Ghanas neuer Rohstoffkurs provoziert Bergbaukonzerne und Investoren
Ghana verschärft den regulatorischen Zugriff auf den heimischen Edelmetallsektor. Die Zentralbank Bank of Ghana fordert von den großen Bergbaukonzernen künftig eine Anhebung der Pflichtabgaben: Statt bisher 20 Prozent sollen die Unternehmen 30 Prozent ihrer jährlichen Förderung an den Staat abtreten. Die Bergbauindustrie warnt vor den ökonomischen Folgen. Jüngste Lizenzwiderrufe, verschleppte Konzessionsverlängerungen und ordnungspolitische Unwägbarkeiten drohen, das Investitionsklima nachhaltig zu belasten. Während der Staat seine Goldreserven forciert ausbaut, bangt die Branche um Kalkulierbarkeit und Eigentumsschutz.
Der Westafrikastaat rangiert als Afrikas größter Goldproduzent. Seit einer schweren Wirtschaftskrise versucht die Regierung in Accra, die Staatsreserven zu stärken, die Landeswährung Cedi zu stabilisieren und makroökonomische Puffer aufzubauen. Nach offiziellen Angaben der Zentralbank kletterten die Goldbestände bis Februar auf 19,2 Tonnen.
Die Zentralbank will mehr Gold im Land halten
Das staatliche Reserveprogramm wurde im Februar neu justiert. Bis 2028 visiert die Notenbank einen Zielbestand von 157 Tonnen Gold an. Diese Menge würde rechnerisch eine Importdeckung von rund 15 Monaten gewährleisten. Paul Bleboo, Leiter des Gold-Management-Programms der Zentralbank, betonte gegenüber der britischen Nachrichtenagentur Reuters. Die Behörde strebe eine Abquote von 30 Prozent der industriellen Förderung an. Die Lieferung muss vollständig in Form von Doré-Gold erfolgen – einer unraffinierten Legierung mit hohem Goldanteil.
Im vergangenen Geschäftsjahr verfehlte das Ankaufprogramm die Zielmarken. Die industriellen Erzeuger lieferten lediglich rund zehn Tonnen ab. Bei einer deklarierten Gesamtproduktion von circa 100 Tonnen entsprach dies einer Quote von zehn Prozent statt der vereinbarten 20 Prozent. Künftig fungiert das staatliche Handelsunternehmen GoldBod als zentrales Clearingorgan für sämtliche Exporte. Bei Direktexporten behält die Zentralbank die 30-prozentige Tranche in Doré direkt ein, um die Warenströme lückenlos zu überwachen.
Die fiskalischen Belastungen des Programms sind immens. Die Zentralbank wies für das Geschäftsjahr 2025 einen operativen Verlust von rund 15,6 Milliarden Ghana Cedi aus, was circa 1,37 Milliarden US-Dollar entspricht. Dem Jahresabschluss zufolge resultiert das Defizit primär aus den Kosten der geldpolitischen Straffung sowie dem kompromisslosen Reserveaufbau. Hierunter fallen insbesondere die Aufwendungen für die Goldkäufe.
Bei Preisen und Abschlägen verhärten sich die Fronten
Zentralbank-Vertreter Bleboo verteidigte die Preisabschläge beim Ankauf. Ein geplanter Abschlag von unter einem Prozent auf industriell gefördertes Gold sei durch die Kosten für Raffination, Logistik und Reinheitsprüfungen gedeckt. Die Bergbauunternehmen bewerten diesen Punkt hingegen als geschäftsschädigend.
Kenneth Ashigbey, Chef des Branchenverbands Ghana Chamber of Mines, bestätigte zähe Verhandlungen über die Preisfindung. Bislang steht eine Einigung aus. Nach Angaben aus Branchenkreisen lehnen die Konzerne volumenbasierte Abschläge ab. Zudem wehren sich die Betreiber gegen eine Nullbewertung von kommerziellen Nebenprodukten wie Silber.
Die Unternehmen drängen zudem auf großzügigere Übergangsfristen, da die operativen Budgets auf der alten 20-Prozent-Quote basieren. Parallel zu diesem Verhandlungskonflikt belasten neue rechtliche Unsicherheiten bei den Förderkonzessionen die Industrie.
Mehrere Lizenzfälle erhöhen den Druck auf die Branche
Konkret geht es um zwei präzedenzlose Vorgänge. Der Staat entzog dem lokalen Betreiber Adamus Resources die Betriebslizenzen aufgrund mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten. Gleichzeitig stockt das Verlängerungsverfahren für die strategisch bedeutsame Tarkwa-Mine von Gold Fields ZAE000018123 856777.
Das Vorkommen lieferte im vergangenen Jahr rund 427.000 Unzen Gold, die aktuelle Konzession läuft 2027 aus. Laut Branchenverband kamen die frühzeitigen Verlängerungsgespräche zum Erliegen. Der Verband warnt, dass solche Verzögerungen das Vertrauen in die Rechtssicherheit von Bergbaurechten in Ghana nachhaltig untergraben.
Bereits im Vorjahr verweigerten die Behörden die Verlängerung der kleineren Damang-Lizenz von Gold Fields. Die Konzession wurde an das heimische Konsortium Engineers & Planners übertragen. Zusätzlichen Druck erzeugt der ghanaische Thinktank Institute for Economic Affairs. Die Denkfabrik empfiehlt, auch die Tarkwa-Lizenz an lokale Betreiber zu vergeben.
Gold Fields verweigerte eine Stellungnahme. In Branchenkreisen heißt es, das Management sei angesichts der gescheiterten Gesprächstermine mit Regierungsvertretern hochgradig besorgt. Das ghanaische Bergbauministerium und die staatliche Bergbaubehörde ließen Anfragen unbeantwortet.
Der Fall illustriert ein klassisches Dilemma rohstoffreicher Schwellenländer. Ghana versucht in einer Phase anhaltend hoher Metallpreise, die inländische Wertschöpfungstiefe und die staatliche Kontrolle zu maximieren. Ein rücksichtsloses Durchsetzen dieses Kurses erhöht für ausländische Direktinvestoren jedoch die regulatorischen Risiken. Steigende Abgabenlasten und schwindende Rechtssicherheit könnten den Rohstoffboom abrupt bremsen.

