Glencore erwartet starke Nachfrage bei Börsenstart in Australien
Mit seiner australischen Zweitnotierung will der Schweizer Rohstoff- und Bergbaukonzern Glencore JE00B4T3BW64 A1JAGV zusätzliche Anleger erreichen. Am 14. Oktober sollen die Papiere erstmals an der Australian Securities Exchange (ASX) gehandelt werden. Konzernchef Gary Nagle berichtet bereits von großem Interesse. Als weitere Kaufargumente gelten die Gewinnaussichten bei Kupfer und im Rohstoffhandel.
Anlegerpotenzial im australischen Pensionsmarkt
Für Glencore ist Australien wegen seines großen Kapitalmarkts und der erfahrenen Rohstoffinvestoren interessant. Die ASX- Notierung erleichtert insbesondere institutionellen Anlegern mit regional beschränkten Anlagemandaten den Zugang zur Aktie. Laut Nagle zeigen sowohl bisherige Aktionäre als auch neue Interessenten großes Interesse.
Nach Angaben der australischen Finanzaufsicht APRA verwalteten die heimischen Pensionsfonds Ende Juni 2026 rund 4,77 Bill. AUD. Dieses Kapital erklärt einen wesentlichen Teil des Interesses am australischen Börsenplatz. Schon bei der Ankündigung im August hatte Glencore die Größe des langfristig orientierten Anlegermarktes und bessere Handelsmöglichkeiten hervorgehoben. Wie viele Investoren den neuen Zugang tatsächlich nutzen, muss sich allerdings erst im Börsenhandel erweisen.
Gehandelt werden sogenannte CHESS Depositary Interests (CDIs), die jeweils das wirtschaftliche Eigentum an einer Glencore-Stammaktie vermitteln. Bestehende Aktionäre können ihre Aktien in diese australischen Hinterlegungspapiere umwandeln. Neue Aktien muss der Konzern zur Kapitalbeschaffung dafür nicht ausgeben.
Glencore strebt zudem eine Aufnahme in den S&P/ASX 200 an, den australischen Leitindex für große und liquide Aktien. Nagle hält den Aufstieg innerhalb eines Jahres für möglich. Einige Analysten rechnen sogar mit einer Aufnahme nach etwa sechs Monaten.
Seit September 2025 prüft der Indexanbieter die durchschnittliche Marktkapitalisierung und Handelsliquidität über drei statt zuvor sechs Monate. Für ausländische Unternehmen mit mehreren Börsennotierungen gilt allerdings eine Besonderheit. Maßgeblich ist grundsätzlich der Börsenwert der in Australien registrierten Papiere und nicht die gesamte weltweite Börsenbewertung des Unternehmens. Die Aussichten für Glencore hängen deshalb vornehmlich davon ab, wie viele Hinterlegungspapiere tatsächlich in Australien gehalten und gehandelt werden.
Mit einer Indexaufnahme könnte sich der Anlegerkreis nochmals erweitern. Fonds, die sich am S&P/ASX 200 orientieren, müssten Glencore dann entsprechend ihrer jeweiligen Anlagestrategie berücksichtigen.
Glencore setzt auf einen kräftigen Kupferausbau
Für die Bewertung des Konzerns wird Kupfer immer wichtiger. Stromnetze und Elektrofahrzeuge kommen ebenso wenig ohne das Metall aus wie zahlreiche andere Teile der elektrischen Infrastruktur. Glencore verspricht sich von der fortschreitenden Elektrifizierung deshalb langfristig bessere Absatzmöglichkeiten.
Nach Schätzungen von Analysten könnte Kupfer bis 2030 rund 50 % des Konzernergebnisses ausmachen. Derzeit liegt der Anteil bei etwa 30 %. Voraussetzung für diese Verschiebung ist allerdings, dass die geplanten Förderprojekte rechtzeitig umgesetzt werden und wirtschaftlich erfolgreich arbeiten.
Im vergangenen Jahr produzierte Glencore rund 852.000 Tonnen Kupfer. Für 2026 erwartet das Unternehmen eine Förderung zwischen 810.000 und 870.000 Tonnen. Kurzfristig ist somit noch kein großer Produktionssprung absehbar. Bis Ende 2028 will Glencore jedoch eine jährliche Förderrate von rund einer Million Tonnen erreichen. Für 2035 peilt der Konzern rund 1,6 Mio. Tonnen an.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Kupferförderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15 % auf 397.000 Tonnen. Dazu trugen vor allem höhere Abbaumengen und bessere Erzgehalte in bestehenden Betrieben bei. Der längerfristige Ausbau bleibt allerdings von Investitionen, dem Fortschritt der Projekte und stabilen Betriebsbedingungen abhängig.
Für den australischen Börsenstart sind diese Produktionspläne von erheblicher Bedeutung. Anleger müssen einschätzen, welcher Teil des erwarteten Wachstums bereits im Aktienkurs berücksichtigt ist. Ein höherer Gewinnbeitrag aus Kupfer setzt schließlich entsprechende Fördermengen voraus und hängt ebenso von Rohstoffpreisen und Kosten ab.
Kohleförderung bleibt bei Investoren umstritten
Weitaus kontroverser ist das Kohlegeschäft. Glencore gehört weiterhin zu den weltweit größten Produzenten von Kraftwerkskohle. Allein 2025 förderte das Unternehmen rund 98 Mio. Tonnen dieses Energierohstoffs. Für Investoren mit strengen Klimavorgaben kann die Sparte deshalb weiterhin ein Hindernis sein.
