Interessante Entwicklungen kündigen sich bei Australian Vanadium Ltd. (ASX: AVL, ISIN: AU000000AVL6; WKN: A2ABRH) an. Der australische Vanadium-Entwickler führt Gespräche mit einem potentiellen Abnehmer und Servicepartner aus Fernost. Einer aktuellen Meldung nach sollen noch diesen Monat Meetings stattfinden, bei denen die weitere Klärung technischer und organisatorischer Details im Mittelpunkt steht. Vorab unterzeichneten die Australier bereits die Absichtserklärung mit Yanshan Vanadium Titanium aus China.

Dabei handelt es sich ganz korrekt um das „Hebei Vanadium Titanium Industrial Technology Research Institut“ (im Folgenden: „Yanshan Vanadium Titanium“) in der Provinz Hebei. Das ist eine Tochtergesellschaft der chinesischen HBIS Group Chengsteel Company, des drittgrößten Vanadium-Produzenten der Welt. Yanshan Vanadium Titanium ist ein  hochinteressanter möglicher Partner für Australian Vanadium. Sein Geschäftsgegenstand ist die Koordination und Kommerzialisierung von Innovationen in Forschung und Entwicklung in der Stahlindustrie.

Handel und Kooperation im Fokus

Die Unterzeichnung der Absichtserklärung markiert den Beginn der möglichen Zusammenarbeit zwischen Australian Vanadium und HBIS. Die Vereinbarung zielt auf mögliche Käufe und Investitionen seitens der Chinesen in das Flaggschiffprojekt des Unternehmens aus Perth und die Unterzeichnung eines verbindlichen technischen Dienstleistungsvertrags ab.

Die Absichtserklärung besagt vorerst, dass beide Parteien ein Interesse daran haben, einen verbindlichen Handel und eine zugehörige Verkaufsvereinbarung zu diskutieren. Die Vereinbarung ist aber unverbindlich und markiert zunächst die Rahmenbedingungen für die Diskussion.

Details der Absichtserklärung

Australian Vanadium wird Yanshan Vanadium Titanium Produktmuster zur Verfügung stellen, damit diese Tests unterzogen werden können. In der Folge sollen dann Produktspezifikationen, Preise und Liefermengen genauer ausgehandelt werden. Die Absichtserklärung als vorerst unverbindliches Dokument liefert die Struktur für die weiteren Gespräche. Yanshan Vanadium Titanium hat derweil bereits online bei Australian Vanadium begonnen, die Informationsoffenlegung über das Unternehmen und das Projekt zu sichten.

Reisepläne stehen für Januar an

Nun stehen gegenseitige Besuche auf der Agenda: Australian Vanadium-Geschäftsführer Vincent Algar und Betriebsdirektor Todd Richardson reisen in den nächsten Tagen nach Chengde in  China, um dort die technischen Fragen und Abnahmeverträge zu diskutieren und eine formelle Einigung auszuhandeln. Ein Gegenbesuch der HBIS-Geschäftsführung in Western Australia ist ebenfalls bereits in Planung.

Eingeleitet wurde die sich anbahnende Geschäftsbeziehung bereits im vergangenen Jahr, verriet Algar in einer Mitteilung. Damals waren Australian Vanadium-Vertreter von Yanshan Vanadium Titanium zur Teilnahme an einer Konferenz in Hebei eingeladen worden; eine Begegnung, die schon im Vorfeld zu äußerst produktiven Gesprächen führte.

Neue Verfahren und Services

Neben der Abnahme von Vanadium-Produkten werden außerdem mögliche technische Dienstleistungen für das Australian Vanadium Projekt in Betracht gezogen. So hat HBIS ein innovatives Verfahren entwickelt, bei dem Vanadium durch Salzschmelze extrahiert werden kann – und das bei deutlich reduziertem Abfall.

Yanshan Vanadium Titanium bekundet großes Interesse daran, das Verarbeitungsdesign für das Vanadium-Projekt bei Meekatharra zu unterstützen. Mögliche Verbesserungen des Produktionsprozesses wurden bereits vorab von den chinesischen Interessenten angeregt.

Börse reagiert mit Satz nach oben

Auf den Aktienkurs von Australian Vanadium hatte die Nachricht von der Absichtserklärung postwendend positive Auswirkungen: Im frühen Handel stieg der Preis sprunghaft um 14,3 Prozent auf 0,012 AUD beziehungsweise einen 20-Prozent-Anstieg auf 0,012 USD.

Stahl und Elektrolyte aus Hebei

Mit ihren 120.000 Mitarbeitern gehört die HBIS Chengsteel in der nordchinesischen Provinz Hebei zu den weltweit größten Stahlherstellern und ist der drittgrößte Vanadium-Produzent der Welt. In den Werken werden jährlich 15.000 Tonnen Vanadiumpentoxid hergestellt. Als Ausgangsmaterial dient Schlacke, die bei der Eisenherstellung aus vanadiumhaltigem Titan-Magnetit aus Lagerstätten in Hebei anfällt. Zu den nennenswerten Projekten aus jüngerer Vergangenheit gehört unter anderem die Lieferung von 240.00 Tonnen vanadium-haltiger Bewehrungsstäbe. Aufgrund ihrer erdbebenabfedernden Funktion wurden diese  für die sogenannte Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke benötigt: Eine spektakuläre Straßenverbindung mit Brücken inklusive einem fast sieben Kilometer langen Tunnel im Meeresboden, die seit Oktober 2018 für den Straßenverkehr offen steht.

Hohes Interesse an zusätzlichem Vanadium

Die HBIS Group hat somit einen hohen Bedarf an Vanadium, sowohl für Produkte für den Hochbau, Aluminiumlegierungen für Luft-und Raumfahrt sowie als Elektrolyt für Vanadium Redox Flow-Batterien. Sind die Verhandlungen mit Australian Vanadium von Erfolg gekrönt, besteht die Aussicht, dass die australischen Vanadium-Produkte in den Chinesen einen Direktabnehmer finden und Investitionsmöglichkeiten in dem Projekt geschaffen werden. Australian Vanadium reduziert damit zusätzlich Risiken für sein großes Paradeprojekt.

Großprojekt sorgt für Prestige

Dass das Vanadium-Projekt in Western Australia international Interesse erregt, ist nicht verwunderlich: Im  September 2019 wurde  das Unternehmen von der australischen Regierung offiziell in den Rang eines Großprojektes erhoben. Mit dieser Einschätzung gewinnt das Unternehmen eine formelle Anerkennung, trägt es doch zu Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätzen und nicht zuletzt dem industriellen Ansehen der Region bei. All das führt zur Reduzierung bürokratischer und regulatorischer Hürden.

Das hochgradige Vanadium-Projekt meldet laut australischem JORC-Code aktuell eine  nachgewiesene Reserve von 9,82 Mio. t bei 1,07% V2O5 und eine wahrscheinliche Reserve von 8,42 Mio. t bei 1,01% V2O5. Unternehmensziel ist die Entwicklung einer Vor-Ort-Produktion für hochreine Elektrolyte für Vanadium-Redox-Flow-Batterien; die Vermarktung erfolgt über die Tochtergesellschaft VSUN Energy Pty Ltd.