Schnee kappt den Strom für eine Schlüsselmine

Schnee kappt den Strom für eine Schlüsselmine Lundin Mining

Schwere Regen- und Schneefälle in Chile haben die Stromversorgung von Caserones unterbrochen. Der Betreiber, der kanadische Kupferproduzent Lundin Mining CA5503721063 A0B7XJ, rechnet damit, dass der Wiederanlauf zwei bis drei Wochen dauern könnte. Damit gerät auch das Produktionsziel für das laufende Jahr unter Druck.

Reparatur entscheidet über das Jahresziel

Caserones liegt im trockenen Norden Chiles nahe der Grenze zu Argentinien. Der Juli fällt auf der Südhalbkugel in die Winterzeit, ungewöhnlich war jedoch das Ausmaß der Schneefälle in den Höhenlagen. Seit dem 18. Juli ist die Anlage ohne Strom, nachdem heftige Niederschläge und Schneefälle zwei Versorgungstürme beschädigt hatten. Reparaturteams wurden mobilisiert, während die Zufahrtsstraßen schrittweise wieder geöffnet werden.

Den entscheidenden Engpass stellt die Stromversorgung dar. Selbst wenn die Verkehrswege vollständig passierbar werden, kann die Förderung erst nach der Instandsetzung der Leitungen wieder anlaufen. Ersatzgeneratoren versorgen derzeit lediglich die kritische Infrastruktur der Mine. Die Belegschaft vor Ort konnte sicher abgelöst werden; neue Teams haben die Arbeiten übernommen.

Der mögliche Ausfall wird im Konzern spürbar

Das Research-Team von Bloomberg Intelligence schätzt, dass die Unterbrechung die Jahresproduktion um rund 10.000 Tonnen Kupfer verringern könnte. Das bisherige Förderziel von 130.000 bis 140.000 Tonnen wäre damit gefährdet, sofern Caserones den Rückstand im vierten Quartal nicht aufholt.

Konzernweit plant Lundin Mining für 2026 mit 310.000 bis 335.000 Tonnen Kupfer. Gemessen an der Spannenmitte entspräche ein Ausfall von 10.000 Tonnen rund 3,1 Prozent der gesamten Jahresförderung.

Die Aktie verlor nach Bekanntwerden der längeren Unterbrechung in Toronto zeitweise 3,3 Prozent. Caserones gehört zu den zentralen Kupferstandorten des Konzerns – entsprechend sensibel reagieren Anleger auf Verzögerungen beim Neustart.

Andere Minen kehren schneller in den Betrieb zurück

Der einheimische Kupferproduzent Antofagasta GB0000456144 867578 hatte den Abbau und die Verarbeitung bei seiner Kupfermine Los Pelambres nach starken Niederschlägen und zeitweisen Stromausfällen geordnet gestoppt.

Seit dem 23. Juli läuft Los Pelambres wieder. Antofagasta meldete keine wesentlichen Schäden an Maschinen oder zentraler Infrastruktur und hält an seiner Produktionsprognose für das Gesamtjahr fest.

Auch die Kupfermine Candelaria, an der Lundin Mining 80 Prozent hält, hat sich schneller erholt: Die Aufbereitungsanlage arbeitete während der Regenfälle mit vorhandenen Erzvorräten weiter, während der Minenbetrieb bis zum 27. Juli wieder die volle Kapazität erreichte. Die übrigen 20 Prozent hält Sumitomo.

Staatliche Krisenreaktion erreicht die Minenregion

Auch der chilenische Staatskonzern Codelco musste den Betrieb an Standorten wie El Teniente zeitweise unterbrechen. In tieferen Lagen lösten die Regenmassen Sturzfluten aus, während die höher gelegenen Minen mit starkem Schneefall kämpften. Bei dem Unwetter kamen nach Angaben der Behörden insgesamt mindestens 13 Menschen ums Leben. Die chilenische Regierung verhängte am 20. Juli den verfassungsrechtlichen Katastrophenzustand über die gesamte Region Coquimbo und die Provinz Huasco in der Region Atacama. Auslöser waren unter anderem unterbrochene Straßen, Überschwemmungen und weitere Schäden an der öffentlichen Infrastruktur.

Die Unterbrechungen zeigen, wie eng Chiles Minen mit einer Infrastruktur verbunden sind, die unter außergewöhnlichen Wetterbedingungen schnell zur kritischen Schwachstelle werden kann. Förderanlagen in großer Höhe benötigen verlässliche Stromleitungen und befahrbare Zufahrten. Fallen beide gleichzeitig aus, reichen die Folgen bis in den globalen Rohstoffhandel.

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Kupferpreis spiegelt die geringe Reserve

Die Lagerbestände im weltweiten Netzwerk der London Metal Exchange sind bereits gesunken. Zugleich steigt der Bedarf an Kupfer für Stromnetze, erneuerbare Energien und Rechenzentren, die für den Ausbau künstlicher Intelligenz benötigt werden. Zusätzliche Produktionsrisiken können die Preisschwankungen deshalb verstärken.

Am Dienstag, dem 28. Juli, wurde Kupfer am Londoner Markt zu rund 13.668 USD je Tonne gehandelt. Der offizielle Schlusskurs des Dreimonatskontrakts hatte am 24. Juli bei 13.649 USD je Tonne gelegen. Damit bewegt sich das Metall weiterhin auf einem Niveau, auf dem selbst begrenzte Produktionsausfälle erhebliche finanzielle Auswirkungen für Minenbetreiber entfalten.

Strukturelle Lücke bleibt trotz neuer Projekte

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass der weltweite Kupferbedarf bis 2040 um rund sieben Millionen Tonnen steigt. Selbst unter Einbeziehung bereits angekündigter Minenprojekte dürfte 2035 noch eine Angebotslücke von etwa 25 Prozent gegenüber dem primären Bedarf bestehen.

Lateinamerika fördert gegenwärtig rund 40 Prozent des weltweiten Minenkupfers. Die hohe regionale Bedeutung vergrößert den Netto-Effekt lokaler Strom-, Wasser- oder Verkehrsprobleme auf den Weltmarkt. Gleichzeitig nennt die IEA gerade Lücken bei Energie- und Wasserinfrastruktur als Hindernis für eine Ausweitung der regionalen Produktion.

Höhere Investitionen lösen das Problem nicht

Während die Investitionen in kritische Rohstoffe 2025 weltweit um neun Prozent zurückgingen, erhöhten kupferorientierte Bergbauunternehmen ihre Ausgaben um acht Prozent. Der Unterschied zeigt, dass die Branche auf die langfristige Knappheit reagiert – neue Minen benötigen jedoch viele Jahre von der Planung bis zur Förderung.

Für Lundin Mining entscheidet nun das Tempo der Reparaturen darüber, ob Caserones sein Jahresziel noch erreichen kann. Der Fall macht zugleich deutlich, dass der Kupfermarkt nicht nur unter zu wenigen neuen Projekten leidet. Die Verfügbarkeit bestehender Produktion hängt zunehmend an Stromtrassen, Zufahrtswegen und Wassersystemen, deren Ausfall sich kurzfristig kaum ersetzen lässt.