Anglo American sucht nach Wertverlust Käufer für De Beers

Anglo American sucht nach Wertverlust Käufer für De Beers PRAHANT STUDIO / Bigstock

Beim britisch-südafrikanischen Bergbaukonzern Anglo American GB00BTK05J60 A41BF3 steht De Beers nur noch mit 2,3 Mrd. USD in den Büchern. Seit 2024 sucht der Mehrheitsaktionär einen Käufer für seinen Anteil von 85 %. Schwache Nachfrage, sinkende Diamantenpreise und hohe Lagerbestände belasten die Ertragsaussichten und erschweren den Verkauf.

Vom Milliardenkauf zum Verlustgeschäft

2011 hielt Anglo American bereits 45 % an De Beers. Weitere 40 % gehörten über Beteiligungsgesellschaften der südafrikanischen Familie Oppenheimer. Anglo American vereinbarte, diesen Anteil für 5,1 Mrd. USD zu übernehmen. Der Kaufpreis entsprach rechnerisch einer Gesamtbewertung von knapp 13 Mrd. USD. Mit dem Abschluss der Übernahme 2012 stieg die Beteiligung von Anglo American auf 85 %.

Parallel zum Wertverlust ging die Ertragskraft erheblich zurück. 2016 erwirtschaftete De Beers noch ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 1,4 Mrd. USD. 2025 stand bei derselben Kennzahl ein Verlust von 511 Mio. USD. Allein der Verkauf früher teurer eingekaufter Rohdiamantenbestände verursachte Handelsverluste von 424 Mio. USD. Im ersten Halbjahr 2026 fiel der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen mit 113 Mio. USD geringer aus als im Vorjahreszeitraum mit 189 Mio. USD.

Anglo American hat De Beers für 2025 erneut milliardenschwer abgeschrieben. Künftig will sich der Konzern stärker auf Kupfer und andere bevorzugte Rohstoffe konzentrieren.

Naturdiamanten verlieren Preismacht im Schmuckmarkt

Im Labor hergestellte Diamanten werden erheblich günstiger angeboten als natürliche Steine. Nach Daten des Preisportals StoneAlgo kostete ein Naturdiamant mit einem Karat Ende Oktober 2026 im US-Onlinehandel durchschnittlich rund 3.850 USD. Ein gleich schwerer Labordiamant war dagegen für etwa 500 USD erhältlich. Die Durchschnittswerte umfassen Steine unterschiedlicher Schliff-, Farb- und Reinheitsqualitäten.

Dieser Preisabstand setzt die traditionellen Produzenten vor allem im preisbewussten Schmuckgeschäft unter Druck. Dort genügt der natürliche Ursprung allein kaum noch, um hohe Preisaufschläge zu rechtfertigen. Einen Anhaltspunkt für die wachsende Verbreitung synthetischer Steine liefern die Schmuckbewertungen des US-Versicherers BriteCo. Unter den dort neu bewerteten Verlobungsringen hatten im ersten Halbjahr 2026 bereits 51 % einen Labordiamanten als Mittelstein. 2019 waren es rund sechs Prozent.

Schwächere Ausgaben für Luxusgüter verschärfen die Lage. Besonders in China belasten veränderte Kaufgewohnheiten und sinkende Heiratszahlen das Geschäft mit Diamantschmuck. Im dritten Quartal 2026 berichtete De Beers dagegen von einer Belebung der Nachfrage in den USA und Indien. Diese regionalen Unterschiede erklären, weshalb einzelne Absatzsegmente stabiler wirken als der Gesamtmarkt.

Ungeachtet dieser Lichtblicke bleiben Rohdiamanten unter erheblichem Preisdruck. In den ersten neun Monaten 2026 lag der durchschnittlich erzielte Preis mit 97 USD je Karat um 37 % unter dem Vorjahresniveau. Der De-Beers-Preisindex sank um 18 %, während eine Verschiebung hin zu günstigeren verkauften Qualitäten den Durchschnittspreis zusätzlich belastete. Hohe Bestände unverkaufter Diamanten verschärfen die Situation für die Produzenten.

Unter den schwierigen Bedingungen leiden auch der britische Diamantenproduzent Petra Diamonds BMG702782084 A3C9V4 und der australische Wettbewerber Burgundy Diamond Mines AU0000118994 A2QJHD. Wie viel wirtschaftlicher Spielraum bleibt, entscheidet sich bei jeder Mine am Verhältnis von Förderkosten und Erlösen für die jeweiligen Steinqualitäten.

Weniger Förderung belastet die Bergbauregionen

Im dritten Quartal 2026 gewann De Beers weltweit 6,8 Mio. Karat, elf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Neben Wartungsarbeiten in Botswana trug vor allem die gedrosselte Förderung der Venetia-Mine in der südafrikanischen Provinz Limpopo zum Rückgang bei. Dort bereitet der Konzern eine zweijährige Produktionspause vor. Für den Rest des Jahres 2026 erwartet De Beers am Standort keine weitere Diamantenproduktion. Während der Pause sollen wichtige Infrastrukturarbeiten fortgesetzt werden, um eine spätere Wiederaufnahme und Erweiterung des Untertagebetriebs vorzubereiten.

