Weltbank erwartet Kupferboom trotz steigender Förderkosten

Weltbank erwartet Kupferboom trotz steigender Förderkosten bigstockphoto

Die internationale Entwicklungsinstitution Weltbank hebt ihre Kupferpreiserwartung kräftig an. In ihrem Rohstoffausblick vom vergangenen Mittwoch veranschlagt sie für das kommende Jahr nun einen Durchschnittspreis von 13.000 USD je Tonne, das sind 18 % mehr als noch bei der Prognose im April. Für Minenbetreiber zeichnen sich dennoch schwierigere Geschäftsbedingungen ab, denn teure Energie und störanfällige Lieferketten belasten die Produktion.

Hohe Metallpreise bei steigenden Energiekosten

Für den breiten Index der Metalle und Mineralien erwartet die Weltbank 2026 einen Preisanstieg um rund 25 %. Im folgenden Jahr sollen die Notierungen zwar um 3,3 % nachgeben, aber immer noch 16 % über dem bisherigen Höchststand von 2021 liegen.

Die hohen Verkaufspreise verbessern die Erlösaussichten der Produzenten. Allerdings steigen zugleich wichtige Ausgaben. Für Energie prognostiziert die Weltbank 2026 eine Verteuerung um 32 %. Dahinter steht vor allem der Konflikt im Nahen Osten. Das globale Ölangebot soll demnach 2026 um 5,2 % sinken, der stärkste Rückgang seit mehr als vier Jahrzehnten außerhalb des Jahres 2020. Diesel, Strom und Transporte verursachen gerade bei großen Minen und in der Metallverarbeitung erhebliche Kosten.

Wie viel vom Preisaufschwung bei den Unternehmen ankommt, hängt deshalb wesentlich von ihrer Kostenstruktur ab. Sinkende Erzgehalte oder hohe Stromrechnungen können einen Teil der zusätzlichen Erlöse wieder aufzehren.

Förderprobleme und Strombedarf stützen Kupferpreis

Im laufenden Jahr veranschlagt die Weltbank das Metall inzwischen mit durchschnittlich 13.200 USD je Tonne. Damit läge die Notierung 2027 zwar etwas niedriger, aber weiterhin auf einem historisch hohen Niveau.

Die Schwierigkeiten wichtiger Förderländer begrenzen das kurzfristig verfügbare Angebot. In Indonesien störte ungünstiges Wetter den Bergbau, während in Chile betriebliche Probleme und sinkende Erzgehalte die Produktion belasten. Neue Minen können solche Engpässe kaum rasch ausgleichen: Zwischen den ersten Erkundungen und dem Förderbeginn liegen häufig mehr als zehn Jahre.

Bei raffiniertem Kupfer zeichnet sich dagegen eine günstigere Angebotsbilanz ab. Die Internationale Kupferstudiengruppe ICSG erwartet für raffiniertes Kupfer 2027 einen rechnerischen Angebotsüberschuss von 368.000 Tonnen, nach 104.000 Tonnen 2026. Dazu soll unter anderem die zusätzliche Produktion von Schmelzen und Raffinerien in Indonesien, Indien und der EU beitragen. Die Prognose spricht gegen einen ununterbrochenen Kupfermangel, während einzelne Lieferketten weiterhin anfällig für Störungen bleiben.

Zollrisiken lenken Kupfer in US-Lagerhäuser

Wegen möglicher US-Importzölle kostete Kupfer an der amerikanischen Terminbörse Comex zeitweise mehr als an der London Metal Exchange (LME). Dieser Preisaufschlag zog zusätzliche Lieferungen in amerikanische Lagerhäuser. Bis September verringerte sich der Abstand deutlich, doch weitere Zollentscheidungen könnten die Warenströme erneut verändern.

Das Ausmaß dieser Verlagerung verdeutlichen Zahlen des Rohstoffbrokers Sucden Financial: Mitte Oktober lagerten an der Comex mehr als 799.000 Tonnen Kupfer. Das entsprach rund 70 % der an den maßgeblichen Metallbörsen sichtbaren Bestände. Raffinierte Kupferkathoden sind bislang von den betreffenden US-Zöllen ausgenommen. Schon die Aussicht auf neue Abgaben kann jedoch ausreichen, um Metall in den USA zu halten und seine Verfügbarkeit andernorts einzuschränken.

Das hohe Preisniveau lässt sich allerdings nicht allein mit wachsendem Verbrauch erklären. Im ersten Halbjahr 2026 ging die weltweite Kupfernachfrage laut Weltbank sogar leicht zurück. Für das gesamte Jahr erwartet die ICSG dennoch einen Verbrauchszuwachs bei raffiniertem Kupfer von 1,5 %. Langfristig soll der Bedarf weiter zunehmen, weil Stromnetze, Rechenzentren und Elektrofahrzeuge große Mengen des leitfähigen Metalls benötigen. Vor allem für 2027 und 2028 rechnet die Weltbank deshalb mit zusätzlichen Nachfrageimpulsen.

