Bund prüft US-Kauf von Vacuumschmelze

Bund prüft US-Kauf von Vacuumschmelze Pavol Steinecker / Wikimedia, CC BY 3.0

Die Bundesregierung dürfte den geplanten Erwerb von Vacuumschmelze, einem Hersteller von Permanentmagneten, durch den nordamerikanischen Rohstoffkonzern Energy Fuels CA2926717083 A1W757 nur unter Schutzauflagen freigeben. Im Zentrum der Investitionsprüfung stehen das Werk in Hanau, der Zugriff auf technisches Wissen und eine verlässliche Belieferung deutscher Kunden. Energy Fuels strebt den Vollzug der mit 1,9 Milliarden USD Eigenkapitalwert bewerteten Transaktion für Anfang 2027 an.

Berlin schützt Technik, Kapazität und Lieferzugang

Vacuumschmelze fertigt Hochleistungsmagnete in industriellem Maßstab und beliefert unter anderem die Automobil- und Verteidigungsindustrie. Mehr als 1.000 Beschäftigte arbeiten in Hanau, wo zugleich ein wesentlicher Teil des technischen Know-hows gebündelt ist.

Das Bundeswirtschaftsministerium kann die Übernahme untersagen oder mit Verpflichtungen verbinden. Nach Eingang der vollständigen Prüfunterlagen gilt grundsätzlich eine viermonatige Entscheidungsfrist. Besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten erlauben eine Verlängerung um drei Monate. Berührt der Erwerb die deutschen Verteidigungsinteressen in besonderem Maße, ist ein weiterer Monat möglich.

Investitionskontrollen, Kartellfreigaben und weitere staatliche Genehmigungen sind ausdrückliche Vollzugsbedingungen. Die deutsche Prüfung ist damit eine zentrale Voraussetzung des Geschäfts.

Kaufpreis bleibt eng an den Aktienkurs gekoppelt

Der US-Finanzinvestor Ara Partners hatte Vacuumschmelze 2023 übernommen und verkauft die Magnetgruppe nun an Energy Fuels. Das Unternehmen zahlt 718 Millionen USD in bar und überträgt rund 65,9 Millionen neu ausgegebene Stammaktien. Hinzu kommen rund 140 Millionen USD bereinigte Nettoschulden von Vacuumschmelze, die Energy Fuels übernehmen will.

Notiert die Energy-Fuels-Aktie kurz vor dem Vollzug unter 20,93 USD, kann Ara Partners zusätzliche Vorzugsaktien im Wert von höchstens 135 Millionen USD erhalten. Unter Einrechnung einer separat geplanten Übernahme in Australien soll der Investor anschließend 19,9 Prozent an Energy Fuels halten und ein Verwaltungsratsmitglied nominieren dürfen.

Am 24. Juli schloss die Aktie bei 11,30 USD und damit knapp 30 Prozent unter dem für die Kaufpreisberechnung verwendeten Schlusskurs von 16,12 USD am 22. Juni. Sie lag zugleich deutlich unter der vertraglichen Schwelle von 20,93 USD. Maßgeblich für einen möglichen Wertausgleich ist allerdings der Kurs kurz vor dem Vollzug.

Die Lieferkette existiert bislang nur in Etappen

Der strategische Reiz liegt in einer durchgängigen Wertschöpfung vom Rohstoff bis zum fertigen Magneten. Vacuumschmelze würde Energy Fuels die industrielle Fertigungskompetenz verschaffen, die vielen westlichen Bergbau- und Raffinerieprojekten fehlt.

Vollständig vorhanden ist diese Kette noch nicht. Sie setzt auf das australische Seltene-Erden-Projekt Donald, die US-Aufbereitungsanlage White Mesa Mill, eine südkoreanische Metall- und Legierungsfabrik, deren Betreiber Energy Fuels separat übernehmen will, sowie das Magnetwerk in Sumter im US-Bundesstaat South Carolina. Mehrere Bausteine hängen von Übernahmen, Investitionsentscheidungen und Finanzierungen ab.

Energy Fuels und sein australischer Joint-Venture-Partner Astron, ein Entwickler von Mineralsand- und Seltene-Erden-Projekten, streben für das Donald-Projekt eine endgültige Investitionsentscheidung im dritten Quartal 2026 an. Die Inbetriebnahme soll 2028 folgen. Der Ausbau der Trennanlagen in Utah ist bis Ende 2027 vorgesehen; eine zweite Erweiterungsphase mit Kapazitäten für Neodym-Praseodym, Dysprosium und Terbium soll Mitte 2029 bereitstehen. Die industrielle Logik des Kaufpreises beruht daher zu einem erheblichen Teil auf künftiger Umsetzung.

Operatives Wachstum muss den Preis rechtfertigen

Das bestehende Geschäft von Vacuumschmelze erzielte 2025 ein bereinigtes EBITDA von rund 29 Millionen USD. Der ausgewiesene Eigenkapitalwert von 1,9 Milliarden USD entspricht rechnerisch etwa dem 66-Fachen dieses Ergebnisses. Die Bewertung lässt sich folglich kaum aus dem Bestandsgeschäft allein erklären.

Energy Fuels verweist auf einen im Jahresvergleich um mehr als 20 Prozent gewachsenen Auftragsbestand für 2026. Rund 85 Prozent der Produktion werden kundenspezifisch gefertigt. Vacuumschmelze verfügt zudem über mehr als 400 Patente und hat nach eigenen Angaben während des vergangenen Jahrzehnts mehr als eine Milliarde Seltene-Erden-Magnete ausgeliefert.

