Energy Fuels übernimmt deutschen Magnethersteller VAC für 1,9 Milliarden Dollar

Energy Fuels übernimmt deutschen Magnethersteller VAC für 1,9 Milliarden Dollar picture alliance / Joko

Der Rohstoffproduzent Energy Fuels Inc. CA2926717083 A1W757 übernimmt den deutschen Magnethersteller Vacuumschmelze (VAC) für rund 1,9 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Hanau zählt zu den wenigen operativen Permanentmagnet-Produzenten außerhalb Chinas und beliefert nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Kunden weltweit. Die Transaktion setzt sich aus 718 Millionen Dollar in bar sowie rund 65,9 Millionen neu ausgegebenen Energy-Fuels-Aktien zusammen. Der bisherige Eigentümer, die auf Industriedekarbonisierung spezialisierte US-amerikanische Private-Equity-Gesellschaft Ara Partners, erhält damit einen Anteil von knapp 20 Prozent an Energy Fuels sowie einen Sitz im Aufsichtsgremium.

Tradition, Patente und neue Produktionskapazitäten

VAC blickt auf mehr als 100 Jahre Unternehmensgeschichte zurück, hält über 400 Patente und hat in den vergangenen zehn Jahren nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Seltene-Erden-Permanentmagnete produziert und ausgeliefert. Das Produktportfolio umfasst sowohl gesinterte Neodym-Eisen-Bor- (NdFeB) als auch Samarium-Kobalt-Magnete (SmCo) sowie weichmagnetische Legierungen. Rund 85 Prozent der Produktion erfolgen nach Kundenspezifikation, die Durchschnittsdauer der Kundenbeziehungen bei den größten Abnehmern beträgt laut Unternehmen mehr als 30 Jahre. VAC unterhält Produktionsstätten in Deutschland, den USA, Malaysia und weiteren Ländern. Das neue Werk in Sumter, South Carolina, das Ende 2025 in Betrieb ging, verfügt über eine Kapazität von 2.000 Jahrestonnen Permanentmagneten, die auf bis zu 12.000 Tonnen ausgebaut werden kann. Bei einer Erweiterung auf 4.000 Jahrestonnen wird ein bereinigtes Betriebsergebnis von 130 bis 140 Millionen Dollar jährlich erwartet.

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Der Wettlauf um die unabhängige Lieferkette

Für Energy Fuels bedeutet der Zukauf eine erhebliche Ausweitung entlang der Wertschöpfungskette. Das Unternehmen betreibt bislang vor allem Uranminen sowie die White Mesa Mill in Utah, die als einzige Anlage in den USA sowohl Uran als auch Seltene Erden verarbeiten kann. Mit VAC wächst Energy Fuels in die Magnetstufe hinein – den bislang von China dominierten Endverarbeitungsschritt der Seltene-Erden-Lieferkette. Ergänzt werden soll die Kette durch die geplante Übernahme des australischen Unternehmens ASM AU0000094153 A2P9XW, das in Südkorea bereits kommerzielle Kapazitäten zur Herstellung von Seltene-Erden-Metallen und -Legierungen betreibt und in den USA eine weitere Anlage aufbauen will. Erst vergangene Woche hatte Energy Fuels zudem eine bedingte Darlehensfinanzierung über 725 Millionen Dollar vom US Office of Strategic Capital gesichert, unter anderem zur Erweiterung der Verarbeitungskapazitäten in Utah.

Hintergrund ist das geopolitische Rennen westlicher Länder um Seltene-Erden-Lieferketten außerhalb Chinas. Peking dominiert Abbau, Verarbeitung und Magnetfertigung und hat seinen Einfluss zuletzt durch Exportbeschränkungen auf kritische Mineralien als Druckmittel eingesetzt. Die G7-Staaten haben auf ihrem Gipfel in Évian-les-Bains Mitte Juni in einer gemeinsamen Erklärung das Ziel formuliert, die Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferstaat außerhalb der G7 bei Seltenen Erden und Permanentmagneten bis 2030 auf unter 60 Prozent zu senken – mit dem langfristigen Ziel von 50 Prozent. Unternehmen wie MP Materials und USA Rare Earth verfolgen ähnliche vertikale Integrationsstrategien auf dem Weg zu vollständig China-unabhängigen Lieferketten.

Der Abschluss der Transaktion wird für Anfang 2027 erwartet. VAC-Chef Erik Eschen und die rund 3.600 Mitarbeitenden sollen in das kombinierte Unternehmen integriert werden, der Markenname Vacuumschmelze soll erhalten bleiben. Das kombinierte Unternehmen zielt auf Kundensegmente in der Automobil-, Luft- und Raumfahrt-, Verteidigungs-, Robotik- und Rechenzentrumsindustrie.