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Andere Rohstoffe bieten ein uneinheitliches Preisbild

Beim Eisenerz sprechen gleich zwei Entwicklungen für niedrigere Notierungen. Die chinesische Baukonjunktur bleibt schwach, während zusätzliche Fördermengen auf den Weltmarkt gelangen dürften. Zu diesen Mengen soll auch Erz aus dem großen Simandou-Projekt im westafrikanischen Guinea gehören. Die Weltbank veranschlagt für 2027 nur noch 95 USD je Trockentonne, nach 98 USD im laufenden Jahr.

Auch bei Batterierohstoffen führt die Energiewende keineswegs zwangsläufig zu steigenden Preisen. Im dritten Quartal 2026 verbilligte sich Kobalt um 25 %, Lithium um 13 %. Im Fall von Lithium trafen Faktoren wie ein größeres Angebot und ein schwächerer Elektroautoabsatz in China zusammen. Beim Nickel verändert zudem die Batterietechnik den Absatzmarkt. Moderne Lithium-Eisenphosphat-Akkus kommen ohne das Metall aus. Rund zwei Drittel des Nickelverbrauchs entfallen weiterhin auf die Edelstahlherstellung. Für 2027 erwartet die Weltbank weitgehend stabile Preise.

Bei Zinn und Zink fallen die Prognoserevisionen ebenfalls deutlich aus. Gegenüber April hebt die Weltbank ihre Schätzung für Zinn im Jahr 2027 um 22 % auf 45.000 USD je Tonne an. Bei Zink beträgt die Aufwärtskorrektur 13 % auf 3.100 USD je Tonne. Im Vergleich zu 2026 könnten beide Metalle dennoch rund 11 bis 12 % günstiger werden, weil sich die Versorgung voraussichtlich verbessert.

Für Aluminium, Kupfer und Zinn erwartet die Bank 2026 neue Rekorde beim Jahresdurchschnittspreis. Hinter dem breiten Preisanstieg stehen allerdings sehr unterschiedliche Entwicklungen bei Angebot und Nachfrage.

Hohe Silberpreise verändern industriellen Verbrauch

Hersteller von Solarzellen reduzieren inzwischen den Einsatz von Silber oder verwenden teilweise Kupfer als Ersatz. Auf diese Weise reagieren sie auf die hohen Materialkosten. Gleichzeitig benötigen die Elektronik- und Fahrzeugindustrie sowie Rechenzentren und Stromnetze weiterhin Silber. In welchem Umfang diese Nachfrage den geringeren Materialeinsatz bei Solarzellen ausgleichen kann, ist noch offen.

Die Weltbank rechnet 2027 mit durchschnittlich 62 USD je Unze Silber, nach 70 USD im laufenden Jahr. Auch Gold soll etwas günstiger werden. Für 2027 stehen hier noch 4.250 USD je Feinunze in der Prognose, verglichen mit 4.600 USD für 2026. Anleger und Zentralbanken bleiben wichtige Käufer, obwohl ihre Nachfrage nach Einschätzung der Bank etwas nachlassen dürfte.

Erneuter Ölpreisschock könnte die Kalkulation verändern

Der Rohstoffausblick setzt voraus, dass Konflikte mit Auswirkungen auf die weltweite Versorgung nicht wesentlich eskalieren. Unter dieser Annahme dürfte Brent-Rohöl von durchschnittlich 91 USD je Barrel 2026 auf 79 USD im Jahr 2027 nachgeben. Bei weiteren Versorgungsstörungen hält die Weltbank dagegen einen Durchschnittspreis von 105 USD je Barrel für möglich. Ein solcher Anstieg würde Maschinenbetrieb, Transporte und energieintensive Verarbeitung verteuern. Zugleich könnten anhaltender Inflationsdruck und höhere Finanzierungskosten neue Bergbau- und Industrieprojekte bremsen. Hohe Metallpreise würden sich unter diesen Bedingungen nicht zwangsläufig in steigenden Gewinnen niederschlagen.

Wirtschaftliche Risiken reichen zudem über einzelne Rohstoffmärkte hinaus. In der statistischen Analyse der Weltbank treten Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Rohstoffen besonders in angespannten Marktphasen hervor. Industriemetalle spielen bei der Übertragung von Preisschwankungen eine wichtige Rolle. Zuletzt beeinflusste auch Öl die Preisentwicklung anderer Rohstoffe stärker.

Für Bergbauunternehmen gehen hohe Erlösaussichten mit erheblichen Kostenrisiken einher. Begrenzte neue Förderkapazitäten und die Elektrifizierung stützen den Kupfermarkt. Doch wie stark Unternehmen davon wirtschaftlich profitieren, hängt von der Erzqualität, der Entwicklung der Energieversorgung, ihrer Kostenstruktur und verlässlichen Handelswegen ab.