USA prüfen Jahrhundert-Pacht für Venezuelas Ölfelder

USA prüfen Jahrhundert-Pacht für Venezuelas Ölfelder Getty Images / Unsplash+

Die US-Regierung verhandeln mit Venezuela über einen weitreichenden Einstieg in mehrere Ölfelder. Als mögliches Modell wird nach Angaben von Personen mit Einblick in die Gespräche sogar eine Pacht über 100 Jahre erwogen. Festgelegt ist das Modell bislang allerdings nicht.

Nach der Festnahme Nicolás Maduros durch US-Streitkräfte führt Delcy Rodríguez die Regierung in Caracas. Washington kontrolliert seither venezolanische Ölverkäufe und lockert Sanktionen, um US-Unternehmen Geschäfte im Land zu ermöglichen. Der Ölhandel hat sich bereits deutlich in Richtung USA verschoben. Mehr als 500.000 Barrel täglich gehen inzwischen in die Vereinigten Staaten, bei einer venezolanischen Gesamtförderung von rund 1,25 Mio. Barrel pro Tag. Kyle Haustveit, Staatssekretär im US-Energieministerium, sprach von etwa der Hälfte der venezolanischen Produktion.

Washington ordnet Regeln für Ölgeschäfte neu

Parallel verändert sich die Sanktionsarchitektur. Am 27. August aktualisierte das Office of Foreign Assets Control (OFAC), die Sanktionsbehörde des US-Finanzministeriums, mehrere Venezuela-Lizenzen für Ölhandel, Verdünnungsmittel, Ausrüstung und operative Geschäfte. Für bestimmte Verträge entfällt seither die Pflicht, US-Recht als maßgeblich festzuschreiben. Bei Verträgen mit der venezolanischen Regierung oder bestimmten sanktionierten staatlichen Stellen und Unternehmen müssen Streitverfahren jedoch weiterhin in den USA, Großbritannien, Frankreich oder Singapur stattfinden.

Ob die Lizenzänderungen mit den Pachtgesprächen zusammenhängen, ist offen. Zugleich ordnet Washington die rechtlichen Bedingungen für Geschäfte im venezolanischen Energiesektor neu. Die aktuelle General License 48C erlaubt unter Auflagen Güter, Technik, Software und Dienstleistungen für Exploration, Entwicklung und Förderung aus den USA sowie durch US-Bürger, dauerhaft Aufenthaltsberechtigte und US-Unternehmen. General License 49A erlaubt zudem bedingte Verträge für neue Investitionen. Ihre Umsetzung setzt eine gesonderte OFAC-Genehmigung voraus.

Riesige Reserven treffen auf begrenzte Förderkapazität

Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Rohölreserven der Welt. Die OPEC wies für Ende 2024 gut 303 Mrd. Barrel aus. Im Jahresdurchschnitt 2024 förderte Venezuela dagegen nur 921.000 Barrel Rohöl pro Tag. Die aktuelle Förderung von rund 1,25 Mio. Barrel zeigt eine Erholung, bleibt aber weit hinter der geologischen Größenordnung zurück.

Ein großer Teil der Reserven liegt im Orinoco-Gürtel in Zentralvenezuela und besteht aus besonders schwerem Rohöl. Dessen Förderung verlangt Technik, Kapital und verlässliche Infrastruktur. Aus den USA werden täglich mehr als 100.000 Barrel Naphtha geliefert. Das ist ein leichtes Kohlenwasserstoffgemisch, das Schweröl für Transport und Verarbeitung dünnflüssiger macht.

Die Lieferbeziehungen laufen bereits in beide Richtungen. Venezuela liefert Schweröl an US-Raffinerien, während die USA einen wichtigen Hilfsstoff für Förderung und Transport bereitstellen. Eine direkte Beteiligung an Ölfeldern würde diese operative Verflechtung deutlich vertiefen.

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Neue Verträge öffnen den Sektor schrittweise

Der internationale Ölfelddienstleister SLB AN8068571086 853390 und der unabhängige US-Ölproduzent Hunt Oil haben im August Verträge mit der venezolanischen Regierung geschlossen. Hunt Oil vereinbarte einen Produktionsbeteiligungsvertrag für zwei Ölgebiete an Land. SLB soll im Rahmen einer Allianz Lagerstättenstudien durchführen. Bei der Bekanntgabe wurden keine weiteren Einzelheiten zum Umfang der beiden Vereinbarungen genannt.

Aus der politischen Annäherung entstehen damit konkrete Industrieprojekte. Zugleich bleibt die Investitionshürde hoch. Internationale Unternehmen müssen technische Chancen gegen Vertragsrisiken, Infrastrukturbedarf und die politische Haltbarkeit der neuen Ordnung abwägen.

Ölmarkt erhöht den strategischen Wert Venezuelas

Zusätzliche venezolanische Mengen kämen in einen angespannten Markt. Der Krieg der USA und Israels mit dem Iran und die Störungen in der Straße von Hormus haben die Risiken für die Ölversorgung erhöht. Venezolanisches Öl gewinnt dadurch für Washington an strategischem Wert. Eine direkte US-Beteiligung an den Ölfeldern würde den wirtschaftlichen Einfluss der USA im Land deutlich ausweiten. Sie entspricht dem Kurs der US-Regierung, ihren Einfluss in der westlichen Hemisphäre zu stärken.

Entscheidend für einen möglichen Jahrhundertvertrag sind Vertragsrecht, Investitionsschutz, politische Stabilität und die Frage, wer Kapital und operative Risiken trägt. Wirtschaftlich zählt am Ende, wie viel der riesigen Reserven unter verlässlichen Bedingungen tatsächlich gefördert und vermarktet werden kann.