Zweifel sind nicht erlaubt: Der Rohstoff Uran hat eine strahlende Zukunft. „Es ist schwierig, ja fast unmöglich, in Deutschland das Thema Uran zu platzieren“, sagen Asset Manager, mit denen ich in Köln im November beim Abendessen zusammensitze und die Weltlage diskutiere. „In der Öffentlichkeit sind die Themen Uran und Atomkraft extrem negativ besetzt“, sagen sie. Ich berichte, eine befreundete engagierte Anleger-Gruppe aus London habe seit September wieder Engagements in Uranaktien aufgebaut. „Mutig, sehr mutig….”, blickt B. skeptisch drein. Der Markt jedoch lässt kaum Skepsis zu; denn Uranaktien sind gefragt.

Salamanca 20.12.2016

suche nach Uran Udo Rettberg

Suche nach Uran in Spanien, in der Nähe von Salamanca – Foto: Udo Rettberg

Ich verstehe sehr wohl, wovon meine Diskussionspartner an diesem Abend in Köln sprechen. Denn als ich mit einem fachkundigen Kollegen im Dezember 2003 eine Zukunfts-Story zum Welt-Uranmarkt recherchiert und dann auch zur Veröffentlichung in der Zeitung angeboten hatte, erfuhren wir durch die Redaktions-Kollegen – angebliche Fachleute von der Börsen- und Energieseite – nicht nur Unverständnis und Kopfschütteln, sondern mit Hinweis auf das „Teufelszeug Uran“ und die zuallererst in Deutschland bestehende negative Stimmung gegenüber Atomkraft auch eine heftige verbale Abfuhr. „So ein Schwachsinn”, war einer der Fachkollegen seinerzeit nicht zur eigenen verbalen Kontrolle fähig.

Angeblich interessiere das Thema absolut niemanden unter den Lesern, erklärte er mir besserwisserisch. Klar – die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 hatte Angst und Schrecken verbreitet – nicht nur in Deutschland, sondern rund um den Globus. Die Kollegen waren beim geforderten Blick nach vorn aber nicht in der Lage, die globale Brille aufzuziehen. Während Deutschland auch wegen der Energiewende der Kanzlerin fast ausschließlich auf das grüngefärbte Spektrum aus erneuerbaren Energieträgern setzte, übten sich ausländische Experten bereits im Energie-Realismus.

Uranpreis

Uranpreis U308 – Chicago Mercantile Exchange

Damals im Jahr 2003 lag der Preis für Uran U308 bei 12,5 $/lb, nachdem er kurz zuvor unter die Marke von 10 $/lb gefallen war. Heute werden zwischen 22 und 23 $/lb für diesen Energie-Rohstoff bezahlt. Doch nicht nur das: Was Leser der erwähnten Zeitung zwischen 2003 und 2007 verpasst hatten, war die Renaissance von Uran sowie ein Preisanstieg für U308 bis auf das Rekordniveau von ca. 140 $ Mitte 2007. Entsprechend positiv entwickelten sich seinerzeit auch die Aktien von Uranproduzenten, deren Kurse sich vervielfachten. So ein Pech für die Anleger dieser deutschen Zeitung; denn an ihnen ging dieser Höhenflug vorbei.

In diesem Kontext erinnere ich mich auch an einen rund 15 Jahre zurückliegenden Besuch eines Uranprojekts in Namibia, bei dem ich erweiterte Eindrücke über den Energie-Rohstoff Uran sammelte. Namibia ist immer. sechstgrößtes Uran-Produzentenland in der Welt. Viele Unternehmen haben hier in Afrika in der Vergangenheit ihre Claims abgesteckt und lassen sich – trotz der engen historischen Bindung zu Deutschland und der dort herrschenden Skepsis – nicht von ihrem Weg abbringen. Und jetzt hatte ich im Dezember Gelegenheit, bei einem Besuch in Spanien in der Nähe von Salamanca (nur wenige Kilometer von der portugiesischen Grenze entfernt) die Uran-Lagerstätten von Berkeley Energia (BKY.AX – 1,00 a$) unter die Lupe zu nehmen. Hierüber werde ich in Teil 2 dieser Serie berichten.

Klar, dies ist ein sehr schwieriges Unterfangen: Das weltweite Energie-Angebot muss wegen der Digitalisierung, wegen Big Data und der e-Mobility einerseits kräftig gesteigert werden, während gleichzeitig auf der anderen Seite auch der ökologische Schutz des Planeten im Vordergrund stehen muss. Die globale Produktion an Nuklearenergie betrug im Jahr 2015 rund 2535 TWh. Dafür war der Einsatz von rund 65 220 t Uran notwendig. Soll der globale Anstieg der Temperaturen auf weniger als 2 % reduziert werden (wie von der IEA empfohlen), wird das Angebot an Uranenergie bis zum Jahr 2040 auf 6101 TWh gesteigert werden müssen. Das würde auch den Uranpreis in die Höhe schießen lassen. Derzeit wird das globale Energie-Angebot zu 20 % aus Wasserkraft, zu je 18 % aus Atomkraft und Windkraft und zu 9 % aus Solarenergie gespeist. Auf den fossilen Energieträger wie Gas entfallen16 %. Der Anteil der Kohle ist unter CO2-Aspekten noch immer viel zu hoch.

