USA bündeln Atompläne in fünf Bundesstaaten

USA bündeln Atompläne in fünf Bundesstaaten Getty Images / Unsplash

Das US-Energieministerium nimmt fünf Bundesstaaten für große Nuklearzentren in die engere Auswahl. Utah, Tennessee, Oklahoma, Louisiana und Idaho sollen Standorte, Aufgaben und Investitionsbedingungen ausloten. Washington verbindet das Vorhaben mit Energieversorgung und nationaler Sicherheit. Heimische Fertigung erhält eine größere Rolle.

Brennstoffkreislauf wird zur Standortfrage

Die Zentren sollen den gesamten nuklearen Brennstoffkreislauf stärken und industrielle Kapazitäten in den USA ausbauen. Das Ministerium beschreibt das Modell als freiwillige Bund-Länder-Partnerschaft.

Die Auswahl vom 28. Juli 2026 schließt an eine Interessenabfrage vom Januar an. Energieminister Chris Wright unterzeichnete Absichtserklärungen mit den fünf Regierungen. Damit beginnt die nächste Verhandlungsphase über Infrastruktur, Fachkräfte, wirtschaftliche Ziele und Aufgaben. Spätere Standortvereinbarungen sollen den Zuschnitt der jeweiligen Nuklearzentren festlegen.

Fünf Bewerber setzen auf unterschiedliche Stärken

Utah verweist beispielsweise auf sein Energieprogramm "Operation Gigawatt". Es soll Brennstoffproduktion und fortgeschrittene Reaktoren gemeinsam vorantreiben. Das Programm sieht eine Verdopplung der Energieproduktion Utahs bis 2034 vor.

Tennessee setzt auf seine historische Rolle im Nuklearprogramm Manhattan-Projekt. Der Bundesstaat verfügt mit dem Forschungslabor Oak Ridge National Laboratory über langjährige Brennstoff- und Reaktorkompetenz.

Idaho beherbergt mit dem Idaho National Laboratory ein weiteres Nuklearforschungszentrum. Dort wird bereits an fortgeschrittenen Reaktoren, Brennstoffen und Sicherheitsfragen gearbeitet.

Oklahoma will Kernenergie in seine bestehende Energiepolitik integrieren. Louisiana verweist ebenfalls auf seine Erfahrung als Energiestandort. Der Bundesstaat prüft mögliche Flächen im Norden, Zentrum und Süden. Alle fünf Kandidaten müssen ihre geplanten Aufgaben und wirtschaftlichen Ziele nun weiter konkretisieren.

Washington ordnet die Zentren seiner Atomstrategie unter

Das Weiße Haus strebt bis 2050 eine US-Kernkraftkapazität von 400 Gigawatt an – aktuell liegt sie bei rund 100 Gigawatt. Schon bis 2030 sollen bestehende Reaktoren fünf Gigawatt zusätzliche Leistung liefern und zehn neue Reaktoren mit fertigen Entwürfen im Bau sein.

Die Nuklearzentren führen Brennstoff, Reaktoren, industrielle Fertigung und leistungsstarke Stromabnehmer räumlich zusammen. Vorgesehen sind Aufgaben von der Brennstofffertigung und Anreicherung bis zur Wiederaufarbeitung und endgültigen Entsorgung. Je nach Region können fortgeschrittene Reaktoren, Stromerzeugung und angeschlossene Rechenzentren hinzukommen.

Das Ministerium beziffert das mögliche Investitionsvolumen eines Nuklearzentrums auf bis zu 50 Milliarden USD. Hinzu kommen bis zu 10 Milliarden USD an bundesstaatlichen und kommunalen Steuereinnahmen. Nahezu 25.000 Arbeitsplätze könnten entstehen. Finanzierung, Genehmigung und Bau dürften sich jedoch über viele Jahre erstrecken.

Rechenzentren erhöhen den Druck auf neue Kraftwerke

Die USA betrieben 2024 insgesamt 94 Reaktoren mit fast 97 Gigawatt Leistung. Im Jahr 2025 erzeugte Kernkraft in Großanlagen rund 18 Prozent der US-Stromerzeugung. Eine Regierungsanordnung verlangt binnen 30 Monaten einen fortgeschrittenen Reaktor an einem Standort des Energieministeriums. Er soll Rechenzentren oder andere kritische Infrastruktur versorgen. Geeignete Einzelprojekte könnten zusätzlich auf Bundesdarlehen in Milliardenhöhe zugreifen.

Bei Paducah im Westen Kentucky sollen 100 Milliarden USD in einen Energie- und Rechenzentrumskomplex fließen. Vorgesehen sind zwei Gigawatt Gaskraftleistung und 2,6 Gigawatt Batteriespeicher. Der frühere Urananreicherungsstandort verfügt bereits über Flächen, Netzanschlüsse und staatliche Genehmigungswege. Dauerhafte Stromabnehmer können dort neue Erzeugungskapazitäten wirtschaftlich absichern.

