Liefergarantie soll MMGs Nickeldeal mit Anglo American retten
Mit einer verbindlichen Liefergarantie wirbt der chinesisch kontrollierte Bergbaukonzern MMG HK1208013172 A0BLUG um die Zustimmung der EU. Das Unternehmen will das brasilianische Nickelgeschäft des britischen Bergbaukonzerns Anglo American GB00BTK05J60 A41BF3 für bis zu 500 Mio. USD übernehmen.
Nach dem Vorschlag sollen europäische Kunden auch künftig die bisherigen Liefermengen erhalten. Die Garantie soll nach britischem Recht durchsetzbar sein und unabhängig überwacht werden können. Das erklärte Troy Hey, bei MMG für Unternehmensbeziehungen zuständig, am vergangenen Freitag. Die Genehmigung der Übernahme steht trotz des Angebots weiterhin aus.
Brüssels Bedenken bei der Ferronickelversorgung
Mitte September übermittelte die Europäische Kommission ihre vorläufigen Wettbewerbsbedenken an MMG. Die vertiefte Prüfung der Übernahme läuft bereits seit November 2025. Untersucht werden insbesondere die Auswirkungen auf den aus Sicht der Kommission stark konzentrierten Markt für kohlenstoffarmes Ferronickel. Europäischen Edelstahlproduzenten stehen nach vorläufiger Einschätzung der Behörde nur begrenzt alternative Bezugsquellen zur Verfügung.
Ferronickel ist eine Legierung aus Nickel und Eisen, die vor allem bei der Herstellung von Edelstahl verwendet wird. "Kohlenstoffarm" bezieht sich dabei auf dessen Gehalt in der Legierung, nicht etwa auf emissionsarme Herstellung. Brüssel befürchtet, dass nach einem Eigentümerwechsel weniger Material an europäische Produzenten geliefert werden könnte. Höhere Rohstoffkosten und eine geschwächte Wettbewerbsposition wären mögliche Folgen.
Ein wesentlicher Grund für diese Bedenken ist die chinesische Eigentümerstruktur. China Minmetals, ein staatlicher chinesischer Rohstoffkonzern, hält nach Angaben von MMG rund 63 % der Anteile. Der Konzern untersteht der staatlichen chinesischen Vermögensaufsicht SASAC, die laut EU-Kommission auch mehrere Edelstahlhersteller kontrolliert. Die Wettbewerbshüter befürchten deshalb, dass Ferronickel künftig bevorzugt an diese Hersteller geliefert werden könnte.
MMG widerspricht dieser Einschätzung und verweist darauf, bislang selbst kein Ferronickel herzustellen. Nach den Übernahmeplänen sollen die bestehenden europäischen Kundenverträge und die Vermarktungsfunktion von Anglo American auf MMG übergehen. Auf diese Weise will der Konzern die bisherigen Lieferbeziehungen fortführen.
Auch Anglo American unterstützt die vorgeschlagene Garantie und hält sie für geeignet, die wettbewerbsrechtlichen Bedenken auszuräumen. MMG wiederum bleibt bei seiner Einschätzung, dass die Transaktion grundsätzlich auch ohne Auflagen genehmigt werden könnte.
Brasiliens Nickelbetriebe zwischen Verkauf und Stilllegung
Die im Februar 2025 vereinbarte Übernahme umfasst die produzierenden Standorte Barro Alto und Codemin im brasilianischen Bundesstaat Goiás. Zum Geschäft gehören außerdem die Entwicklungsprojekte Jacaré und Morro Sem Boné. Beim Abschluss wären 350 Mio. USD fällig. Weitere Zahlungen hängen vom Nickelpreis und möglichen Investitionsentscheidungen ab.
Die beiden bestehenden Betriebe produzierten 2024 zusammen 39.400 Tonnen enthaltenes Nickel in Ferronickel, wie Anglo American bei Bekanntgabe des Verkaufs mitteilte. In den ersten neun Monaten 2026 erreichte die Produktion 28.600 Tonnen und lag damit rund drei Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Im dritten Quartal stieg der Ausstoß dagegen gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 10.400 Tonnen. Anglo American begründete diese Entwicklung mit dem zeitlichen Verlauf von Wartungsarbeiten am Standort Barro Alto.
Mit dem Verkauf will sich Anglo American stärker auf andere Rohstoffe konzentrieren. Für MMG bedeutet die Übernahme dagegen den Einstieg in den brasilianischen Nickelmarkt. Die bestehenden Anlagen sollen das Rohstoffportfolio des Konzerns erweitern, während die Entwicklungsprojekte Möglichkeiten für künftige Investitionen eröffnen.
Nach Angaben von MMG-Manager Troy Hey würden die brasilianischen Minen geschlossen, falls die EU den Verkauf ablehnt. Bereits Anfang Oktober verwies MMG auf rund 4.500 Arbeitsplätze in Brasilien, deren Perspektive mit dem Fortbestand der Nickelaktivitäten verbunden sei. Eine unabhängig bestätigte Entscheidung über eine Stilllegung liegt bislang nicht vor.
Frühere Zusagen überzeugten die EU nicht
Schon vor Beginn der vertieften Prüfung hatte MMG Verpflichtungen angeboten. Die Kommission hielt diese jedoch für unzureichend, weil sie ausschließlich das künftige Verhalten betrafen und keine strukturellen Änderungen vorsahen. Auf eine Befragung des Marktes zu den damaligen Vorschlägen verzichtete die Behörde deshalb.
MMG setzt nun auf die rechtliche Durchsetzbarkeit und unabhängige Überwachung seiner Lieferzusage. Die Kommission muss allerdings noch beurteilen, ob das Angebot ihre bisherigen Wettbewerbsbedenken ausreichend entkräftet.
Nach Angaben von MMG sind die übrigen erforderlichen regulatorischen Verfahren bereits abgeschlossen. Die Zustimmung der Europäischen Kommission ist damit die letzte noch ausstehende Genehmigung für den Vollzug der Transaktion.
Als Frist für den Abschluss ihrer Untersuchung hat die EU-Kommission den 30. November 2026 angesetzt. Bis dahin muss sie entscheiden, ob die angebotenen Lieferzusagen die befürchteten Nachteile für europäische Edelstahlhersteller wirksam verhindern können.

