Cove Kaz beendet Fusionsplan mit Skyline vor US-Börsenstart
Nach dem Ende der geplanten Fusion mit Skyline strebt Cove Kaz im ersten Halbjahr 2027 eine Direktnotierung an einer großen amerikanischen Börse an. Aus einer neuen Kapitalzusage über 32 Mio. USD leitet die Gesellschaft einen rechnerischen Eigenkapitalwert von 1,97 Mrd. USD ab.
Wolframvorhaben als wirtschaftlicher Maßstab
Hinter dem Milliardenwert steht bislang ein Bergbauprojekt ohne laufende Produktion. In der zentralkasachischen Region Karaganda entwickelt Cove Kaz die Wolframlagerstätten Northern Katpar und Upper Kairakty. An der Projektgesellschaft Severniy Katpar hält Cove Kaz 70 %, die übrigen 30 % gehören dem staatlichen Bergbaukonzern Tau-Ken Samruk.
Eine Untersuchung vom April 2023 bezifferte die mineralischen Ressourcen beider Lagerstätten nach dem internationalen JORC-Standard auf etwa 1,4 Mio. Tonnen Wolframtrioxid. Der staatliche Projektpartner nennt mögliche Jahresmengen von 5.000 Tonnen Wolframprodukten für Northern Katpar und 7.000 Tonnen für Upper Kairakty. Die Schätzungen bilden eine geologische und technische Ausgangsbasis.
Chinas Dominanz prägt den Wolframmarkt
Wolfram wird für widerstandsfähige Werkzeuge, anspruchsvolle Fertigungsverfahren und bestimmte sicherheitsrelevante Anwendungen benötigt. Nach Angaben der US-Geologiebehörde USGS entfielen 2025 rund 67.000 der weltweit geschätzten 85.000 Tonnen Minenförderung auf China. In den USA wird seit 2015 kein Wolfram mehr kommerziell abgebaut. China führte im Februar 2025 zudem Exportkontrollen für ausgewählte Wolframprodukte ein.
Auf diese Abhängigkeiten verweist auch Paul Mann, geschäftsführender Verwaltungsratsvorsitzender des bisherigen Fusionspartners Skyline KYG8193D1043 A40YLE. Er betont den Versorgungsbedarf amerikanischer Unternehmen und sieht in zusätzlichen Bezugsquellen eine Möglichkeit, politische Risiken bestehender Importbeziehungen zu verringern.
Minenentwicklung soll bis 2030 zur Produktion führen
Seit Juli 2026 laufen vor Ort Vermessungsarbeiten sowie Vorbereitungen für Zufahrten und die weitere Erschließung. Bis Ende 2027 soll die endgültige Machbarkeitsstudie die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen klären. Auf ihrer Grundlage ist anschließend eine abschließende Investitionsentscheidung vorgesehen. Der Förderbeginn ist nach derzeitigem Planungsstand für 2030 angesetzt.
Die kasachischen Projektpartner veranschlagen den gesamten Ausbau beider Lagerstätten einschließlich der Aufbereitungsanlagen auf rund 1,1 Mrd. USD. Geplant ist auch die Herstellung von Ammoniumparawolframat, einem Zwischenprodukt für Wolframpulver und Hartmetalle. Das Vorhaben umfasst somit neben der Erzgewinnung auch die Weiterverarbeitung. Ob sich die Investitionen rechnen, soll durch die noch ausstehenden Untersuchungen geklärt werden.
Milliardenwert beruht auf kleiner Aktienausgabe
Den Bewertungsmaßstab liefert die geplante Ausgabe von vier Millionen Class-A-Aktien zu jeweils acht USD. Gegenüber der vorangegangenen Finanzierung beziffert Cove Kaz den Bewertungsanstieg auf 76 %.
Die Kapitalzusage stammt von American Ventures, unter deren Führung eine US-Investorengruppe bereits 2025 die Kontrolle über Skyline übernahm. Die vier Millionen neuen Aktien entsprechen nach Angaben von Cove Kaz lediglich rund 1,62 % des Kapitals nach der Transaktion. Der Milliardenwert ergibt sich damit aus dem Preis eines vergleichsweise kleinen privaten Aktienpakets.
Selbst bei erfolgreichem Abschluss entsprächen die 32 Mio. USD weniger als drei Prozent der derzeit geschätzten Projektinvestitionen. Das Geld soll nach Unternehmensangaben vor allem Ingenieur- und Bauvorbereitungen unterstützen.
Für die umfassendere Projektfinanzierung hatten die Unternehmen bereits im April Interessenbekundungen zweier US-Finanzierungsinstitutionen veröffentlicht. Die US-Exportbank EXIM stellte Kredite von bis zu 900 Mio. USD in Aussicht. Die staatliche US-Entwicklungsfinanzierungsagentur DFC signalisierte Interesse an bis zu 700 Mio. USD. Beide Schreiben sind unverbindlich und stellen noch keine endgültigen Kreditzusagen dar. Auch der Abschluss der neuen Privatplatzierung steht laut den bei der US-Börsenaufsicht eingereichten Unterlagen noch unter dem Vorbehalt von Prüfungen und endgültigen Verträgen.
