen Marktbedingungen rechnen. Für den Käufer bleiben deshalb Preisentwicklung, Abbaukosten und erreichbare Ausbeute entscheidende Kriterien. Zusätzliche Perspektive bietet die laufende Untersuchung eines Untertageabbaus. Sie soll klären, ob tiefer liegende Teile der Lagerstätte wirtschaftlich erschlossen werden können. Der überwiegend aus der Zeit unter früheren Eigentümern stammende Bohrdatenbestand weist mineralisierte Pegmatite bis in rund 180 Meter Tiefe nach. Rio Tinto ordnet diesen Nachweis keinem neuen eigenen Bohrprogramm zu.
Lithiumpreis hilft, Marktrisiko bleibt
Für einen möglichen Verkauf sind die Marktbedingungen zurzeit günstiger als bei der Stilllegung. Das australische Wirtschafts- und Rohstoffministerium berichtet von einem kräftigen Anstieg der Lithiumpreise seit Mitte 2025. Als Gründe nennt die Behörde Angebotsausfälle in China und Simbabwe sowie eine robuste Nachfrage entlang der Lieferkette. Für 2026/27 erwartet die Behörde real gerechnete australische Lithiumexporterlöse von 12,5 Mrd. AUD nach 9,9 Mrd. AUD im Vorjahr. Zugleich bleibt der Markt anfällig für erneuten Preisdruck.
Weltweit soll die Lithiumnachfrage bis 2031 um mehr als elf Prozent jährlich wachsen, das Angebot um rund zehn Prozent. Trotzdem erwartet die Behörde zunächst weiter ein Überangebot und erst gegen 2030 eine Rückkehr zum Marktgleichgewicht.
Für Kaufinteressenten entsteht daraus ein komplexes Bild. Höhere Preise verbessern grundsätzlich die Chancen eines Neustarts, zusätzliches Angebot kann den Markt jedoch erneut belasten. Für Mt Cattlin zählen deshalb dauerhaft tragfähige Margen mehr als ein kurzfristiger Anstieg der Lithiumpreise.
Der Verkauf passt in Rios straffere Kapitalpolitik
Für Rio Tinto wäre der Verkauf der Mine auch Teil einer breiteren Portfoliobereinigung. Der Konzern will zwischen fünf und zehn Milliarden USD aus seiner bestehenden Vermögensbasis freisetzen. Dazu zählen Portfoliomaßnahmen, Infrastrukturtransaktionen und weitere Formen der Monetarisierung.
Die Wachstumspläne für Lithium verfolgt Rio Tinto dennoch weiter. Bis 2028 strebt der Konzern rund 200.000 Tonnen jährliche Kapazität auf Basis von Lithiumkarbonat-Äquivalent an. Zusätzliches Kapital für Lithiumprojekte will Rio nur einsetzen, wenn Marktbedingungen und Renditeaussichten dies stützen. Ein Verkauf von Mt Cattlin wäre daher eher eine Bereinigung innerhalb eines deutlich größeren Lithiumportfolios als ein Rückzug aus dem Rohstoff. Für Rio Tinto geht es damit vor allem darum, Kapital auf die aussichtsreicheren Teile des Portfolios zu konzentrieren.
