Ian Gordon, Gründer und Chef der Longwave Group, ist ein gefragter Redner und Autor. Seine Wirtschaftsprognosen, die er vor allem auf Basis der Kondratjew-Zyklen trifft. Und selbst wenn nicht alles so eintreffen wird, wie Gordon es für den Goldpreis und den Aktienmarkt vorhersagt, so geben seine Äußerungen im Interview mit „The Gold Report“ interessante Denkanstöße für die Kursentwicklungen in diesem Jahr.

Nachdem 2011 die Waage an der Börse weg vom Gold und hin zu den Aktien ausschlug, die seitdem eine fulminante Hausse mit Rekordkursen erlebt haben, erwartet Gordon für 2014 eine erneute Trendwende. Für den Aktienmarkt rechnet der Experte mit fallenden Kursen. Die Argumente sind nicht besonders neu: Vor allem dass die Fed ihr Quantitative Easing eindampfen muss, sieht Gordon als Bedrohung für die Aktienkurse des breiten Marktes an. Weitere Stimulationsmöglichkeiten hat die US-Notenbank nicht mehr. Die Zinsen sind bereits unten und der Dollar wird angesichts der QE-Politik zunehmend geschwächt. Kommt es zu einer Wende am Aktienmarkt nach unten, wäre keine Unterstützung für die Kurse seitens der Notenbanken mehr zu erwarten.

Anders schätzt Gordon die Lage für den Goldpreis ein. Der Analyst erwartet einen mehrjährigen Preisaufschwung bei der Feinunze, der in diesem Jahr beginnen soll. Für die Branche wäre dies eine willkommene Erleichterung, nachdem die Feinunze seit 2011 von 1.921 Dollar auf 1.180 Dollar abgestürzt war – und dies unter teils fragwürdigen Umständen.

Wie schon einige andere Marktbeobachter geht auch Gordon davon aus, dass am Goldpreis von interessierter Seite seit geraumer Zeit manipuliert wird. In Verdacht hat der Experte die USA – und das macht durchaus Sinn: Dollar und Gold gelten an der Börse als Gegenspieler. Ein schwacher Goldpreis ist positiv für den Dollar, er signalisiert geringe Probleme. Kein Wunder also aus Sicht der Anhänger dieser Theorie, dass den USA der enorm hohe Goldpreis 2011 ein Dorn im Auge gewesen sein dürfte.

Beweisen lassen sich die Manipulationen nicht, doch auffällige Indizien lassen aufhorchen. Da ist vor allem der enorme Druck, der von Seiten der Terminbörse auf den Goldpreis ausgeübt wird. Zugleich befindet sich die physische Nachfrage vor allem aus Asien auf Rekordkurs. Das passt nicht zusammen, argwöhnen einige Goldbeobachter schon seit langem. Ob dahinter mehr als eine Verschwörungstheorie steckt, bleibt allerdings abzuwarten.

Ein klares Argument für einen steigenden Goldpreis wäre allerdings die Währungskrise, die Gordon erwartet. Der Dollar ist ohnehin durch die enorm expansive Fed-Politik geschwächt und der Euro ebenfalls alles andere als sicher. Gordon weist auf die taumelnden europäischen Staaten hin, nennt hier vor allem Frankreich und Italien als Beispiel – beides Staaten der G8-Gruppe, die weite Teile des Welthandels auf sich vereinigt. Das zeigt die Dimension des möglichen Problems, das als Damoklesschwert über der Weltwirtschaft hängt und bei den Währungen zu einer massiven Vertrauenskrise führen könnte.

Hinzu kommt, dass Gordons Einschätzung zufolge auch die typischen Zyklen für einen neuen Aufwärtstrend beim Goldpreis und fallende Kurse am Aktienmarkt sprechen. Dies wäre die Basis für steigende Kurse auch bei anderen Edelmetallen und den entsprechenden Rohstoffaktien des Sektors.