Sambias großer Wurf für Kupfer und Kobalt
Der sambische Präsident Hakainde Hichilema will eine panafrikanische Mineral- und Metallbörse schaffen, die Afrikas Staaten enger an Preisbildung und Vermarktung bindet. Das Vorhaben soll ihnen mehr Kontrolle über Förderung, Handel und Verarbeitung strategischer Rohstoffe geben. Die Initiative baut auf Sambias Handelsprojekt mit dem Rohstoffhandelshaus Mercuria auf. Sambia förderte 2025 rund 890.346 Tonnen Kupfer. Das sind acht Prozent mehr als 2024, verfehlte jedoch das Millionenziel.
Sambia verschafft sich Zugriff auf mehr Metall
Jito Kayumba, Finanz- und Investitionsberater des Präsidenten, beschreibt wachsenden Druck aus der Bevölkerung. Viele junge Sambier wollten stärker an den Bodenschätzen ihres Landes beteiligt werden. Die Börse soll deshalb mehr Fördermengen für Verarbeitung und Handel innerhalb Afrikas verfügbar machen. Kupfer trägt laut der Entwicklungsbank Weltbank rund 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung und mehr als 70 Prozent zu Sambias Exporten bei.
Als Afrikas zweitgrößter Kupferproduzent besitzt Sambia dafür erhebliches Gewicht. Der Plan steht folglich in Hichilemas Wahlprogramm. Nach einem Wahlsieg soll die Prüfung mit Vorrang beginnen, die ersten Gespräche könnten anschließend unmittelbar starten. Die Präsidentschafts- und Parlamentswahl findet am 13. August 2026 statt.
Die Initiative reiht sich in eine breitere Rohstoffpolitik afrikanischer Staaten ein. Die Demokratische Republik Kongo, Guinea, Ghana und Simbabwe fördern heimische Raffination, lokale Beteiligungen und strengere Ausfuhrregeln. Im Zentrum steht die Frage, wie mehr Einkommen und Arbeitsplätze auf dem Kontinent bleiben. Die Afrikanische Union verankerte lokale Verarbeitung und regionale Industrialisierung 2025 in ihrer Strategie für Rohstoffe der Energiewende.
Sambias Regierung verfolgt parallel ein Förderziel von drei Millionen Tonnen Kupfer jährlich bis 2031. Die Produktion müsste sich damit gegenüber 2025 mehr als verdreifachen.
Afrika will Rohstoffe selbst verarbeiten
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur erhält Afrika weniger als ein Prozent der weltweiten Wertschöpfung aus sauberer Energietechnik. Das steht im Kontrast zu den großen Anteilen an unverarbeiteten kritischen Mineralien, die der Kontinent liefert. Afrika deckt rund 75 Prozent des Mangans, 70 Prozent des Kobalts und fast 20 Prozent des weltweit geförderten Kupfers. Der gemeinsame Marktwert raffinierter Schlüsselminerale überschritt 2024 bereits 230 Milliarden USD.
Das Natural Resource Governance Institute, ein Forschungsinstitut für Rohstoffpolitik, hält regionale Zusammenarbeit für einen Hebel zur lokalen Verarbeitung. Eine gemeinsame Börse könnte Preise, Mengen und Abnahmeverträge stärker in afrikanische Verhandlungen ziehen. Sie könnte Produzenten zugleich verlässlichere Absatzwege für Kupfer, Kobalt und weitere Batterierohstoffe eröffnen. Das Institut empfiehlt zunächst kleine Staatengruppen mit klar umrissenen Wertschöpfungsketten, bevor ein kontinentales Modell erweitert wird.
Die geplante panafrikanische Metallbörse braucht deshalb einheitliche Qualitätsstandards, verlässliche Lieferverträge, Lagerhäuser, transparente Preisregeln und eine belastbare Abwicklung. Ohne diese Infrastruktur bliebe sie ein politisches Schaufenster mit begrenzter Wirkung auf Raffination, Fertigung und Beschäftigung. Die Weltbank nennt Rohstoffzugang, Finanzierung, Stromversorgung und Transportkosten als zentrale Hürden für Sambias Weiterverarbeitung.
Der Beschäftigungseffekt hängt ebenfalls von Ausbildung und industrieller Tiefe ab. Bei Erreichen des Förderziels könnten laut Weltbank 200.000 direkte Bergbaujobs und weitere 300.000 indirekte oder ausgelöste Stellen entstehen. Sambias Ausbildungsstätten liefern bislang zu wenige Techniker und Fachkräfte für diesen Ausbau.