Skyline soll Großaktionär werden
Noch am 30. April 2026 hatten Cove Kaz und Skyline einen Unternehmenszusammenschluss angekündigt. Am vergangenen Sonntag beendeten beide Seiten die Vereinbarung einvernehmlich. Statt der Fusion ist nun eine Neuordnung ihrer Beteiligungen vorgesehen.
Bis zur Direktnotierung soll Skyline insgesamt rund 64 Mio. Cove-Kaz-Aktien erhalten. Dies entspräche ungefähr 26 % des Eigenkapitals. Die Quote gilt vor einem möglichen Mitarbeiteroptionsprogramm, das bis zu zehn Prozent des vollständig verwässerten Aktienkapitals umfassen könnte. Skylines tatsächliche Beteiligungsquote könnte sich dadurch später noch verändern.
Ein Teil des Aktienpakets soll aus dem vollständigen Tausch von Skylines bisheriger Beteiligung an der Rohstoffgesellschaft Kaz Resources stammen. Weitere Anteile sind für die Ablösung eines zuvor gewährten Wandelkredits vorgesehen. Nach den bei der US-Börsenaufsicht eingereichten Angaben hat Skyline aus diesem Kredit 45 Mio. USD an Cove Kaz ausgezahlt. Bei einem Aktienpreis von acht USD hätte das gesamte Paket einen rechnerischen Wert von knapp 512 Mio. USD. Skyline beziffert den theoretischen Gegenwert bezogen auf rund 147 Mio. eigene Aktien in vollständig verwässerter Rechnung mit ungefähr 3,40 USD je Anteil.
Skyline beabsichtigt, seine Cove-Kaz-Aktien möglichst steuereffizient an die eigenen Aktionäre weiterzugeben. Dafür ist eine anteilige Verteilung im Zusammenhang mit der Direktnotierung vorgesehen. Die Empfänger könnten anschließend neben ihren bisherigen Skyline-Anteilen auch Cove-Kaz-Aktien halten. Ein endgültiger Termin für die Übertragung steht bislang nicht fest.
Zudem soll Skyline sein derzeitiges Nasdaq-Börsenkürzel KAZR innerhalb von 15 Tagen nach der Vereinbarung vom 1. November freigeben. Anschließend könnte Cove Kaz das Symbol für sich reservieren.
Vom Baugeschäft zu kritischen Rohstoffen
Der Kurswechsel reicht bis in das Jahr 2025 zurück. Nach der Übernahme durch die von American Ventures angeführte US-Investorengruppe sollte das bisherige asiatische Baugeschäft schrittweise aufgegeben werden. Im November desselben Jahres erwarb Skyline rund 20 % an Kaz Resources und begann damit den Aufbau seines Rohstoffportfolios.
Künftig will sich die Holding auf kritische Mineralien und Brennstoffe für die Kernenergie konzentrieren. Ziel ist insbesondere eine sicherere Versorgung amerikanischer Kunden. Die angekündigte Weitergabe der Cove-Kaz-Beteiligung bildet einen weiteren Schritt dieser Neuausrichtung.
Nach eigenen Angaben führt Skyline bereits Gespräche mit mehreren potenziellen Übernahmekandidaten. Konkrete neue Kaufverträge wurden bislang jedoch nicht veröffentlicht. Das Management verspricht sich vom eigenständigen Börsengang von Cove Kaz einen schnelleren Zugang zum Beteiligungswert als durch die ursprünglich vorgesehene Fusion.
Projektfinanzierung bleibt zentrale Herausforderung
Vor dem ersten Aktienhandel müssen die private Finanzierung und die vorgesehenen Anteilsübertragungen abgeschlossen werden. Erforderlich sind außerdem regulatorische Genehmigungen und die geplante Umwandlung von Cove Kaz in eine US-Aktiengesellschaft namens Kaz Resources.
Bei einer herkömmlichen Direktnotierung bieten bestehende Aktionäre ihre Papiere an, ohne dass das Unternehmen selbst neue Aktien ausgibt und dadurch zusätzliches Kapital einnimmt. Für die umfangreiche Entwicklung in Kasachstan benötigt Cove Kaz weiterhin eine gesonderte Projektfinanzierung.
Auch bei einem planmäßigen Börsenstart wird sich der Aktienkurs erst durch Angebot und Nachfrage bilden. Die genannte Milliardenbewertung beruht auf einer privaten Kapitalzusage. Für die Ertragskraft des Bergbauprojekts werden letztlich die Machbarkeitsstudie, gesicherte Finanzierungen und ein wirtschaftlicher Minenbetrieb ausschlaggebend sein.

