Kolumne von Ingrid Heinritzi

Interview mit Nick Holland: Chancen auch mit Ressourcen-Nationalismus

Nick Holland gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten im internationalen Bergbau. Der Vorstandschef des Gold-Konzerns Gold Fields aus Südafrika tritt unter anderem für eine faire Verteilung der Vorteile aus dem Bergbau ein. Wie Volkswirtschaften und Unternehmen davon profitieren können, erklärt der Bergbau-Manager im Interview.

Sinkende Rohstoffpreise und steigende Abbaukosten belasten die Bergbaugesellschaften auf der einen Seite. Vor der anderen Seite drohen höhere Ansprüche von Regierungen über Steuer- und Abgabenerhöhungen sowie größere Staats-Beteiligungen an Projekten. Vor diesem Hintergrund kehren viele Geldgeber der Minenbranche den Rücken. Nick Holland, CEO von Gold Fields, einem der Top-Goldproduzenten der Erde, tritt dafür ein, dass der Bergbau als eine der tragenden Säulen vieler Länder wieder mehr Wert und Anerkennung erfährt.

Frage: Nick, rund um den Globus versuchen Regierungen höhere Steuern und Abgaben von Bergbaugesellschaften heraus zu pressen. Zudem wollen die Staaten größere Beteiligungen an den Projekten. Kann das für private Minengesellschaften noch gut gehen?

Nick Holland: Sehen Sie Ingrid, der Kuchen, der im Rohstoffsektor verteilt werden kann, ist riesig. 40 Länder rund um den Globus sind als Rohstoff reich klassifiziert. Diese umfassen die BRICS-Länder, also Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, wo die Minenindustrie zusammen etwa 2 Prozent ihres BIP ausmacht. Das waren 2010 immerhin rund 200 Milliarden US-Dollar. Bei den Top-7 Rohstoff-Ländern der Erde, Ghana, Sambia, Australien, Papua Neuguinea, Peru, Chile und Ukraine sind es 9 Prozent des BIP. Das sind zusätzliche 170 Milliarden US-Dollar.

Frage: Doch nicht allein der direkte Effekt ist es….

Nick Holland: Genau. Der Bergbau hat einen signifikanten Multiplikatoreffekt auf die Wirtschaft. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass es sich in den meisten aufstrebenden Ländern um einen Faktor von 2 bis 3 handelt. Zählen wir diesen Multiplikatoreffekt hinzu, steuert ein lediglich 1 Prozent höheres direkt durch Bergbau erarbeitetes BIP etwa 9 Milliarden US-Dollar jährlich für die gerade genannten 12 Länder hinzu.

Frage: Und das langfristig…

Nick Holland: Genau. Zusammengefasst über fünf Jahre ergibt dies für die 12 Länder etwa 45 Milliarden US-Dollar. Auch für den Arbeitsmarkt ist der Impuls enorm. So unterstützt etwa in Ghana ein Bergbau-Job zirka 28 weitere Arbeitsplätze und Auskommen im Land. In Peru sind dies immerhin auch noch 19. In Südafrika, so die Chamber of Mines, steht der Bergbau für 1,4 Millionen direkte, indirekte und davon induzierte Jobs. Und von jedem dieser Arbeitsplätze sind im durchschnitt 9 Menschen im Land abhängig. Oft sind in den Bergbauländern ganze Gemeinden von der Förderung der Rohstoffe abhängig.

Frage: Dann sollten doch Staaten und Unternehmen an einem Strang ziehen.

Nick Holland: Das ist vollkommen richtig. Denn derzeit stagniert die Bergbauindustrie. Der Kuchen wird sogar kleiner. Derzeit sind die Investoren, die Kapital für die Minen zur Verfügung stellen, frustriert. Auf der einen Seite reduzieren die Staaten durch Steuern und andere Auflagen ihren Anteil am ohnehin schon schrumpfenden Kuchen. Auf der anderen Seite hat die Bergbauindustrie wenig für die Kapitalgeber, die viel Geld über viele Jahre bereit gestellt haben, vorzuweisen. Viele dieser Investoren haben den Sektor verlassen und geben kein neues Kapital mehr, was zu Stilllegungen von existierenden Projekten und dem Nicht-Erschließen neuer Projekte führt.

Frage: Was ist also zu tun?

Nick Holland: Wollen wir, dass das Kapital in den Sektor zurückkehrt und der Kuchen wieder wächst, brauchen wir tatsächlich eine neue Herangehensweise. Ein Anfang ist natürlich, die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen, dass sich Investments für alle lohnen.

Frage: Was sind die wichtigsten Voraussetzungen dafür?

Nick Holland: Als aller erstes eine Partnerschaft zwischen Regierungen und Bergbaugesellschaften, die besser im Stande sind, Rohstoffvorkommen zu entwickeln und eine gute Zusammenarbeit auf sozialer Ebene pflegen. Natürlich muss ein wettbewerbsfähiges Steuer- und Abgabensystem sein, dass den Investoren akzeptable Risiko-gewichtete Renditen übrig lässt. Durch die aber auch die Länder an einer positiven Entwicklung partizipieren. Es muss dafür gegeben sein, dass alle Kosten und Erträge des Bergbaus, dazu zählen soziale, umwelttechnische und wirtschaftliche Aspekte, in die Wertermittlung von Projekten einfließen. Es bedarf eines stabilen rechtlichen und regulatorischen Umfelds, um die Risiken zu reduzieren. Wichtig ist auch, dass nicht potenziell gute Rohstoffvorkommen unbearbeitet bleiben. Das kann durch ein fair gehandhabtes Prinzip des "bearbeite es oder du verlierst es" erreicht werden.

Frage: Kann dies alles zusammen denn schnell umgesetzt werden?

Nick Holland: Oh ja, Ingrid. Es gibt bereits Länder in denen dieses Model erfolgreich in der Praxis umgesetzt wird. Beispiele sind Chile, Peru und Botswana.

Frage: Dann bleibt zu hoffen, dass sich bald auch in anderen Ländern alle Beteiligten an einen Tisch setzen…

Nick Holland: Ja. Wir bei Gold Fields favorisieren sehr stark, dass die Vorteile des Bergbaus besser zwischen Regierungen und Minenindustrie verteilt werden. Heutzutage ist die Norm in vielen Ländern geworden, dass die Gewinne im Bergbau schrumpfen. Doch ein wachsender Kuchen im Bereich des Bergbau wäre für viele Länder gar nicht so schwer zu erreichen.

Besten Dank Nick.

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