Uran kommt in der Diskussion als „grüner Energieträger“ immer mehr in die Diskussion – und zwar positiv. Ein Blick zurück: Richtig ist, dass die zwischen 2005 und 2007 aufgeflammten Hoffnungen der Uran-Freaks wegen der 2011er Katastrophe von Fukushima in sich zerfielen. Klar: Investments in den Rohstoff Uran sind eine risikoreiche Kapitalanlage, die sehr viel Geduld und nicht zuletzt auch Mut erfordert. Aber: Die atomenergie-resistenten Deutschen können sich drehen und wenden wie sie wollen: Weltweit ist ein starkes Wachstum der Nuklearbranche vorgezeichnet. Denn andere Länder teilen die „deutsche Vorsicht“ nicht. Dafür sprechen die reinen Fakten über Angebot und Nachfrage. Während Deutschland auch Atomenergie aus dem Ausland exportiert und heimische Kraftwerke stilllegt, setzen weiter viele Länder – so u.a. China – in ihrer Stromproduktion sehr stark auf Nuklearenergie und damit auf den Rohstoff Uran.

Wer glaubt, dass die Atomkraft nach den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima vor dem Aus steht, der sollte die Lupe zur Hand nehmen. Heute sind weltweit 442 Nuklearreaktoren aktiv – mehr als jemals zuvor. Doch nicht nur das: Zudem werden 65 Atomkraftwerke neu gebaut, weitere 165 befinden sich in der konkreten Bauplanung und 331 weitere sind für die Zukunft vorgesehen. Was immer der einzelne Anleger über Uran auch denken mag – die Fakten liegen auf der Hand: Die Nachfrage nach diesem energetischen Metall wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen. Der globale Verbrauch sollte sich vor dem Hintergrund der geplanten Ausweitung der Kapazitäten um rund 20 % erhöhen.

DIE TOP-URANPRODUZENTEN

  1. Kasachstan – 23.800 t
  2. Kanada – 13.325 t
  3. Australien – 5.672 t
  4. Niger – 4.057 t
  5. Russland – 3.055 t
  6. Namibia – 2.993 t
  7. Usbekistan – 2.385 t
  8. China – 1.616 t
  9. USA – 1.256 t
  10. Ukraine – 926 t

Das Problem

Die Uranproduzenten haben vor dem Hintergrund der negativen politischen Haltung und der schwachen Preise sowohl ihr Uran-Angebot als auch die Minen-Aktivitäten deutlich reduziert. Und so droht eine Angebotslücke. Und das wiederum heißt: Die Uranpreise dürften in den kommenden Jahren kräftig in die Höhe schießen. David Wang, Analyst von Morningstar, geht davon aus, dass sich der Preis in den nächsten zwei Jahren verdoppeln wird. Wer die Preisexplosion früherer Zyklen – z.B. zwischen 2006 und 2009 – in Erinnerung hat oder diese Zeiten vielleicht sogar selbst miterlebt hat, der wird eine solche Prognose wohl eher als zu niedrig betrachten. Denn damals hatten sich die Preise für Uran und seine Produkte innerhalb nur weniger Jahre in etwa versiebenfacht.

Die Risiken

Ist Atomkraft wirklich die sicherste und umweltfreundlichste Energie, wie uns von vielen Seiten eingehämmert werden soll? Vor dem Hintergrund der Katastrophen vergangener Jahre muss diese Frage mit ziemlicher Sicherheit mit „nein“ beantwortet werden. Zweifel sind nicht zuletzt mit Blick auf das ungelöste Problem bei der Endlagerung von Brennelementen erlaubt. Ich bleibe bei meiner seit rund zwei Dekaden geäußerten Meinung.Die deutsche Regierung sollte den Ausbau der Atomkraftwerkskapazitäten zwar nicht vorantreiben, aber auf der anderen Seite auch die Forschung in Fragen der Sicherheit und Lagerung von Atomabfällen nicht völlig einstellen. Denn gerade deutscher Erfindergeist und deutsches Ingenieurswissen könnten zu Lösungen dieser Fragen beitragen. Denn der Mensch – so eine meiner Thesen – war bisher meist in der Lage, Lösungen für bestehende Probleme zu finden. Sieht man einmal von den ungelösten Problemen ab, die der Mensch mit sich selbst hat. Sowohl hierzu als auch in der Frage der Nuklearenergie sind halt erhöhte Forschungsanstrengungen notwendig.

Teil 2 dieser Serie über Uran beschäftigt sich mit dem Uranproduzentenland Spanien und der dort seit Jahren aktiven Gesellschaft Berkeley Energia.

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