Nagle beobachtet allerdings eine veränderte Haltung gegenüber Kohle. Energiekrisen und geopolitische Spannungen hätten die Bedeutung einer zuverlässigen Versorgung wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Seiner Einschätzung nach wird Kohle deshalb länger zur Stromerzeugung beitragen, als viele Anleger ursprünglich erwartet hatten.
Glencore vereint damit zwei Geschäfte, die von Investoren durchaus unterschiedlich bewertet werden. Der Konzern bietet Beteiligungschancen am Ausbau elektrischer Infrastruktur und erzielt zugleich erhebliche Einnahmen aus fossilen Energieträgern. Wie australische Fonds diese Verbindung beurteilen, dürfte den Erfolg der neuen Börsennotierung wesentlich beeinflussen.
Handelsgeschäft liefert hohe Gewinne
Neben dem Bergbau verfügt Glencore über eine große Handelsabteilung für Metalle und Energieträger. Sie kauft, verkauft, finanziert und transportiert Rohstoffe und kann dabei von Veränderungen internationaler Warenströme profitieren. Nach Nagles Darstellung wäre diese Verbindung aus Bergbau sowie Metall- und Energiehandel unter den an der ASX notierten Unternehmen einzigartig.
Im laufenden Jahr hat sich das Geschäft als besonders ertragreich erwiesen. Bereits im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete die Handelsabteilung einen bereinigten operativen Gewinn von 3,3 Mrd. USD. Das waren 142 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet Glencore inzwischen mehr als fünf Milliarden USD.
Hinter den hohen Erträgen stehen vor allem erhebliche Verwerfungen an internationalen Energiemärkten. Konflikte im Nahen Osten haben Handelsströme verändert und zeitweise Engpässe bei Öl, Kraftstoffen, Gas und Transportkapazitäten verschärft. Unternehmen, die unter solchen Bedingungen Waren beschaffen, lagern und zuverlässig liefern können, finden zusätzliche Handelsmöglichkeiten.
Neue Gewinnprognose berücksichtigt Finanzierungskosten
Auf Dauer sind derart außergewöhnliche Erträge allerdings nicht garantiert. Für seine längerfristige Ertragsprognose verwendet Glencore inzwischen eine geänderte Berechnungsmethode. Für die Zeit ab 2027 ergibt sich unter aktuellen Annahmen eine jährliche Spanne von 2,8 bis 4,2 Mrd. USD. Zuvor hatte die langfristige Orientierungsgröße zwischen 2,3 und 3,5 Mrd. USD gelegen.
Bei der neuen Berechnung spielen auch die Warenbestände und deren Finanzierung eine Rolle. Zum 30. Juni 2026 verfügte Glencore über kurzfristig handelbare Rohstoffbestände im Wert von 32,2 Mrd. USD. Im Vorjahr waren es 25,4 Mrd. USD gewesen. Größere Bestände eröffnen umfangreichere Handelsmöglichkeiten, erfordern allerdings auch mehr Kapital.
Die neue Berechnung unterstellt bei den aktuellen Beständen Finanzierungskosten von rund fünf Prozent. Steigende Zinsen oder ein höherer Kapitalbedarf können daher einen Teil zusätzlicher Handelserträge aufzehren. Die außergewöhnliche Gewinnprognose für 2026 eignet sich folglich nur eingeschränkt als Maßstab für die kommenden Geschäftsjahre.
Gescheiterte Annäherung an Rio Tinto wirkt nach
Der wachsende Kupferbedarf veranlasst große Bergbaukonzerne, ihre Rohstoffportfolios zu überprüfen. Für Glencore eröffnet der australische Börsenplatz über die unmittelbare Anlegernachfrage hinaus zusätzliche strategische Möglichkeiten.
Anfang 2026 hatten Glencore und der internationale Bergbaukonzern Rio Tinto GB0007188757 852147 über einen möglichen Zusammenschluss gesprochen. Das potenzielle Transaktionsvolumen wurde auf rund 240 Mrd. USD geschätzt. Anfang Februar erklärte Rio Tinto jedoch, eine Fusion oder andere Kombination nicht weiterzuverfolgen. Die Unternehmen hatten nach Darstellung von Rio Tinto keine Einigung erzielen können, die ausreichend Wert für dessen Aktionäre geschaffen hätte.
Dennoch wird an den Finanzmärkten darüber spekuliert, ob Glencores stärkere Präsenz in Australien eine spätere Annäherung erleichtern könnte. Nagle weist indes einen direkten Zusammenhang zwischen der Zweitnotierung und möglichen Übernahmeplänen zurück. Eine konkrete Liste potenzieller Übernahmeziele gebe es nicht. Zusätzliche strategische Möglichkeiten würde der Konzernchef gleichwohl begrüßen. Ein größerer australischer Aktionärskreis könnte Glencore bei künftigen Unternehmensentscheidungen mehr Spielraum verschaffen, ohne dass damit bereits eine bestimmte Transaktion verbunden wäre.
Für die erhoffte Indexaufnahme kommt es insbesondere darauf an, wie viele Aktionäre ihre Glencore-Aktien in australische Hinterlegungspapiere umwandeln und wie rege diese anschließend gehandelt werden. Zugleich wird sich zeigen, welchen Wert die Anleger dem Kupferwachstum, dem profitablen Rohstoffhandel und der weiterhin bedeutenden Kohleförderung beimessen.