In den umliegenden Gemeinden sind die wirtschaftlichen Folgen schon jetzt spürbar. Mitte September schloss De Beers Gespräche mit den Gewerkschaften ab und informierte rund 3.500 Beschäftigte am Standort über ihre jeweilige Situation. Auch Auftragnehmer und örtliche Dienstleister sind vom Minenbetrieb abhängig. Händler im Umfeld der Mine berichten bereits von sinkenden Umsätzen. Wie viele Arbeitsplätze dauerhaft wegfallen könnten, lässt sich derzeit noch nicht absehen.

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Botswana ringt um Einfluss und finanzielle Sicherheit

Nach Angaben der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times stammen im Land normalerweise rund ein Drittel der Staatseinnahmen und drei Viertel der Devisenerlöse aus Diamanten. Entsprechend empfindlich reagieren der Staatshaushalt und die Devisenversorgung auf sinkende Diamantenpreise.

Der Staat besitzt bereits 15 % an De Beers und möchte seine Beteiligung ausbauen. Unabhängig davon hält Botswana 50 % an Debswana, dem Gemeinschaftsunternehmen mit De Beers für die Diamantenförderung im Land. Sein politischer Einfluss auf die Förderung reicht somit schon heute über den Minderheitsanteil am Konzern hinaus.

Auch bei der Vermarktung eigener Rohdiamanten hat Botswana zusätzliche Rechte ausgehandelt. Seit 2025 darf die staatliche Handelsgesellschaft Okavango Diamond Company zunächst 30 % der Debswana-Produktion selbst vermarkten. Ab 2030 steigt dieser Anteil auf 40 % und bei einer möglichen Vertragsverlängerung ab 2035 auf 50 %. Der schwache Markt begrenzt allerdings die Aussicht auf höhere Erlöse trotz größerer Verkaufsmöglichkeiten.

Finanzminister Ndaba Gaolathe hält einen größeren De-Beers-Anteil auch ohne zusätzliche staatliche Finanzmittel für denkbar. Nach eigenen Angaben sucht er einen strategischen Partner, der das Unternehmen wirtschaftlich stärken kann. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rät angesichts der Haushaltsrisiken jedoch von einem höheren Staatsanteil ab. In seinem Bericht vom Dezember 2025 erwartete der IWF für jenes Jahr ein Haushaltsdefizit von mehr als acht Prozent der Wirtschaftsleistung.

Neuer Eigentümer müsste den Markt überzeugen

Nach Informationen der Financial Times gehört Gareth Penny, ein früherer De-Beers-Chef, zu den möglichen Käufern. Er führt demnach Gespräche über den Anteil von Anglo American. Eine über die Verhandlungen informierte Person nennt dafür eine diskutierte Größenordnung von rund einer Milliarde USD. Zum möglichen Investorenkreis soll auch der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont CH0210483332 A1W5CV gehören. Das Unternehmen besitzt unter anderem die Schmuckmarke Cartier. Eine verbindliche Übernahmevereinbarung wurde bislang nicht bekannt.

De Beers führte 2018 mit Lightbox eine eigene Schmuckmarke für im Labor erzeugte Diamanten ein. 2025 kündigte der Konzern die Schließung des Geschäfts an. Einige frühere Führungskräfte halten diesen Schritt rückblickend für einen Fehler. Ihrer Einschätzung nach hat Lightbox dazu beigetragen, Laborsteine bei Händlern und Kunden gesellschaftsfähiger zu machen. Ob die Marke damit auch den Preisverfall natürlicher Diamanten verstärkte, lässt sich nicht belegen.

Auch die Vermarktung natürlicher Diamanten gilt als Schwachstelle. Für Werbung gab De Beers 2007 ungefähr 220 Mio. USD aus, 2018 waren es noch etwa 166 Mio. USD. Vergleichbare vollständige Zahlen für die Folgejahre liegen nicht vor. Die frühere Führungskraft Varda Shine sieht vor allem bei jüngeren Kundengruppen Versäumnisse.

Der unabhängige Diamantenanalyst Paul Zimnisky fordert, den Wert und die Besonderheiten natürlich entstandener Steine deutlicher zu vermitteln. De Beers kündigte für 2025 seine größte allgemeine Diamantenwerbung seit mehr als zehn Jahren an, ohne eine konkrete Summe zu nennen.

Knapperes Angebot, aber ungewisse Nachfrage

Stilllegungen und Produktionspausen könnten weltweit weniger Rohdiamanten in den Handel bringen. Sollten Käufer wieder stärker nach Naturdiamanten fragen, wären bei geringeren Fördermengen schnellere Preissteigerungen denkbar. Auf diesen Zusammenhang verweist auch Analyst Zimnisky.

De Beers berichtet zwar von ersten positiven Ergebnissen gemeinsamer Werbeinitiativen, doch ob daraus ein dauerhafter Nachfrageanstieg wird, bleibt offen. Im günstigeren Schmucksegment dürften synthetische Diamanten weiterhin einen festen Platz behalten.

Die Produzenten müssen Naturdiamanten deshalb deutlicher als eigenständiges Produkt positionieren. Herkunft und besondere Eigenschaften sollen Käufer überzeugen, während die Bergbauunternehmen zugleich ihre Kosten im Griff behalten müssen. Ohne eine breitere Nachfrage könnte selbst ein verringertes Angebot nicht ausreichen, um den langjährigen Preisverfall umzukehren.