Importverbot erhöht den Druck auf US-Anreicherung

Die Energiestatistikbehörde Energy Information Administration erfasste für 2024 Käufe von 55,9 Millionen Pfund Uranoxidäquivalent. Der Durchschnittspreis lag bei 52,71 USD je Pfund. Davon stammten 51,6 Millionen Pfund aus dem Ausland: Kanada lieferte 18,6 Millionen Pfund, Kasachstan 12,4 Millionen und Australien 8,6 Millionen. Weitere Mengen kamen vor allem aus Usbekistan, Namibia, Russland und Niger. Uran aus den USA erreichte lediglich 4,3 Millionen Pfund. Die heimische Minenproduktion stieg 2025 auf rund 2,1 Millionen Pfund Urankonzentrat. Im Vorjahr waren es 657.000 Pfund.

Seit August 2024 verbietet ein Bundesgesetz grundsätzlich die Einfuhr von russischem niedrig angereichertem Uran. Zeitlich begrenzte Ausnahmen laufen spätestens am 1. Januar 2028 aus.

In Eunice im Bundesstaat New Mexico betreibt Urenco die einzige kommerzielle US-Anreicherungsanlage. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete im Juni 2026 über eine geplante Kapazitätserhöhung um knapp 50 Prozent. Vorgesehen sind 2,1 Millionen zusätzliche Trennarbeitseinheiten. Die ersten neuen Zentrifugen sollen 2032 produzieren. Der Ausbau soll bis 2036 laufen.

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Brennstoffversorgung bleibt Amerikas Engpass

HALEU steht für High-Assay Low-Enriched Uranium. Das ist Uran mit 5 bis 19,75 Prozent Uran-235. Viele fortgeschrittene Reaktoren benötigen diesen Brennstoff für kompaktere Bauformen und längere Betriebszyklen. Im Mai 2026 kamen 1,7 Tonnen HALEU aus Japan in die USA. Es war die größte einzelne internationale Uranlieferung in der Geschichte der US-Nuklearsicherheitsbehörde.

Zusätzlich ordnete das Weiße Haus eine Brennstoffbank mit mindestens 20 Tonnen HALEU für Projekte an bundeseigenen Standorten an. Diese Reserve soll frühe Reaktorvorhaben absichern.

Milliardenaufträge stärken Anreicherung und Umwandlung

Im Januar 2026 vergab das Ministerium drei Aufträge über insgesamt 2,7 Milliarden USD. Jeder Auftrag kann bis zu 900 Millionen USD erreichen und höchstens zehn Jahre laufen.

American Centrifuge Operating, eine Tochter von Centrus Energy US15643U1043 A12CTC, soll neue HALEU-Anreicherungskapazitäten schaffen. General Matter plant die bereits erwähnte neue Anlage in Paducah. Orano Federal Services soll die heimische Produktion niedrig angereicherten Urans ausbauen.

Für die Umwandlung gasförmigen HALEU in Metall- oder Oxidformen stehen weitere bis zu 800 Millionen USD bereit. Global Nuclear Fuel-Americas und Westinghouse Government Services erhielten entsprechende Rahmenverträge. Hinzu kommt Nuclear Fuel Services, eine Tochter von BWX Technologies US05605H1005 A14V4U. Jeder Anbieter erhält mindestens zwei Millionen USD und kann sich um einzelne Aufträge bewerben.

Ungelöste Entsorgung prägt den Standortstreit

Mehr als 95.000 Tonnen abgebrannter Kernbrennstoff lagern an 79 Standorten in mehr als 30 Bundesstaaten. Bis zum Laufzeitende heutiger Reaktoren könnten es 180.000 Tonnen werden. Der US-Rechnungshof beziffert den jährlichen Zuwachs auf etwa 2.000 Tonnen.

Der Bund zahlte bereits mehrere Milliarden USD wegen ausgebliebener Entsorgung, aber ein dauerhaftes Endlager existiert weiterhin nicht. Die Brennstoffe befinden sich vorläufig in Abklingbecken und Trockenbehältern an Reaktorstandorten oder zentralen Lagerstätten. Die US-Atomaufsicht hält beide Lösungen für ausreichend sicher.

Die Nuklearzentren könnten vorläufige Lagerung, Wiederaufarbeitung und endgültige Entsorgung verbinden. Damit rückt eine seit Jahrzehnten blockierte Bundesaufgabe in regionale Standortverhandlungen. Fachleute warnen vor hohen Kosten und Sicherheitsrisiken der Wiederaufarbeitung. Betroffene Gemeinden müssten zudem langfristige Pflichten für Transport, Lagerung und Überwachung übernehmen.

Genehmigungen entscheiden über den Erfolg des Plans

Die Regierungsstrategie verlangt Entscheidungen über Anträge für neue Bau- und Betriebsgenehmigungen binnen 18 Monaten. Hierfür muss die Atomaufsicht Verfahren, Personal und Regelwerk umfassend anpassen. Auch der Kongress muss Zuständigkeiten, Finanzierung und Kontrolle der Nuklearzentren klären. Ohne diese Grundlagen bleiben Investitionssummen und Arbeitsplatzversprechen vorläufig. Der Wettbewerb dürfte sich an Infrastruktur, Fachkräften und technischer Spezialisierung entscheiden.