Anglo American: Kupfer treibt Halbjahreszahlen – Fusion mit Teck vor letzter China-Hürde

Anglo American: Kupfer treibt Halbjahreszahlen – Fusion mit Teck vor letzter China-Hürde Anglo American

Anglo American GB00BTK05J60 A41BF3 hat am 30. Juli 2026 seine Zahlen für das erste Halbjahr präsentiert – und sie zeigen, welchen Stellenwert das Kupfergeschäft im inzwischen deutlich schlankeren Konzernportfolio einnimmt. Das bereinigte EBITDA aus fortgeführten Geschäftsbereichen stieg um 35 Prozent auf 4 Milliarden USD. Allein das Kupfergeschäft steuerte davon 2,9 Milliarden USD bei – bei einer Marge von 60 Prozent und damit rund 73 Prozent des bereinigten Konzern-EBITDA.

Kupfer als Ergebnistreiber – aber vor allem beim Preis

In der ersten Jahreshälfte förderte Anglo American 343.600 Tonnen Kupfer, praktisch unverändert gegenüber den 342.200 Tonnen im Vorjahreszeitraum. Der deutliche Ergebnissprung geht damit weniger auf mehr Fördermenge zurück als auf den Kupferpreis: Allein der Preiseffekt trug rund 1,2 Milliarden USD zum EBITDA bei. Die Jahresprognose von 700.000 bis 760.000 Tonnen wurde bestätigt.

Deutlich nach unten korrigiert wurde dagegen die Kostenprognose: Anglo American senkte seine Erwartung für die Kupfer-Stückkosten von rund 172 auf rund 1,45 USD je Pfund. Auch beim Kapitalbudget gab es Bewegung, allerdings differenzierter, als es auf den ersten Blick aussieht: Das Capex für die fortgeführten Geschäftsbereiche sank um 0,4 auf 3,2 Milliarden USD – davon entfielen jedoch 0,3 Milliarden auf geringere geplante Investitionen bei De Beers. Für das eigentliche Kernportfolio aus Kupfer, Eisenerz und Pflanzennährstoffen wurde das Budget nur leicht von 3,1 auf 3 Milliarden USD gekürzt – von einer generellen Investitionszurückhaltung kann also kaum die Rede sein.

Die Aktionäre profitieren direkt: Der Vorstand beschloss eine Zwischendividende von 0,23 USD je Aktie, nach 0,07 USD im Vorjahreszeitraum – im Rahmen der Ausschüttungspolitik von 40 Prozent des bereinigten Gewinns.

Portfolio-Bereinigung: De Beers als letztes großes Puzzleteil

Die starken Zahlen sind Teil einer größeren Erzählung: Anglo American hat sein Portfolio seit 2024 konsequent auf drei Säulen ausgerichtet – Kupfer, Premium-Eisenerz und Pflanzennährstoffe. Am Tag der Ergebnisveröffentlichung bestätigte der Konzern, dass der Verkaufsprozess für das angeschlagene Diamantengeschäft De Beers voranschreitet; einen konkreten Käufer oder bevorzugten Bieterkreis gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht offiziell zu vermelden. Die Trennung von De Beers passt strategisch zur Portfolio-Bereinigung rund um die geplante Fusion mit Teck, ist aber nach den veröffentlichten Transaktionsunterlagen keine ausdrückliche Vollzugsbedingung für den Zusammenschluss.

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Fusion mit Teck: Nur noch China fehlt

Genau diese Fusion ist der zweite große Strang der Anglo-American-Story in diesem Jahr. Der im September 2025 angekündigte "Merger of Equals" mit dem kanadischen Bergbaukonzern Teck Resources CA8787422044 858265 zur neuen Anglo Teck plc hat inzwischen die meisten Hürden genommen: Bei Anglo American stimmten 99,17 Prozent der abgegebenen Stimmen für die zur Fusion nötige Aktienausgabe, 99,98 Prozent für die Namensänderung. Bei Teck votierten 99,7 Prozent der Class-A- und 89,7 Prozent der Class-B-Aktionäre dafür. Der Supreme Court of British Columbia gab im Dezember 2025 grünes Licht, die kanadische Regierung genehmigte den Zusammenschluss nach dem Investment Canada Act, und im ersten Quartal 2026 folgte auch die Freigabe aus Südkorea.

Offen ist damit nur noch die kartellrechtliche Genehmigung aus China. Die dortige Prüfung bleibt der entscheidende regulatorische Unsicherheitsfaktor für den Zeitplan, eine verlässliche Regelverfahrensdauer lässt sich aus den Transaktionsunterlagen allerdings nicht ableiten. Anglo American und Teck erwarten den Vollzug weiterhin in einem Fenster zwischen September 2026 und März 2027. Danach würde Anglo Teck zu den fünf größten Kupferproduzenten der Welt gehören – möglich, weil beide Unternehmen ihr altes Kohlegeschäft bereits abgestoßen haben: Anglo American verkauft seine Stahlkohlesparte, Teck ist inzwischen reiner Kupfer- und Zinkproduzent.

Kupfer-Fokus zahlt sich aus – Restrisiko China

Für Anleger verdichten sich damit zwei Entwicklungen zu einer Geschichte: Operativ zeigen die Halbjahreszahlen vor allem, welches wirtschaftliche Gewicht das Kupfersegment inzwischen hat – auch wenn der Ergebnisanstieg wesentlich preisgetrieben und nicht durch mehr Fördermenge zustande kam. Strategisch steht mit dem Teck-Zusammenschluss einer der bedeutendsten Bergbau-Deals der vergangenen Jahre kurz vor dem Ziel und würde einen neuen Schwergewicht-Player im globalen Kupfermarkt schaffen, gerade zu einer Zeit, in der Kupfer als Schlüsselrohstoff der Energiewende und der KI-Infrastruktur gilt. Die chinesische Kartellfreigabe bleibt dabei der entscheidende Unsicherheitsfaktor, den Investoren in den kommenden Monaten im Blick behalten sollten.