Westliche Investoren setzen bei Gold häufig auf ETFs. Anleger in Asien schätzen hingegen das reine Gold, sie bevorzugen meist Goldmünzen oder Goldbarren. Münzprägeanstalten auf der ganzen Welt stöhnen über den Andrang auf ihre Produkte. Selbst 24-Stunden-Schichten helfen bisweilen nicht mehr, die „Mints“ können die Nachfrage der Kunden kaum noch erfüllen.

Große Mengen des physischen Goldes gehen nach Asien. Indien und China sind dabei die Hauptabnehmer. Das Problem in China ist, dass offizielle Stellen kaum oder keine Daten zu den Goldeinfuhren publizieren. Man ist auf die Statistiken der Nachbarn, vor allem aus Hongkong, angewiesen. Besonders schweigsam ist die Notenbank der Chinesen. Dort hat man zuletzt 2009 etwas über den vorhandenen Goldschatz gesagt. Damals hatte man rund 1.000 Tonnen in den Tresoren der Bank. Danach herrschte nur noch Schweigen. Zwar werden die Chinesen die Amerikaner als größte Goldmacht noch nicht überholt haben, man kann jedoch davon ausgehen, dass die 1.000 Tonnen Gold längst eine maßlose Untertreibung sind.

Das Statistikamt von Hongkong ist in dieser Hinsicht auskunftsfreudiger. Dort erfährt man, dass von Hongkong aus im vergangenen Jahr 1.108,8 Tonnen Gold ins Mutterland China exportiert wurden. Damit hat sich die Menge im Vergleich zum Vorjahr rund verdoppelt.

Wie sehr gerade China derzeit auf Gold heiß ist, zeigt sich auch an einem anderen Beispiel. In China aber auch in Hongkong und Singapur müssen mehr und mehr Lagerstätten für Gold gebaut oder erweitert werden. In Singapur muss Brink’s, ein Spezialist für die Lagerung von Edelmetallen, sein Gebäude nach oben ausbauen, um die Goldmengen sicher lagern zu können. Erst 2012 wurde das Gebäude in der Nähe des internationalen Flughafens eröffnet, schon jetzt ist es zu klein. Im März wird Brink’s in Singapur zudem eine weitere Lagerstätte eröffnen, da der Bedarf entsprechend groß ist. Auch in Hongkong muss Brink’s die Kapazitäten ausbauen. Andere Gesellschaften machen ähnliche Erfahrungen. Welche Lagerkapazitäten dabei benötigt werden, zeigt sich in Shanghai. Dort hat im November ein Sicherheitslager für Gold eröffnet, das eine Kapazität von 2.000 Tonnen hat. Es dürfen Wetten abgeschlossen werden, wann auch dieses ausgebaut werden muss.

Denn der Hunger der chinesischen Mittelschicht nach Gold ist unverändert. Mehr und mehr Banken erhalten die Lizenz, Gold im Land zu verkaufen. China ist inzwischen auf der Verbraucherseite der weltweit größte Nachfrager und hat Indien vom Spitzenplatz gedrängt. Doch der Kampf zwischen den beiden asiatischen Nationen geht in die nächste Runde. Auch in Indien setzt sich der Trend zum Gold fort. Selbst die hohen Steuern der Regierung und die Aufschläge auf dem dortigen Goldmarkt haben die Nachfrage kaum bremsen können. Von September 2012 bis September 2013 hat die Einfuhr nach Indien, so der World Gold Council, dennoch um 24 Prozent auf 977 Tonnen zugelegt. China meldet für diesen Zeitraum sogar ein Plus von 30 Prozent auf 996 Tonnen. Und für 2014 stehen die Zeichen nicht schlechter, der niedrige Goldpreis verleitet zu weiteren Käufen.

Nicht vergessen sollte man dabei eine andere Region in Asien: Die Staaten rund um den Persischen Golf. Dubai entwickelt sich zum neuen Hotspot für Gold, das sieht man nicht nur in den Einkaufszentren rund um den Flughafen. Rund 25 Prozent des physischen Goldes werden dort gehandelt, das ist mehr als nur eine Duftmarke. In den vergangenen Jahren hat sich die Nachfrage in der Region verachtfacht. Die Ölscheichs, so sehr es nach Klischee klingt, wollen ihren Reichtum nicht nur in Dollar und Immobilien festlegen. Gold ist für sie eine lukrative Alternative.