USA senken Importzoll für Investoren in Aluminiumhütten um die Hälfte
Der neue Mechanismus macht Importe zur Gegenleistung für Investitionen. Unternehmen können beim Handelsministerium Pläne für den Bau, Ausbau oder die Modernisierung einer US-Aluminiumhütte einreichen. Der Baubeginn muss spätestens am 20. Januar 2029 erfolgen.
Zollrabatt wächst mit der geplanten Produktion
Nach der Genehmigung darf der Investor jährlich so viel Primäraluminium zum halben Section-232-Satz importieren, wie die fertige Anlage voraussichtlich pro Jahr erzeugt. Für die meisten Aluminiumeinfuhren gilt derzeit ein Satz von 50 Prozent. Bei diesen Lieferungen würde die Belastung auf 25 Prozent sinken.
Bei der Modernisierung bestehender Hütten ist der Vorteil auf den Wert der Investition begrenzt. Das Handelsministerium kann Berichte und externe Prüfungen verlangen. Werden zugesagte Meilensteine deutlich verfehlt, darf es die Vergünstigung stoppen und bereits gewährte Vorteile rückwirkend zurückfordern.
Offen bleiben die Antragsfristen, die Laufzeit des niedrigeren Zollsatzes und die genaue Abwicklung an der Grenze. Die Proklamation beauftragt das Ministerium, diese Punkte erst durch Vorschriften und Verfahrenshinweise festzulegen. Bis dahin lässt sich auch nicht sicher beziffern, wann Unternehmen den Vorteil erstmals nutzen können.
Das Weiße Haus begründet das Programm mit einer weiterhin unzureichenden Versorgung mit Primäraluminium. Hochfeste Speziallegierungen für Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigungsindustrie benötigen neues Metall. Recyceltes Aluminium kann diese Qualitätsanforderungen nicht in allen Anwendungen erfüllen.
Höhere Auslastung löst das Mengenproblem nicht
Die bisherigen Zölle haben die Auslastung der verbliebenen Anlagen erhöht, aber keine deutliche Ausweitung der Produktionsmenge bewirkt. Die US-Regierung bezifferte die Auslastung zuletzt auf 50,4 Prozent, verglichen mit 39 Prozent im Jahr 2017.
Der U.S. Geological Survey erfasste für 2025 sechs Primäraluminiumhütten mit einer Gesamtkapazität von 1,31 Mio. t. Zwei Anlagen waren vollständig ausgelastet, zwei arbeiteten mit verringerter Leistung und zwei waren vorübergehend stillgelegt. Damit produzierten praktisch nur vier Hütten Metall.
Die Primärproduktion sank von 889.000 t im Jahr 2021 auf geschätzte 660.000 t im Jahr 2025. Innerhalb von vier Jahren ging die Menge damit um rund 26 Prozent zurück. Eine höhere prozentuale Auslastung bedeutet deshalb nicht automatisch mehr verfügbares Metall.
Dem standen 2025 ein sichtbarer Verbrauch von 5,7 Mio. t und Importe von 4,4 Mio. t an Rohaluminium und Halbzeug gegenüber. Die Nettoimportabhängigkeit lag bei 60 Prozent. Zwischen 2021 und 2024 kamen 56 Prozent der Einfuhren aus Kanada, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 8 Prozent und Bahrain mit 4 Prozent. China erreichte einschließlich Hongkong lediglich 3 Prozent.
Das neue Programm senkt die Importkosten daher nicht für den gesamten Markt. Den niedrigeren Satz erhalten nur Unternehmen mit einem genehmigten Hüttenprojekt. Verarbeiter, Autobauer und andere Aluminiumverbraucher ohne eigene Investitionspläne müssen weiterhin Metall zum regulären Zollsatz beschaffen.
Oklahoma-Projekt wird zum ersten Test
Als naheliegender Kandidat gilt die geplante Hütte von Emirates Global Aluminium und Century Aluminum US1564311082 899867 in Inola im US-Bundesstaat Oklahoma. Century Aluminum teilte im Januar mit, dass Emirates Global Aluminium 60 Prozent und Century 40 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen halten sollen.
Die geplante Jahreskapazität beträgt 750.000 t. Das wäre mehr als die gesamte US-Primärproduktion des Jahres 2025. Der Baubeginn ist für Ende 2026 vorgesehen, die erste Produktion für das Ende des Jahrzehnts.
Akzeptiert das Handelsministerium die Produktionsannahmen des Projekts, könnte das Gemeinschaftsunternehmen rechnerisch bis zu 750.000 t Primäraluminium pro Jahr zum niedrigeren Satz importieren. Der Vorteil würde bereits während des Aufbaus der heimischen Kapazität wirken, während das zusätzliche US-Metall erst mehrere Jahre später auf den Markt käme.
Das Programm kann damit die Finanzierung großer Projekte verbessern. Es erlaubt den Betreibern, zunächst mit günstiger verzollten Importen Einnahmen zu erzielen und Kunden zu beliefern. Gleichzeitig bleibt die Vergünstigung an den Baufortschritt, Produktionsziele und staatliche Kontrollen gebunden.
Strom bleibt die entscheidende Hürde
Der Zollvorteil löst den größten Kostenfaktor einer Aluminiumhütte nicht. Die Herstellung einer Tonne Primäraluminium benötigt rund 14 MWh Strom. Eine Anlage mit 750.000 t Jahresleistung käme damit rechnerisch auf etwa 10,5 TWh pro Jahr.
In einer auf Investing.com veröffentlichten Analyse rechnet ING-Rohstoffstrategin Ewa Manthey von ING Groep damit, dass der US-Markt trotz der neuen Vergünstigung vorerst auf Importe angewiesen bleibt. Auch die Aufschläge für physisches Aluminium im Mittleren Westen dürften hoch bleiben.
Nach Berechnungen der Bank benötigen wettbewerbsfähige Hütten langfristige Stromverträge zu Preisen um 40 USD/MWh. Betreiber von Rechenzentren zahlen für langfristig gesicherte Energie dagegen teilweise mehr als 115 USD/MWh. Aluminiumproduzenten konkurrieren damit um dieselben Strommengen wie die schnell wachsende Rechenzentrumsbranche.
Die Tarifvergünstigung senkt eine Handelsbarriere, nicht aber die Strom-, Netz- und Baukosten. Kurzfristig bleibt die US-Aluminiumversorgung deshalb importabhängig. Ob das Programm neue Hütten hervorbringt, entscheidet sich vor allem daran, ob Investoren neben dem Zollvorteil auch langfristig bezahlbare Energie sichern können.