Metallmengen als Fundament des Börsenplans
Die geplante Börse soll auf Sambias Gemeinschaftsunternehmen mit Mercuria aufbauen, das Handelsmodell den Zugriff auf verfügbare Metallmengen schaffen. Die staatliche Rohstoffgesellschaft Industrial Resources und Mercuria gründeten dafür Ende 2024 ein Gemeinschaftsunternehmen zu gleichen Teilen. Mercuria bringt Finanzierung, Handelserfahrung, Risikosteuerung und Ausbildung für sambische Fachkräfte ein.
Im Juli 2025 bereitete das Unternehmen seine erste Kupferlieferung vor. Sambia setzte dafür zeitweise die Ausfuhrabgabe auf Kupferkonzentrat aus. Die Ausnahme zeigte den Zielkonflikt zwischen sofortigen Handelserlösen und dem politischen Anspruch auf Verarbeitung im eigenen Land. Für eine dauerhafte Börse müsste die verfügbare Menge ohne wiederkehrende Sonderregeln gesichert werden.
Doch genau daran scheiterte bislang eine 2022 vereinbarte Batteriewertschöpfungskette zwischen Sambia und der Demokratischen Republik Kongo. Beide Staaten verfügten kaum direkt über die Rohstoffe privater Bergbauunternehmen. Der kongolesische Quotenmechanismus zeigt inzwischen, wie stark staatlicher Zugriff globale Märkte bewegen kann. Kobalt verteuerte sich seit Februar 2025 um rund 160 Prozent auf etwa 57.320 USD je Tonne.
Auch die Demokratische Republik Kongo hat Abnahmeverträge großer Minen gesichert und eine ähnliche Vereinbarung mit Mercuria geschlossen. Sambia hat den Börsenplan bereits mit dem Nachbarland und zwei weiteren, ungenannten Staaten erörtert. Das schafft eine mögliche Anfangskoalition, entspricht aber noch keiner kontinentalen Handelsarchitektur. Entscheidend wird die faire Verteilung von Handelsmargen, Verarbeitungskapazitäten und Steuereinnahmen zwischen den Teilnehmerstaaten.
Strom und Transport bestimmen dabei, wie viel Wertschöpfung tatsächlich in der Region bleibt. Die Weltbank bewertet eine zuverlässige und wettbewerbsfähige Stromversorgung als Voraussetzung für Förderung, Schmelzen und weitere Verarbeitung. Der Lobito-Korridor – eine geplante Verkehrs- und Wirtschaftsachse – soll Sambia und die Demokratische Republik Kongo über Angola mit dem Atlantik verbinden. Die Europäische Union unterstützt den Korridor als offene Verkehrsachse für regionale Wertschöpfung und weltweiten Handel.
Börsenplan wird zum politischen Versprechen
Für Hichilema ist die Metallbörse zugleich ein wirtschaftliches und politisches Versprechen. Mehr lokale Verarbeitung soll Jobs für Afrikas schnell wachsende junge Bevölkerung schaffen. Der Zeitpunkt kurz vor der Wahl erhöht den Druck, aus dem Konzept rasch überprüfbare Regeln, Partner und Liefermengen zu entwickeln. Ein Wahlsieg allein würde weder Stromkapazitäten noch Raffinerien oder grenzüberschreitende Abwicklung schaffen.
Kayumba warnt vor wachsender Instabilität, wenn Wirtschaft und Beschäftigung mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten. Er sieht auch die demokratische Ordnung gefährdet, wenn Regierungen keine greifbaren Wohlstandsgewinne liefern. Seit Januar 2026 gelten neue Beschaffungsregeln für den Bergbau. Ab Juli müssen zunächst 20 Prozent der jährlichen Beschaffungsbudgets an lokale Anbieter und Auftragnehmer gehen. Der Anteil soll stufenweise auf 40 Prozent steigen und die heimische Beteiligung verbreitern.
Der Blick auf Militärputsche, islamistische Aufstände und staatliche Übernahmen von Bergbauwerten im Sahel verschärft diese Sorge. Die Börse soll Afrikas Rohstoffreichtum in industrielle Substanz, Beschäftigung und politischen Rückhalt übersetzen. Die Internationale Energieagentur meldet zugleich einen erwarteten Kupferfehlbetrag von rund 25 Prozent im Jahr 2035. Fortschritte neuer Projekte in Sambia und der Demokratischen Republik Kongo haben die Lücke bereits verkleinert.