Das Werk in Sumter verfügt über eine Kapazität von bis zu 2.000 Tonnen Permanentmagneten pro Jahr. Energy Fuels prognostiziert bei voller Auslastung ein jährliches EBITDA von 65 Millionen bis 75 Millionen USD; langfristig soll die Kapazität auf 12.000 Tonnen wachsen. Die genannten Ergebniswerte sind Unternehmensprognosen und setzen den erfolgreichen Hochlauf der Produktion voraus.

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Washington bezahlt Tempo und gesicherte Abnahme

Die US-Regierung behandelt die Magnetversorgung als sicherheitsrelevantes Projekt. Das Office of Strategic Capital, eine Finanzierungsstelle für strategische Industrien, hat Energy Fuels einen bedingten Kredit von bis zu 725 Millionen USD mit einer Laufzeit von 20 Jahren zugesagt. Das Kapital soll den Ausbau der White Mesa Mill und eine neue US-Anlage für die Verarbeitung von Seltenen Erden unterstützen. Die Finanzierung steht noch unter rechtlichen, technischen und finanziellen Prüf- und Abschlussbedingungen.

Die US-Beschaffungsbehörde für Militärgüter vergab im Mai 2026 zudem einen Auftrag über rund 12,9 Millionen USD an e-VAC Magnetics, den Betreiber des Sumter-Werks. Die Magnetblöcke sind für mehrere US-Teilstreitkräfte bestimmt und sollen bis Mai 2027 geliefert werden. Washington schafft damit bereits Nachfrage, während vorgelagerte Produktionsstufen noch aufgebaut werden.

Chinas Dominanz setzt die Lieferkette unter Druck

Der staatliche Mitteleinsatz reagiert auf eine außergewöhnlich stark konzentrierte globale Lieferkette. Die Internationale Energieagentur (IEA) beziffert Chinas Anteil an der weltweiten Produktion gesinterter Permanentmagnete für 2024 auf 94 Prozent. Bei der Raffination magnetrelevanter Seltener Erden waren es 91 Prozent, beim Abbau 60 Prozent. Die globale Nachfrage nach Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium hat sich seit 2015 verdoppelt und dürfte bis 2030 um ein weiteres Drittel wachsen.

Chinesische Ausfuhrkontrollen zwangen 2025 einzelne Autohersteller außerhalb Chinas dazu, ihre Auslastung zu senken oder die Produktion vorübergehend zu unterbrechen. Selbst bereits angekündigte Projekte könnten 2035 weniger als 20 Prozent der Magnetnachfrage außerhalb Chinas decken. Für eine breitere Lieferbasis veranschlagt die IEA in den kommenden zehn Jahren Investitionen von rund 60 Milliarden USD.

Die hohe Marktkonzentration erklärt, warum Washington einen hohen Kaufpreis und umfangreiche staatliche Finanzierungen akzeptiert. Dieselbe Knappheit verschärft jedoch den Interessenkonflikt: Benötigt werden belastbare Regeln darüber, welche Kunden bei Versorgungsengpässen zuerst beliefert werden.

Europa setzt Ziele, aber noch zu wenig Nachfrage

Das EU-Rohstoffgesetz, der Critical Raw Materials Act, verlangt bis 2030 europäische Kapazitäten für mindestens 10 Prozent des eigenen Abbaubedarfs, 40 Prozent der Verarbeitung und 25 Prozent des Recyclings. Zugleich soll kein einzelner Drittstaat mehr als 65 Prozent des europäischen Jahresverbrauchs eines strategischen Rohstoffs abdecken. Bei den für Permanentmagnete benötigten Seltenerdmaterialien liegt Europa weit von dieser Diversifizierung entfernt.

Die G7, die Gruppe sieben führender Industriestaaten, verschärfte das Ziel im Juni 2026: Die Abhängigkeit von einem einzelnen externen Anbieter bei Seltenen Erden und Permanentmagneten soll bis 2030 unter 60 Prozent sinken und anschließend möglichst rasch 50 Prozent erreichen. Seit Jahresbeginn wurden im Kreis der G7 und ihrer Partner 195 Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von 64 Milliarden EUR angekündigt.

Deutschland und Frankreich vereinbarten zusätzlich einen Unternehmensdialog zur europäischen Wertschöpfungskette für Seltene-Erden-Permanentmagnete und wollen bestehende Finanzierungsinstrumente stärker auf kritische Metalle ausrichten. Politische Programme ersetzen jedoch keine Bestellungen: Vacuumschmelze benötigt nach eigener Einschätzung Abnahmezusagen von ein oder zwei Autoherstellern, um ein zweites deutsches Werk wirtschaftlich zu tragen.

Auflagen müssen den Engpass präzise absichern

Ein vollständiges Verbot des Verkaufs gilt nach den bislang bekannt gewordenen Informationen als wenig wahrscheinlich. Deutschland kann von einem besseren Zugang zu Rohstoffen und einer größeren westlichen Lieferkette profitieren. Zu starre Vorgaben könnten zugleich verhindern, dass Energy Fuels jene Investitionen tätigt, auf denen der strategische Nutzen der Verbindung beruht.

Wirksame Verpflichtungen müssten deshalb Produktion und Forschung in Hanau absichern, eine bevorzugte Belieferung einzelner Länder verhindern, Kontingente für europäische Kunden garantieren und den Abfluss sensibler Technologien begrenzen. Solche Vorgaben würden unmittelbar an den sicherheitsrelevanten Risiken ansetzen, die das Investitionsprüfungsrecht erfassen soll.

Hanau muss auch bei politischen Spannungen, Rohstoffknappheit oder militärischem Mehrbedarf in den USA produzieren, entwickeln und europäische Kunden beliefern können. Ohne vertraglich durchsetzbare Sicherungen würde Berlin einen strategischen Kontrollwechsel zulassen, ohne dafür belastbare Versorgungssicherheit zu erhalten.