Wenn der Rohstoff teurer ist als das fertige Metall

Wenn der Rohstoff teurer ist als das fertige Metall picture alliance / dpa / Kozhevnikov Denis

Kongos Exportquoten für Kobalthydroxid haben den globalen Raffineriebetrieb in eine Materialknappheit getrieben, die sich seit März in einem historisch beispiellosen Preismuster niederschlägt: Der Preis, den Schmelzbetriebe für das Rohmaterial zahlen, hat den Preis des daraus gewonnenen Kobaltmetalls erreicht. Laut Fastmarkets ist das in Daten zurück bis 2019 nie zuvor vorgekommen.

Die Demokratische Republik Kongo liefert rund drei Viertel des weltweiten Kobalthydroxids. Anfang 2025 verhängte die Regierung zunächst ein vollständiges Exportverbot, das sie im September durch ein Quotensystem ersetzte. Seither läuft die Liefermenge auf gedrosseltem Niveau. Der Preis für Kobalthydroxid vervierfachte sich im Verlauf des vergangenen Jahres, der für raffiniertes Kobaltmetall stieg laut dem Cobalt Institute um 130 %. Im laufenden Jahr sind die Metallpreise weitgehend stabil geblieben, was Analysten auf gedämpfte Nachfrage und die zuvor bestehende Überversorgung des Marktes zurückführen.

Ersatzmaterial wird knapp und teurer

Chinesische Raffineure, in die der größte Teil des kongolesischen Hydroxids fließt, suchen verstärkt nach Ausweichmaterialien. Dazu gehören sogenanntes "Black Mass" – gemahlene Altbatterien – sowie recyceltes Kobaltmetall, das aufgelöst und wiederaufbereitet wird. Eine weitere Alternative ist Mixed Hydroxide Precipitate (MHP), ein Nickel-Kobalt-Vorprodukt. Dessen Produktion dürfte in diesem Jahr jedoch sinken, weil der Krieg gegen Iran zu einem globalen Engpass bei Schwefelsäure geführt hat, die für die MHP-Herstellung benötigt wird.

Andries Gerbens, Handelsdirektor bei Darton Commodities, sprach von einem "klaren Mangel an Einsatzmaterial". Die Nachfrage nach MHP sei zwar spürbar gestiegen, doch auch dessen Verfügbarkeit sei nun eingeschränkt. Tony Southgate, Händler bei Stratton Metals, sagte, er habe unterspezifiziertes Material, das Raffineure normalerweise ablehnen würden, zu einem "sehr guten Preis" verkauft; der Käufer habe nicht einmal auf eine Warenprobe gewartet.

Raffineure operieren nahe der Verlustgrenze

Das Unternehmen Jervois Global, das nach eigenen Angaben eine der größten Kobaltraffinerieanlagen außerhalb Chinas betreibt, erklärte, seine Rentabilität sei "aktuell erheblich beeinträchtigt". Sami Kallioinen, Präsident von Jervois Finland, nannte die Materialbeschaffungssituation "beschränkt" und verwies auf aktive Bemühungen, alternative Rohstoffquellen zu erschließen. Laut Olivier Masson von Fastmarkets sind die aktuellen Preise für Hydroxid, Black Mass und andere Substitute "nicht nachhaltig – die Zahlen gehen für Schmelzer nicht auf".

Weil das Abschalten einer Raffinerie kostspielig und zeitaufwendig ist, sind einige Betreiber bereit, vorübergehend Verluste in Kauf zu nehmen, um Kundenverträge zu bedienen. Thomas Matthews vom Forschungsunternehmen CRU erwartet, dass die eingeschränkte Verfügbarkeit von Kobalthydroxid und die gedrosselte chinesische Produktion mittelfristig zu einer Konsolidierung der Raffineriekapazitäten in China führen werden.

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Batteriechemie unter Druck

Die Engpasssituation beschleunigt einen Trend, der sich schon länger abzeichnet: NMC-Batterien (Nickel-Mangan-Kobalt, ein verbreiteter Akkutyp für Elektrofahrzeuge) verlieren Marktanteile. Kwasi Ampofo, Leiter Metalle und Bergbau bei BloombergNEF, führte das auf steigende Preise für Kobalt und Nickel sowie auf eingeschränkten Rohstoffzugang zurück. Morgan-Stanley-Analysten notierten im Mai, LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat, kobaltfrei) seien günstiger und weniger anfällig für Kobalt- und Nickelversorgungsrisiken. Ob und in welchem Tempo Batteriehersteller Kobalt aktiv aus neuen Zelldesigns heraushalten, bleibt offen.